Fast scheint es, dass das Wort ‚Megatrend‘ zum Wort des Jahres werden könnte. Wer heute einen Kongress besucht, begegnet ihm fortlaufend. Je nach Branche differiert lediglich die inhaltliche Gewichtung der so genannten Megatrends. Einige jedoch sind überall gleichermaßen präsent: das neue Mobilitätsdenken, das neue Umwelt- und Klimadenken und das neue Globalitätsdenken. Letzteres war auch ein Schwerpunkt auf dem Deutschen Kunststofftag am 5. Mai in Bad Homburg. Die fast 150 Teilnehmer erfuhren in verschiedenen Vorträgen, wie die Wirtschaft beispielsweise in China, Saudi-Arabien, Middle East oder North Africa tickt, wie insbesondere die Kunststoffbranche dort aufgestellt ist und welche Chancen es für deutsche Unternehmen in diesen Regionen gibt.
Global denken auch die Macher der Messe Düsseldorf. Auf neun Auslandsmessen bieten sie deutschen Unternehmen die Möglichkeit, sich zu präsentieren und die Wirtschaftsregularien dieser Länder kennen zu lernen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag auf Seite 68 und in dem Interview mit Messechef Werner M. Dornscheidt.
Doch wo auch immer auf der Welt sich ein global agierendes Unternehmen niederlässt – es sind die einfachen Alltagsweisheiten, die letztendlich über Erfolg und Misserfolg entscheiden. So hört Dieter Lindemann, der als Global Business Manager der Sabic (Saudi Basic Industries Corporation) in Saudi-Arabien tätig ist, von einem arabischen Kollegen: „You have the clock, but we have the time.“ Müssen wir Deutschen also überall auf der Welt so taff, pünktlich und zack-zack sein, um Erfolg zu haben?
Auch Prof. h.c. Helmar Franz, der als Vorstand des chinesischen Spritzgieß-Maschienenbauers Haitian International Holdings Limited in China arbeitet, stutzte bei der Aussage eines chinesischen Kollegen: „’Made in Germany‘ spricht so sehr für Qualität, dass es die Deutschen stolz machen sollte, wenn wir versuchen, es gleichzutun.“ Obwohl China noch lange keine entwickelte Volkswirtschaft ist, sind die Chinesen auf dem besten Weg, die ingenieurtechnischen Herausforderungen dieser Zeit bald selbst zu meistern. Immerhin gab es im Jahr 2010 knapp 400.000 Absolventen der Ingenieurwissenschaften und für 2011 fast 500.000 Immatrikulationen an chinesischen Hochschulen. Müssen wir also hinter jedem ‚Made in China‘ gleich ein Plagiat vermuten?
Die Antwort auf diese und viele andere Fragen müssen die Unternehmen letztendlich für sich selbst finden. Doch sie sollte ehrlich sein. Denn nur so gelingt es, vor Ort die richtigen Partner zu finden und die richtigen Türen zu öffnen. Das gilt in Deutschland genauso wie überall auf der Welt.

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Annedore Munde