Sie dienen demKlimaschutz: Wärmedämmverbundsysteme. Doch auch die energiesparenden Gebäudehüllen selbst brauchen eine schützende Außenschicht gegen Kälte, Hitze, Regen und UV-Strahlung – Funktionen, die von Fassadenfarben und Putzen übernommen werden. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Bindemittel. Sie sorgen unter anderem für eine dauerhafte und gleichzeitig elastische Beschichtung. Mit der so genannten Composite-Dispersionstechnologie hat Wacker sein erfolgreiches Vinnapas-Portfolio jetzt um ein innovatives Bindemittelkonzept mit neuartigen Funktionalitäten erweitert.

Das Besondere an der Neuentwicklung ist deren Zusammensetzung. Die Dispersionen bestehen im Kern aus feinteiligen anorganischen Silika-Teilchen, dem Grundstoff von Glas und Quarz, die von organischen Polymerteilchen umhüllt werden. Anorganische Anteile verleihen einer Farbe oder einem Putz hohe mechanische Stabilität, besseres Brandverhalten und langlebige Farbtöne. Gleichzeitig machen sie die Beschichtung jedoch spröde, sodass leichter Risse entstehen und Feuchtigkeit eindringen kann. Organische Bestandteile sorgen dagegen für eine gute Haftung auf dem Untergrund, eine hohe Kohäsion und Flexibilität. Zudem ermöglichen sie eine bessere Verarbeitbarkeit der Farben oder Putze. Allerdings können sie instabil gegenüber UV-Einstrahlung sein, sodass Farben schneller ausbleichen können. Die neuen Composite-Dispersionen jedoch vereinigen organische und anorganische Komponenten und nutzen so die positiven Eigenschaften beider Systeme.

Stabilität und homogene Filmbildung

Bereits seit einiger Zeit gibt es in der Bauindustrie Bindemittel, die sowohl anorganische als auch organische Komponenten beinhalten. Bei diesen herkömmlichen Varianten werden die mineralischen Partikel einer organischen Dispersion einfach beigemischt. Dabei können die Teilchen jedoch agglomerieren, was zu einer geringen Lagerstabilität führt. Zudem kann es bei der Filmbildung zu einer Phasenseparation und damit zu einem ungleichmäßigen und heterogenen Film kommen. Diese Inhomogenität wiederum führt zu einer geringen Haftung und verstärkt das Risiko der Rissbildung.

Bei den neuen Composite-Dispersionen verhindert die chemische Kopplung der organischen Hülle mit dem anorganischen Kern, dass die Silika-Partikel während der Lagerung und Filmbildung agglomerieren. So entstehen stabile Bindemittel und homogene Filme. Ein weiterer Vorteil der Composite-Technologie ist ihre breite und vielfältige Dispersionsbasis. Sowohl Acrylat-, Styrol-Acrylat- und Vinylacetat-Ethylen-Copolymere als auch Terpolymere mit Vinylchlorid sind möglich.
Dank des hohen Anteils an anorganischen Komponenten in den neuen Bindemitteln weisen die damit ausgestatteten Formulierungen ein besseres Brandverhalten auf. Bei starker Hitze bleiben Farben und Putze ausgesprochen dimensionsstabil. Die Brenndauer von Fassadenbeschichtungen konnte im Test um 50 bis 70 Prozent reduziert werden, je nach chemischer Zusammensetzung des Dispersionsanteils und dessen prozentualem Anteil an der Gesamtformulierung. Dadurch erhöht sich der Brandschutz von Gebäuden und der Zusatz von brandverzögernden Stoffen in den Coatings kann stark reduziert werden.

Hilfe gegen Algen und Pilzbefall

Die neue Bindemitteltechnologie macht Putze und Fassaden langlebig und beständig. Durch die hohe Wärmeleitfähigkeit der Composite-Dispersionen trocknet die Oberfläche der Fassade oder Farbe schnell. Doch die Bindemittel weisen nicht nur optimale Barriereeigenschaften gegen Feuchtigkeit und geringe Schmutz-anhaftung auf. Sie reduzieren auch das Risiko von Algenbildung und Pilzbefall, das Fassaden besonders schnell renovierungsbedürftig macht.

Vor allem die klimatischen Bedingungen haben großen Einfluss auf die Eigenschaften von Fassadenbeschichtungen. Dank eines Baukastenprinzips kann das Bindemittel genau auf die entsprechende Anforderung maßgeschneidert werden. Die Zusammensetzung der Composite-Dispersionen lässt sich optimal an die gewünschten Ansprüche anpassen, beispielsweise um Anstriche Wasser abweisend zu machen. Die Composite-Dispersionen verfügen zudem über eine verbesserte Kratz- und Abriebbeständigkeit, optimierte Wärmeleitfähigkeit und Wasserdampfdurchlässigkeit.

Überall auf der Welt lässt sich der Energiebedarf für Wohnungen und andere Gebäude noch deutlich verringern. Denn eine gut gedämmte Fassade spart viel Heizenergie und erhöht die Energieeffizienz von Gebäuden erheblich. Und mit den neuartigen Composite-Dispersionen ausgestattete Putze und Farben schützen Wärmedämmverbundsysteme optimal vor Wind und Wetter, ob am Neubauoder bei der Sanierung von Bestandsgebäuden.

Neue Technologie
Homogene Filme

Die neuen Composite-Dispersionen bestehen aus einem anorganischen Silika-Kern und einer chemisch gebundenen organischen Polymerhülle. Diese organische Hülle verhindert, dass die Silika-Partikel während der Lagerung und der Filmbildungsphase agglomerieren. So entstehen stabile Dispersionen und homogene Filme.

 

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Über den Autor

Dr. Abdulmajid Hashemzadeh, Construction Polymers, Wacker, Burghausen, info@wacker.com