Als Michael Stelzer vor gut zehn Jahren in die Geschäftsführung des Familienunternehmens Stewo Kunststoffverarbeitung einstieg, warteten einige Herausforderungen auf ihn: Die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen mussten dringend reformiert werden. „Ziel war, einen effizient funktionierenden Produktionsbetrieb zu schaffen, um in einem guten Preis-/Leistungsverhältnis fertigen zu können“, beschreibt er seine eigenen Vorgaben. Konsequent wurde in den folgenden Jahren auch der Wandel vom reinen Spritzgießteilehersteller zum Systemlieferanten vollzogen. Stewo, Hersteller technischer Kunststoffteile und Spritzgießformen insbesondere für die Automobil- und Elektroindustrie sowie die Medizintechnik, verfügt zwischenzeitlich über zwei Standorte in Deutschland und Rumänien. Der global zu bedienende Markt stellt hohe Anforderungen an Administration und Produktion. „Bei der Auswahlentscheidung waren vor allem die Fähigkeit zur mehrstufigen Stücklistenauflösung ebenso wie die einfache Be- und Verarbeitung von Zukaufteilen wichtige Entscheidungskriterien“, so Gunther Brömel, der für Controlling und Qualitätsmanagement des Verarbeiters zuständig ist. So wurde das selbst entwickelte Programmpaket für die einstufige Fertigung durch die moderne ERP/PPS-SoftwareTimeLine der Firma Gebauer ersetzt.

Entscheidend: Flexibilität und Skalierbarkeit

Im Verlauf des Auswahlprozesses kam Stelzer zu der Überzeugung, „dass die neue Version V11 die benötigte Flexibilität und Skalierbarkeit gewährleistet.“ Somit könne auf den bestehenden Strukturen aufgebaut und kunststoffspritzspezifische Abläufe mit flexiblen Prozessdefinitionen genutzt werden. „Auch die Anpassung an spezielle Anforderungen, wie beispielsweise die Teilelebensläufe, ging schnell und problemlos vonstatten.“

Heute ist das ERP-System auf einem Terminalserversystem installiert, auf das im Werk Helmbrechts rund 80 und dem über Standleitung verbundenen rumänischen Zweigwerk 20 Nutzer zugreifen. Im Einsatz sind die Funktionen Materialwirtschaft und Lagerwesen, Disposition, Ein- und Verkauf, Produktionsplanung und -steuerung sowie die Fertigungsorganisation.

Offene Schnittstellenpolitik

Einen großen Vorteil bei der Bearbeitung der Geschäftsprozesse sieht Stelzer in der offenen Schnittstellenpolitik. „Als Zulieferer der Automobilindustrie sind wir EDV-mäßig stark eingebunden in Kunden-EDI-Systeme und damit auf die hohe Flexibilität unserer eigenen ERP-Software angewiesen.“ Auch unternehmensintern ist das neue System an externe Softwarepakete koppelbar, beispielsweise besteht in der Finanz- sowie in der Lohnbuchhaltung eine Datev-Schnittstelle. Ebenso können die Daten aus dem BDE-System über eine Schnittstelle problemlos eingespielt werden.“

Automatisierung aller produktionstechnischen Prozesse

Basierend auf einer Bestellung wird ein Auftrag als Projekt angelegt. In einem MRP-(Material Requirements Planning)-Lauf wird ermittelt, welche Aufträge zur Produktion anstehen und wie die Material- und Kapazitätssituation aussieht. Die Produktionsvorschläge aus dem MRP-Lauf werden losoptimiert und vorterminiert (Grobplanung) erstellt. Zum Abgleich der Mengen werden die Bestellbedarfe der Zukaufkomponenten ermittelt und unter Berücksichtigung der Mindestbestände und Beschaffungszeiten die Bestellungen für fehlende Teile generiert. Einkaufstermine und Mengen werden automatisch durch die internen und externen Bedarfe vorgeschlagen. Dann löst das Programm alle Stücklisten des zugrunde liegenden Produktionsauftrags auf und erstellt die Betriebsaufträge mit den Arbeitsfolgen. Alle dafür notwendigen Informationen sind an jedem Arbeitsplatz in Deutschland und Rumänien verfügbar, alle Unterlagen und Fertigungspapiere, wie Material- und Arbeitsscheine, sowie alle Versandpapiere mit Versandvorschlägen und Verpackungssteuerung werden automatisch erstellt.

