Schon lange ist bei technischen Geräten nicht mehr allein die Funktion von Bedeutung – auch das Design spielt heute eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt aus diesem Grund findet der Werkstoff Polyurethan (PUR) zunehmend Verbreitung, denn er bietet Produktdesignern und Konstrukteuren vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bei vergleichsweise niedrigen Herstellungskosten. Auch die gute Lackierbarkeit von PUR-Formteilen spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, da eine makellose Oberfläche entscheidend für das wertige Aussehen eines Produkts ist. Wie der Werkstoff selbst lässt sich auch die Lackierung exakt an die Anforderungen anpassen beziehungsweise auf den Einsatzzweck abstimmen, indem die gewünschten Eigenschaften dem Lack gleichsam beigemischt werden.

Hohe Abriebfestigkeit und Blendfreiheit

Die hohe Abriebfestigkeit und die chemische Beständigkeit machen den Mikroeffektlack zu einer guten Beschichtung für beanspruchte Oberflächen von hochwertigen Gebrauchs- und Investitionsgütern. Auch im Außenbereich ist der Lack aufgrund seiner Witterungsbeständigkeit einsetzbar. Ein weiterer, insbesondere im industriellen Umfeld wichtiger Vorteil des Mikroeffektlacks ist seine absolute Blendfreiheit. Nicht nur die Funktionalität, sondern auch der optische Eindruck des Mikroeffektlacks kann variiert werden. Durch Beimischung feiner Glasperlen in den Lack wird ein selbststrukturierender Feinperleffekt, ähnlich einer erodierten Oberfläche, erzeugt. Der Strukturlack bietet vielfältige Kombinationsmöglichkeiten von Farbe, Glanzgrad und Struktureffekten. Ein wichtiges Merkmal der Lacke ist ihre hohe mechanische und chemische Beständigkeit, sodass sich die veredelten Oberflächen sehr einfach und sogar mit chemisch aggressiven Mitteln reinigen lassen. Strukturlacke erzeugen im Vergleich zu Mikroeffektlacken gröber strukturierte Oberflächen, man spricht auch von Narben- beziehungsweise Perlstruktureffekten, die durch einen groben Farbauftrag zum Ende des Lackiervorgangs erzielt werden.

Hochwertige Optik

Wenn die Optik im Vordergrund steht, kann der Einsatz eines Glattlacks die beste Wahl sein. Dieser vermittelt einen sehr hochwertigen Eindruck und unterstreicht zugleich das Design des Produkts. Neben der glänzenden optischen Wirkung ist die einfache Reinigungsmöglichkeit der glatten und chemisch beständigen Oberflächen ein weiteres Kriterium für den Einsatz dieser Lacke.

Beim Kupferleitlack steht nicht die Optik, sondern die Funktion im Vordergrund. Kupfer-Acrylat-Lack weist aufgrund seiner elektrischen Leitfähigkeit eine hohe elektromagnetische Absorption über einen breiten Frequenzbereich auf und kommt deshalb häufig bei mess- und medizintechnischen Geräten zum Einsatz, um die Vorgaben der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) zu erfüllen. Im Unterschied zu den anderen beschriebenen Lackarten wird der Kupferleitlack auf der Innenseite der PUR-Formteile aufgebracht. Voraussetzung für eine ausreichende elektrische Abschirmung ist eine bestimmte Mindestschichtdicke des Lackfilms; des Weiteren müssen bei mehrteiligen PUR-Formteilen Kontaktstellen vorgesehen werden.

Nahezu sämtliche Lacksysteme, vom Struktur- bis zum Glattlack, können mit geeigneten Verfahren bedruckt oder beklebt werden. Zum Bedrucken werden spezielle Ein- und Zweikomponentendruckfarben eingesetzt, wobei die Zweikomponentenfarben eine bessere Beständigkeit aufweisen. Ist das Bekleben des PUR-Formteils vorgesehen, sollte keine zu grobe Lackstruktur gewählt werden, da hierdurch die Haftung beeinträchtigt wird. Wie Druckfarben sind auch Klebstoffe als Ein- und Zweikomponentensysteme erhältlich, wobei die Zweikomponentenklebstoffe eine bessere Haftung aufweisen.

Erhöhte Marktchancen
Vielseitig und funktional

Heutige PUR-Lacksysteme können verschiedene funktionale Anforderungen erfüllen, wie zum Beispiel:

  • optische Wirkung (Farbton, Glanzgrad, Effektbild),
  • mechanische Beständigkeit (Abrieb, Schlag/Stoß, Verformung),
  • chemische Beständigkeit (Laugen, Säuren, Lösungsmittel, Hydrauliköle, Kühlmittel),
  • Klimabeständigkeit (Innen-/Außenraumklima, Freiluftklima),
  • Sonderanforderungen (wie bedruckbar im Tampon- oder Siebdruck, überschweißbar, beklebbar).

 

Autor

Über den Autor

Hartmut Bührer, Vertriebsleitung, Thieme, Teningen, hartmut.buehrer@thieme.eu