Im idyllischen Ostallgäu arbeiten regelrechte Spezialisten in Verschlusssachen: Die Pano Cap Europe stellt dort Standard-Weithals- und Originalitätsverschlüsse aus Kunststoff her, vor allem für die Lebensmittelindustrie. Der Hersteller arbeitet durchschnittlich mit Losgrößen ab 25.000 bis mehrere Millionen Stück. Die Pano Cap-Gruppe, zu der auch Werke in Kitchener (Kanada) und Sao Paulo (Brasilien) gehören, verarbeitet pro Jahr über 6.000 t Polypropylen, das zusammen mit fünf Prozent Polyethylen der Schwerpunktwerkstoff ist.
2003 wurde die Pano Cap Europe als Vertriebsbüro gegründet und beschäftigte Lohnhersteller in Polen und Slowenien. Seit Dezember 2010 ist allerdings der Europa-Standort komplett in Kaufbeuren eingerichtet: „Polen hat die fertigungspersonellen Kostenvorteile eingebüßt“, erklärt Gordon Pethke, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, zum Standortwechsel. Im Ostallgäu beziehungsweise in Kaufbeuren habe es ein sehr großes Facharbeiterangebot und gute Versorgungswege gegeben, sagt er weiter, „was ausschlaggebend für die Entscheidung war, uns hier anzusiedeln“. Deshalb habe man hier ein nagelneues Produktionswerk gebaut, das auch Verwaltung und Lager beherberge.

Entscheidungskriterien für die Anschaffung der Spritzgießmaschinen

Zur Herstellung der Verschlüsse werden überwiegend Mehrfach-Werkzeuge eingesetzt. „Sehr wichtig ist für uns die Wiederholbarkeit und Genauigkeit, die mit unseren Spritzgießmaschinen gewährleistet ist“, erläutert Pethke. Die Produktionstoleranzen liegen bei Verschlüssen mit 100 mm Durchmesser nur bei plus/minus 0,20 mm. Für die Produktion hat Pano Cap ausschließlich Spritzgießmaschinen des japanischen Herstellers Fanuc angeschafft. Wie viele will man jedoch nicht sagen; auch die Zykluszeiten sind aus Wettbewerbsgründen tabu. Nur dies Schließkraft der Anlagen wird angegeben: von 100 bis 350?t.
„Wichtige Kriterien für unsere neuen Produktionsanlagen waren ein geringer Energieverbrauch bei wenig Lärm und höchster Präzision“, verdeutlicht Pethke. „Und diese Kriterien erfüllt dieser Spritzgießmaschinenbauer mit seinen elektrischen Roboshot-Spritzgießanlagen eindrucksvoll“, unterstreicht er. Während der Fachmesse Fakuma 2009 sei der Kontakt hergestellt worden. „Diese Maschinen wurden uns empfohlen. Wir haben sie vor Ort in Japan gründlich geprüft. Ich war sehr schnell begeistert von der Modernität, Sauberkeit und Geradlinigkeit der Anlagen, die auch unheimlich leise arbeiten und sehr wenig Strom verbrauchen“, erläutert Pethke. Zudem sei die Energierückgewinnung interessant: „In der Formel 1 wird beim Bremsen Energie zurückgewonnen, bei den Fanuc-Anlagen beim Gas geben, sprich beim Produktionsprozess.“ Pethke lobt auch das „freundschaftliche und familiäre Zusammenarbeiten“, das die Entscheidung für den japanischen Hersteller erleichtert habe. Für Samuel Ludolph, den Leiter der Spritzerei der Pano Cap Europe, ist das intelligente Einspritzen und die Formsicherung bei diesen Spritzgießmaschinen einzigartig: „Dies wurde mit einem Kugelschreiber demonstriert, der ins Werkzeug geworfen und nicht demoliert wurde.“ Die Maschinen beziehungsweise Anlagen arbeiteten mit einer Abtastfrequenz von 16.000 Impulsen pro Sekunde und seien damit bestens gegen hohen Werkzeugverschleiß gesichert.