Spritzgussformteile: keine Herausforderung

Stewo verarbeitet in der eigenen Spritzerei auf Maschinen mit 200 bis 3.300 kN Schließkraft jährlich rund 400 t Kunststoffe zu Formteilen mit 1,2 bis 900 g Schussgewicht: hauptsächlich Gehäuseteile mit engen Maßtoleranzen, Lichtleiter und Komponenten für Schalter, Motoren und Scheibenwischer. Alle notwendigen Prozesse, wie zum Beispiel Montage-, externe Fertigungs-, Einkaufs- oder EDI-Aufträge werden im ERP-System abgebildet.

Rund 1.700 aktive Werkzeuge lagern in einem brandgeschützten Lager, jährlich kommen rund 60 neue dazu, wobei etwa die Hälfte von externen Partnern gebaut wird. Um diese Werte zu erhalten, ist es selbstverständlich, dass jedem Produktionsauftrag ein vorbeugendes Werkzeug-Wartungsprogramm folgt, das von der Software verwaltet wird. „Bei der Bearbeitung von Spritzgussteilen, die oft mehrere verschiedene Teile eines Produkts in einem Schuss produzieren, werden alle Teile separat in der Stückliste geführt“, so Stelzer. Wichtig ist daher die vom ERP-System unterstützte Hinterlegung werkzeugspezifischer Daten und die Verfügbarkeitsprüfung über mehrere Fertigungsschritte hinweg. Damit lässt sich ermitteln, ob das Werkzeug, die richtige Maschine, das Material oder Farbmittel vorhanden sind oder ob weitere Mittel hinzugekauft oder Kapazitäten bei Fremdlieferanten in Anspruch genommen werden müssen. Mit den Angaben zur Einsatzplanung der Werkzeuge können Fehlbestückungen der Maschinen vermieden werden. Das senkt reparaturbedingte Stillstandszeiten, minimiert Werkzeugkosten und vermeidet Ausschuss.

Schnelle Wertschöpfung

Stelzer zieht daher ein positives Fazit: „Wir haben nun ein System, mit dem wir die Forderungen unserer Kunden an einen modernen Dienstleister schnell umsetzen können – und das zu angemessenen und überschaubaren Kosten. Unsere schlanke Organisation gepaart mit modernster Technologie ermöglicht uns eine schnelle Wertschöpfung, unser Wachstum verdeutlich den hohen Nutzwert der Software.“ Eine Bestätigung sieht er in der Auszeichnung “Bayerns Best 50“, mit der die bayerische Staatsregierung inhabergeführte Unternehmen würdigt, die ein überdurchschnittliches Mitarbeiter- und Umsatzwachstum verzeichnen. “Wir sind gut gerüstet für kommende Herausforderungen.“

Kosteneffizienz
Modernes ERP-System eingeführt

Bei Stewo Kunststoffverarbeitung wurde das ERP-System TimeLine eingeführt. Wichtigste Auswahlkriterien waren eine offene Schnittstellenpolitik, eine durchdachte Branchenoptimierung und damit einfache Anpassung an einen kunststoffverarbeitenden Betrieb sowie die weitgehende Automatisierung der Abläufe von der Bestellung der Abnehmer bis hin zur Auslieferung der Spritzgussteile.

Autor

Über den Autor

Volker A. Holzapfel, freier Journalist, Villingen-Schwenningen