Es ist logisch, dass Anlagenbauer für ihre Kunden möglichst viel an Paketleistung bieten möchten. Gerade in Kernbereichen, wie dem Werkzeugbau sollen Qualitäts- und Schnittstellenprobleme vermieden werden, um eine möglichst reibungslose Funktionalität zu gewährleisten. Da ist es naheliegend, sich das Know-how hierzu ins eigene Haus zu holen. So geschehen jetzt bei der Zusammenführung der österreichischen KTW-Gruppe mit dem kanadischen Spritzgießmaschinenhersteller Husky Injection Molding Systems.
Vorausgegangen war dieser Entscheidung eine jahrelange intensive Zusammenarbeit im Projektgeschäft, insbesondere im asiatischen Markt bei Standard-Verschlusssystemen, in den letzten Jahren aber auch bei Projekten für Non-Standard-Verschlüsse.
„Um den steigenden Erwartungen unserer Kunden gerecht zu werden, haben wir festgestellt, dass eine noch engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Kernelementen der Verschlusskappen-Systeme erforderlich ist. Wir sind hocherfreut, von nun an mit den vielen hochbegabten Mitarbeitern von KTW und ihren exzellenten Führungskräften als ein Team zusammenzuarbeiten. So werden wir Verschlusskappenherstellern in aufstrebenden sowie in etablierten Märkten einen weiteren Mehrwert liefern“, erklärt John Galt, Huskys Präsident und CEO.
Anja und Claus Ziegler, Geschäftsführer von KTW, ergänzen: „Ein Teil von Husky zu werden ermöglicht es uns, KTW-Technologie in die fortschrittlichsten Verschlusskappen-Systeme zu integrieren und gleichzeitig auf Huskys weitreichendes Verkaufs- und Kundendienstnetzwerk zuzugreifen, um so unseren zunehmend internationalen Kundenstamm besser unterstützen zu können.“
Die 1979 gegründete „Kunststofftechnik Waidhofen an der Thaya GmbH“, kurz KTW hat sich unter der Führung der Besitzerfamilien Völker und Ziegler zu einem weltweit führenden Hersteller von Spritzgießwerkzeugen für Kunststoff-Verschlüsse aller Art entwickelt. Die Kapazitäten, die die KTW jetzt einbringt, umfassen ein Entwicklungszentrum, insgesamt drei Werkzeugbau-Standorte in Österreich, Deutschland und der tschechischen Republik mit insgesamt 370 Konstrukteuren und Facharbeitern. Die KTW-Werkzeugtechnik deckt das gesamte Spektrum vom Standardverschluss für Getränkeflaschen über spezifische Verschlüsse für „Personal Care“-Verpackungen bis zu Wasch- und Lebensmittelverschlüssen ab.
KTW ergänzt damit das Husky-Angebot, das neben Spritzgießmaschinen, PET-Preform-Werkzeugen, Servicedienstleistungen auch die Heißkanaltechnik umfasst. Für die Kunden bedeutet das einen Mehrwert mit Blick auf enger vernetzte Kompetenzen vor allem bei Gesamtsystemen.
Und Husky ist Welt-Marktführer für PET Systeme. Der Erfolg des kanadischen Anlagenherstellers begründet sich in der konsequenten Optimierung der einzelnen Bestandteile und dem global verfügbaren Kundenservice. Somit war es nahe liegend, diese Strategie auf Verschlüsse auszudehnen. Die Husky-Strategie sieht entsprechend vor, zusammen mit KTW komplette Verschlusssysteme global anzubieten und dabei eine weltweit führende Position einzunehmen.
Den gemeinsamen Schnitt für die Zukunft führten Vertreter beider Unternehmen am 28. April durch, als sie zur Eröffnung des zentralen Test- und Technologiezentrums der KTW-Firmengruppe in Waidhofen an der Thaya das Band durchtrennten. Für Kunden und Interessenten stehen hier acht Spritzgießanlagen ausschließlich für den Testbetrieb zu Verfügung, ebenfalls eine umfangreiche Ausstattung an Messeinrichtungen und Zusatzausrüstungen sowie insgesamt 14 Spritzgießtechniker und Trainer als Ansprechpartner.

Kompetenzzentrum
KTW innerhalb von Husky

Die jetzige KTW wird innerhalb von Husky das weltweite Zentrum für Verschlüsse werden – mit dem damit verbundenen Ausbau an Kapazitäten um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Der Name KTW und das Logo bleiben als Marke weiterhin bestehen. Die Entwicklung von integrierten Verschluss-Komplettsystemen wird intensiviert. Ziel ist die Effizienzsteigerung durch die Reduzierung beziehungsweise Beseitigung von Schnittstellenbarrieren zwischen Maschine, Werkzeug und Automatisierung. Zusätzlich zur Fokussierung auf das Systemgeschäft bleibt der Geschäftszweig „Einzelwerkzeuge“ unverändert im Programm. Bestehende Kundenbeziehungen werden weiterhin bedient und profitieren von der gestärkten KTW-Unternehmensstruktur.

Know-how-Vorsprung
Prämierte Verschlüsse

Die KTW betreibt ein eigenes Innovationsbüro, das Produktentwicklung sowohl in eigenem Namen, als auch im Kundenauftrag, betreibt. Obwohl erst fünf Jahre alt, können sich die Ergebnisse der Entwicklungssparte sehen lassen: elf Patentanmeldungen seit 2006. Eine Produktentwicklung – der so genannte „Simple-Mix“-Verschluss wurde für den deutschen Verpackungspreis 2010 nominiert, ein weiteres Projekt mit dem Innovationspreis 2010 des Landes Niederösterreich ausgezeichnet. 2009 ging der „International Plastics Design Award“ der amerikanischen SPE an die KTW-Gruppe. Ausgezeichnet wurde ein gemeinsam mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Hospira entwickeltes Design beziehungsweise Funktionsprinzip einer Einmalgebrauchs-Insulinspritze.

Kompetenzbündelung
Neue Möglichkeiten gemeinsam im Blick

Bei Produktionsanlagen für PET-Flaschen-Standardverschlüsse verstärkt sich der Trend zu Komplettlösungen (Maschine, Werkzeug und Peripherie) aus einer Hand. Derartige Anlagen werden als Module von der Getränkeindustrie betrieben.
Im Bereich „Non Standard“-Verschlüsse – also für die typische „Flip-Top-Kappe“ – verpflichten global agierende Kunden ihre Lieferanten stärker zur begleitenden Unterstützung. Dafür müssen die Servicestützpunkte, Verkaufsbüros und Produktionsstandorte in den Wachstumsmärkten Asiens und Lateinamerikas, aber auch in den etablierten Märkten ausgebaut werden.
Der Trend zu optimal abgestimmten Spritzgießsystemen, ob für Standard- oder Nicht-Standard-Verschlüsse, erfordert die immer engere Verzahnung der einzelnen, bisher eigenständigen, Komponenten im Spritzgießprozess und damit ein Zusammenrücken von Entwicklungsabteilungen der Komponentenhersteller.
Die Optimierung des Kapitaleinsatzes setzt kürzere Projektdurchlaufzeiten voraus. Dies erfordert neue, optimierte Abläufe, besonders auch im globalen Zusammenspiel mit den Kunden.

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Annedore Munde