Reproduzierbare Prozesse wenige Schuss nach Produktionsbeginn

Der Blick in die Produktion verrät, dass bei der Hallenplanung an alles gedacht wurde. Bedacht ist die gesamte Fläche mit Photovoltaik: „Die Energiekosten werden explodieren, wir sparen Strom mit unseren Spritzgießmaschinen und erzeugen zusätzlich Energie, um weitestgehend energiekostenunabhängig produzieren zu können“, erklärt der Unternehmensleiter. Von oben kommen zudem alle Materialien und Versorgungsmedien sowie BDE-Daten an die Maschinen, was die Auditoren der Kunden von Pano Cap beeindruckt, die zwangsläufig überprüfen, wie es um die Qualität und Sicherheit der Verschlüsse bestellt ist. Und die ist nicht alleine die Frage der ausgeklügelten Werkzeuge, sondern auch der ‚intelligenten‘ Funktionen der Spritzgießmaschinen: „Sobald wir die Parameter für ein Produkt optimiert haben – wenige Schuss nach Produktionsbeginn – haben wir reproduzierbare Prozesse, die in der Qualitätssicherung ganz oben stehen“, bestätigt Ludolph.
Präzision und und Prozessstabilität beim Spritzgießen ist unter anderem auf die Regelungstechniken der Maschinen zurück zu führen. So bewirkt eine konstante Beschleunigungsregelung ein stabiles und zeitlich verkürztes Einspritzen. Mit der hohen Beschleunigungsregelung (FFF) wird die schnelle Füllung bei dünnwandigen Teilen erreicht. Mit den parallelen Bewegungen für Vor-Einspritzen und simultanes Werkzeug-Öffnen werden Zykluszeiten nochmals reduziert. Die hochpräzise Einspritz- und Umschaltregelung verbessert die Qualität der Formteile, die Teilegewichtskonstanz, erheblich, wodurch Einfallstellen und Verzug an dickwandigen Bauteilen weitestgehend vermieden und die Oberflächen von dünnwandigen Teilen deutlich gleichmäßiger werden. Mit der von Fanuc entwickelten drehmomentabhängigen Dosierregelung werden Viskositätsschwankungen kompensiert, wodurch ein konstantes Teilegewicht erreicht wird.
Neben der Genauigkeit und hohen Reproduzierbarkeit der neuen Spritzgießmaschinen wird die einfache Bedienbarkeit der Maschinen bei Pano Cap gelobt: „Wir arbeiten mit einem jungen Team von Fachkräften an fünf Tagen im Drei-Schicht-Betrieb“, erläutert Ludolph. „Nach einigen Stunden Training kamen alle mit der Maschine zurecht. Die Bedienung ist sehr einfach – ihre Steuerung erinnert an eine Drehbank oder CNC-Fräsmaschine.“ Nicht zuletzt Dank dieser Spritzgießmaschinen könne jetzt bei Pano Cap viel flexibler auf Kundenwünsche reagiert werden, betont Pethke. Für die Zukunft gibt er sich zuversichtlich: „Vielleicht erreichen wir in drei Jahren schon die nächste Ausbaustufe“, sagt er. Und natürlich wolle der Verschluss-Hersteller „weiter als Spezialist gelten, der geradlinig ist und den Dreh raus hat.“

Kosteneffizienz
Energiekosten prägen das neue Produktionswerk von Pano Cap Europe

Für das 2010 errichtete, neue Produktionswerk des Verschlussherstellers Pano Cap Europe waren ein geringer Energieverbrauch bei wenig Lärm und höchster Präzision wichtige Kriterien für die Auswahl der Spritzgießmaschinen. Die Maschinen wurden vor Ort gründlich geprüft. Die Wahl fiel auf die vollelektrischen Maschinen des japanischen Herstellers Fanuc, der auch weitere Pluspunkte für sich verbuchen konnte. Zusätzlich verringert das Werk seine Energiekosten durch die Installation von von Photovoltaik-Anlagen auf dem Hallendach, weil man bei Pano Cap explodierende Energiekosten erwartet, selbst aber weitgehend unabhängig von den Energiekosten externer Stromversorger produzieren will.

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Thomas Behne