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Plastverarbeiter: Herr Dornscheidt, bis 2015 soll die Messe Düsseldorf zur globalen Nummer Eins bei der Ausrichtung von Investitionsgütermessen werden. Für welche Branchen setzen Sie die Schwerpunkte?
Dornscheidt: Neben der Kunststoffbranche sind für uns vor allem die Themen Druck, Verpackung, Kabel und Röhren, Glas und Medizin von Relevanz. Dem entsprechen bereits unsere Weltleitmessen K, Drupa, Interpack, Wire/Tube und Medica. Neue Veranstaltungen in Düsseldorf ergänzen in der Regel unser bestehendes Portfolio. Ein Beispiel ist die Digi-Media, die wir in enger Abstimmung mit den Ausstellern der Drupa entwickelt haben und die in diesem Jahr mit großem Erfolg Premiere feierte. Ein anderes Beispiel ist die Valve World Expo, eine Veranstaltung in Ergänzung zur Tube. Sie konnte sich an ihrem ursprünglichen Veranstaltungsort nicht mehr entwickeln. Die Premiere in Düsseldorf zeigte mit höherer Internationalität und einem großen Anteil von Erstausstellern das Potenzial der Veranstaltung in einem passenden Portfolio-Umfeld.

Plastverarbeiter: Welche neuen Akzente gibt es für den Kunststoffbereich?
Dornscheidt: Gerade dort macht sich die Erholung der Industrie nach den Einbrüchen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich bemerkbar. Das war bereits zu Anfang des Jahres bei der Arabplast in Dubai und der Interplastica in Moskau ganz klar zu sehen. Ich bin sicher, dass sich dieser Trend auf den kommenden Messen wie zur Chinaplas in Guangzhou, zur Tiprex in Bangkok und zur M-Plas in Kuala Lumpur fortsetzt. Gerade die beiden letztgenannten Märkte sind auch für deutsche Anbieter vielversprechend: In Thailand wird der kunststoffverarbeitenden Industrie eine wichtige Funktion beim wirtschaftlichen Aufschwung zugeschrieben;
sie ist Bestandteil des Nationalen Strategischen Plans für Werkstofftechnologie (2007–2016), Investitionen werden staatlich begünstigt. Mit mehr als 1.550 Herstellungsbetrieben für Kunststoffprodukte gilt Malaysia als hoch entwickelter und stark diversifizierter Markt in der ASEAN-Region. Im Land stehen die Zeichen auf Wachstum. Bis 2015 wird mit einem Anstieg des Bruttosozial-
produktes von rund 5 % jährlich gerechnet. In all diesen zukunftsträchtigen Märkten wollen wir unsere Anstrengungen forcieren, um unseren Ausstellern den Einstieg in neue Geschäftsregionen beziehungsweise den Ausbau bestehender Beziehungen zu ermöglichen.

Plastverarbeiter: Sie setzen auf die Internationalisierung von Themen. Auf welche Branchen richten Sie dabei den Fokus?
Dornscheidt: Unsere Investitionsgütermessen haben bereits heute mehr als 50 % internationale Besucher und mehr als 60 % internationale Aussteller. Zu den genannten Messen haben wir in den letzten 15 Jahren internationale Produktfamilien aufgebaut. Das heißt, wir führen in den weltweit wichtigsten Märkten Satellitenveranstaltungen zur K, zur Interpack, zur Medica und so weiter durch oder beteiligen uns an bestehenden Veranstaltungen. Die Produktfamilien K oder Medica bestehen zum Beispiel aus zehn Veranstaltungen weltweit. Mit dieser Strategie konnten wir nicht nur unseren Ausstellern der jeweiligen Nummer 1-Messe in Düsseldorf den Eintritt in internationale Märkte erleichtern. Wir konnten auch ausländische Aussteller und Besucher für unsere Messen in Düsseldorf gewinnen.

Plastverarbeiter: Neue Länder und Regionen sind in den letzten Jahren verstärkt in das Blickfeld der Messeveranstalter gerückt. Welche sind das?
Dornscheidt: Neben den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China), die weiter im Fokus bleiben, bauen wir unser Geschäft vor allem in den arabischen Ländern, Indonesien und Vietnam aus.

Plastverarbeiter: Die chinesische Kunststoff- und Gummiindustrie hat sich erholt: Maschinenlieferungen aus Deutschland sind gefragt. Welche Auswirkungen wird das auf das Messegeschäft haben?
Dornscheidt: Mit Blick auf die Chinaplas bin ich zuversichtlich, dass die deutschen Aussteller dort eine äußerst positive Resonanz auf ihr Angebot erfahren werden. China ist der Top-Absatzmarkt für deutsche Kunststoff- und Gummimaschinen, die deutschen
Exporte sind im vergangenen Jahr beachtlich gestiegen. Hochwertige und entsprechend teurere Anlagen sind stark nachgefragt, aber auch Anbieter von spezifischen Nischenprodukten können in
China ihren Markt finden. Ich rechne langfristig damit, dass die deutsche Beteiligung an der Chinaplas wachsen wird, dass aber auch die Zahl der chinesischen Besucher der K in Düsseldorf noch gesteigert werden kann.

Plastverabeiter: Ab 2012 ist die Messe Düsseldorf Kooperationspartner der indonesischen Messen Indoplas, Indoprint und Indopack. Was erwartet die Unternehmen, die dort präsent sein möchten?
Dornscheidt: Die indonesische Wirtschaft floriert: 2010 stieg das Bruttosozialprodukt um 5,9 %, in den kommenden Jahren soll das jährliche Wachstum im Schnitt bei rund 6 % liegen. Eine wachsende Mittelschicht mit guter Kaufkraft und steigenden Erwartungen an den Lebensstandard begünstigen die Entwicklung vor allem der Konsumgüterindustrien. Es wächst die Bedeutung von Kunststoff, Druck- und Verpackungserzeugnissen. Um den Ausstellern eine bestmögliche Plattform zu bieten, engagieren wir uns gemeinsam mit unserer Tochter Messe Düsseldorf Asia und unserem indonesischen Partnerunternehmen PT Wahana Kemalaniaga bei Indoplas, Indopack und Indoprint. Gemeinsam wollen wir die Messen weiter entwickeln und internationalisieren. Ich freue mich, dass die Fachverbände Kunststoff- und Gummimaschinen, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie Druck und Papiertechnik im VDMA uns dabei unterstützen werden.

„Wir führen in den weltweit wichtigsten Märkten Satellitenveranstaltungen zur K, zur Interpack, zur Medica durch oder beteiligen uns an bestehenden Veranstaltungen“.
Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäfts-
führung der Messe Düsseldorf Group.

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Annedore Munde