Mit dem 1907 von Leo Hendrik Baekeland patentierten Hitze-Druckverfahren zur Verarbeitung von Phenolformaldehyd-Harz begann das Zeitalter der vollsynthetischen Kunststoffe. Das „Bakelit“ schien wie für die ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckende Elektroindustrie und Telekommunikation gemacht: leicht formbar, stabil und vor allem leitete es keinen Strom. Ob Stecker, Schalter oder Gehäuse: Bakelit war wegen seiner isolierenden Eigenschaften unentbehrlich.

Heute kann man sagen, dass die moderne Informationsgesellschaft ohne Kunststoffe ganz anders aussehen würde. Dabei leisten Kunststoffe inzwischen so viel mehr, als nur formschönes Design für Mobiltelefone, Computer oder andere uns lieb gewordene Konsumwaren zu ermöglichen. Oft steckt die Leistung dort, wo wir sie nicht sehen und wir uns nicht bewusst sind, dass bestimmte Technologien ohne den modernen Werkstoff nicht funktionieren würden. Ob es sich um Kunststoff-Folien für Flachbildschirme, in Akkus, Photovoltaikanlagen oder Brennstoffzellen handelt, Kunststoffe als Trägermaterial für elektronische Schaltungen und oder als Ummantelung für komplexe Kabel zur Datenübertragung.
In fünf Stationen wurde in der Ausstellung die Entwicklung der Kunststoffe von den ersten zaghaften Anfängen bis zur heutigen Allgegenwärtigkeit im Bereich der Elektrizität und Elektronik aufbereitet.

Neben Exponaten, die man so sonst nicht von Nahem zu Gesicht bekommt, wie Hochspannungsisolatoren, konnte der Besucher seine Kenntnisse zum Thema mittels Filmausschnitten und interaktiven Elementen vertiefen.

Kunststoffgeschichte
Wanderausstellung

Träger des Deutschen Kunststoff-Museums ist der 1986 gegründete Kunststoff-Museums-Verein mit Sitz in Düsseldorf. Mit „Unter Strom“ präsentierte er seit 2003 seine dritte Wanderausstellung zum Thema Kunststoffgeschichte. Sie werden mit lokalen Partnern an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt, um vor allem ein Publikum von chemischen Laien zu erreichen und die technische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung von Kunststoffen in Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln. Zu diesem Zweck dient auch die inzwischen auf über 14000 Objekte angewachsene Sammlung historischer und aktueller Exponate aus Kunststoff.

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Martina Bechstedt