Oberösterreich ist eine Kunststoff-Hochburg: Die oberösterreichischen Kunststoff-Unternehmen setzten im Jahr 2010 circa 7,6 Mrd. Euro um, knapp mehr als die Hälfte des österreichischen Umsatzes, und beschäftigen circa 33.400 Personen. Nach einem durch die Wirtschaftskrise verursachten Einbruch im Jahr 2009 ist der Umsatz schon wieder deutlich im Steigen und hat 2010 den Rekordwert des Jahres 2008 von 7,7 Mrd. schon fast wieder erreicht. Oberösterreichs Kunststoff-Branche hat das grüne Innovationspotenzial erkannt, so Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl.

Oberösterreich als
Kunststoff- und Solarregion

Für viele Unternehmen sei die Vernetzung von Forschung und Solarindustrie mit innovativen Betrieben, wie beispielsweise die „Initiative Kunststoffe in Solaranwendungen Sol-One-K“, die Basis, gemeinsam Themen weiterzuentwickeln und so einen Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen zu schaffen. Ein Beispiel, welches hier aufgegriffen wurde, sind Sonnenkollektoren, die derzeit mit einem relativ geringen Kunststoffanteil hergestellt werden. Eine deutliche Weiterentwicklung der Kollektoren zu günstigeren Herstellkosten sei nur mit mehr Kunststoff-Einsatz möglich. Sonnenkollektoren oder Photovoltaikanlagen – wie schnell der Markt wächst, hänge entscheidend von Entwicklungen in der Kunststofftechnik ab, so Sigl. „Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beträgt derzeit bei Sonnenkollektoren 19 %, Photovoltaik 60 % und Windenergie 27 %. Dass unsere Unternehmen von den Entwicklungen und dem Marktwachstum profitieren, sichert die ‚Initiative Sol-One-K‘ des Kunststoff-Clusters.“
Oberösterreichische Unternehmen profitieren auch vom Wachstum bei WPC, so Sigl. WPC (Wood Polymer Composites) sind Verbundwerkstoffe, die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz (bis zu 75 %) und aus Kunststoffen bestehen. Sie zählen mit jährlichen Wachstumsraten von über 25 % zu den stärksten Wachstumsmärkten der europäischen Kunststoff-Industrie. Auch hier kooperieren oberösterreichische Unternehmen in der „WPC-Plattform“ erfolgreich seit über einem Jahr um das Thema weiter zu entwickeln.

Ressourceneffiziente Lösungen
mit Kunststoffen

DI Mag. Harald Pilz, Senior Consultant Denkstatt, Wien, stellte die Ergebnisse einer aktuellen Studie vor. Danach werden bei der Herstellung von Produkten aus Kunststoff derzeit vorwiegend fossile Energieressourcen verbraucht. Dies sei einer der Gründe, warum Kunststoff im Vergleich zu anderen Materialien beim Umweltimage oft schlechter dasteht. Zu Unrecht, so Pilz, wie die Studie von Denkstatt mit dem Titel „The impact of plastics on life cycle energy consumption and greenhouse gas emissions in Europe“ zeigt. Auftraggeber der Studie war Plastics Europe, Datenqualität und seriöse Methodik der Studie wurden im Rahmen einer kritischen Begutachtung durch zwei ebenfalls unabhängige wissenschaftliche Institute (EMPA, Schweiz und University of Manchester, UK) bestätigt.
Eines der wesentlichen Ergebnisse: Würden Kunststoffprodukte so weit wie möglich ersetzt werden, würde die Masse der Alternativmaterialien im Schnitt etwa 3,7 mal so hoch sein wie bei Kunststoffen. Zusätzlich würde durch Substitution der Kunststoffe der Energieverbrauch im Lebenszyklus um 57 % und die Treibhausgasemissionen um 61 % ansteigen.
Die Gründe für dieses Ergebnis liegen neben dem Gewichtsvorteil von Kunststoffen auch in den Vorteilen von Kunststoffen in ihrer Nutzungsphase. Der Einsatz von Kunststoffen zur Wärmedämmung, für die Verpackung von Nahrungsmitteln oder zur Erzeugung erneuerbarer Energie führt zu besonders hohen Nutzungsvorteilen.
Pilz benannte unter anderem auch zwei Beispiele aus dem Bereich erneuerbare Energie: Die Einsparungen an Treibhausgasen durch Rotorblätter von Windkraftanlagen aus glasfaserverstärkten Kunststoffen sind 140 mal höher als jene Emissionen, die bei der Produktion der Rotorblätter anfallen. Noch größer fällt der Nutzen bei Dünnschicht-Photovoltaikmodulen aus, bei denen Halbleiter auf Kunststofffolien gedruckt werden: Die Einsparungen von Treibhausgasen während der Nutzungsphase (Solarstrom ersetzt europäischen Strommix) sind 340 mal höher als die Emissionen, die bei der Produktion anfallen.
Für Werner Pamminger, Geschäftsführer Clusterland Oberösterreich und Manager des KC, ist die Hauptaufgabe des Kunststoff-Clusters (KC) mit seinen über 400 Partnerbetrieben klar: die Initiierung von Kooperationen. „Sowohl die Vernetzung der Unternehmen untereinander, als auch der Unternehmen, insbesondere der KMU, mit der Forschung sind die Eckpfeiler des KC-Erfolgsweges seit 12 Jahren“, erklärt Pamminger.
Neben den klassischen Clusterkooperationsprojekten (CKP), in denen das Land Oberösterreich die Betriebe mit Fördermitteln für gemeinsame innovative Entwicklungen unterstützt, habe der KC mittlerweile zahlreiche andere kooperative Maßnahmen initiiert und begleitet. Neben EU-Projekten, in denen der KC internationales Know-how für Unternehmen aufbereitet hat, geht das Cluster mit der „WPC-Plattform Austria“ oder der „Initiative Solar“ neue Wege: Ist bei den CKPs die „Anschubfinanzierung“ durch Landesgelder ein zusätzlicher Anreiz zur Kooperation, zahlen die Unternehmen bei der WPC-Plattform Austria einen Beitrag in der Höhe von 1.000 bis 2.000 Euro, um dabei sein zu dürfen. „Unsere Unternehmen sehen deutliche Vorteile in der kooperativen Zusammenarbeit bei gleichzeitigem freien Wettbewerb“, so Pamminger.

Starke Unternehmen aus
Oberösterreich

Viele oberösterreichische Kunststoff-Unternehmen setzen auf das Thema Umwelt. Econ in Weißkirchen, ein WPC-Partner entwickelt Granuliersysteme für WPC. Eine Branchengröße wie Greiner hat durch ihren Einstieg in die Solar-branche gezeigt, dass sie hier Potenzial
sieht. Das in Neumarkt im Hausruck
produzierende Unternehmen Hexcel Composites liefert Verbundwerkstoff-materialien für Rotorblätter für Windkraftwerke – auch aus Kunststoff. AGRU in Bad Hall hat Dachbahnen und
Deponieabdeckungen mit integrierten Photovoltaikmodulen entwickelt. Und: Österreich ist Technologieführer im
Maschinenbau für Kunststoffrecycling: Firmen wie Erema in Ansfelden, NGR
in Feldkirchen oder (als Nicht-Oberösterreicher) Starlinger in Wien zählen zu
den Weltmarktführern.

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Annedore Munde