Die Sache mit dem Kunstrasen ist in Deutschland gar nicht so einfach. Als 2009 das entscheidende WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Russland auf Kunstrasen anstand, herrschte wochenlang große Aufregung. Ist der Belag für deutsche Fußballer tatsächlich ein größerer Gegner als die andere Mannschaft?

Vorurteil 1: Kunstrasen ist hart und schlecht für die Gelenke

Moderner Fußballrasen ist nicht mit Kunstrasen der ersten und zweiten Generation zu vergleichen. Ende der neunziger Jahre wurde die Technologie der dritten Generation eingeführt. Die Basis bildet für gewöhnlich ein Unterbau aus Asphalt, auf den die Elastikschicht aufgetragen wird. Darauf wird der Kunstrasen ausgerollt. Der untere Teil des Kunstrasens wird nun zur Beschwerung mit Sand gefüllt, der obere mit Gummigranulat (Infill). Das feine und weiche Granulat verbessert das Abprallverhalten des Balls und sorgt für den Spielerschutz bei Tacklings oder Stürzen.

Vorurteil 2: Wer auf Kunstrasen spielt, muss sich auf schlimme Schürfwunden gefasst machen

Die diffuse Angst vor Spielen auf Kunstrasen hat sich tief in die Erinnerung vieler Spieler eingebrannt. Im Gegensatz zu den früheren künstlichen Rasenflächen ist der moderne Kunstrasen ganz anders. Er wird aus besonders hautfreundlichem und elastischem Material hergestellt. Eine Studie der FIFA bestätigt, dass sich die tatsächlichen Verletzungen auf Kunstrasensystemen inzwischen kaum von Verletzungen auf Naturrasen unterscheiden.

Vorurteil 3: Die Spieleigenschaften auf Kunstrasen sind völlig anders

Natürlich ist ein Spiel auf Kunstrasen nicht genau das Gleiche wie ein Spiel auf Naturrasen. Aber eine Studie aus dem Jahr 2009 kommt zu dem Ergebnis, dass „gute und gut gepflegte Kunstrasenplätze das Spiel nicht messbar beeinflussen“. Die Bewegungsmuster von Fußballspielern bei Torschüssen und Flankenbällen unterscheiden sich laut der Studie nur auf schlechten Kunstrasenplätzen deutlich von den Bewegungsabläufen auf guten Naturrasenplätzen. Aber längst nicht jeder Naturrasenplatz ist in gutem Zustand.

Vorurteil 4: Kunstrasen ist teuer

Stimmt, in der Anschaffung ist Kunstrasen teurer als Naturrasen. Sobald der Kunstrasen aber erst einmal liegt, ist er sehr viel wirtschaftlicher. Warum? Zunächst einmal ist Naturrasen in der täglichen Pflege deutlich anspruchsvoller. Ein künstlicher Fußballrasen hingegen ist mit einer Gesamtnutzungsdauer von bis zu 15 Jahren nicht nur langlebiger, er verursacht auch deutlich weniger Pflegeaufwand als Naturrasen. Die entsprechenden Pflege- und Wartungskosten belaufen sich laut DFB-Studie lediglich auf rund ein Drittel der Aufwendungen für Naturrasen. Während für natürlichen Rasen in der Regel nach rund 600 Stunden Nutzung pro Jahr Schluss ist, ermöglicht der Kunstrasen eine durchschnittliche Nutzungsdauer von bis zu 1800 Stunden pro Jahr.

Vorurteil 5: Auf Kunstrasen zu spielen macht weniger Spaß

Dieses Vorurteil ist schwer zu widerlegen, da dies eine sehr subjektive Aussage ist. Jeder Spieler muss selbst entscheiden, ob er Spaß am Spiel hat. Wenn es für manche erst ein richtiges Fußballspiel ist, wenn Grassoden fliegen und der Matsch spritzt: Das kann Kunstrasen natürlich nur schwerlich bieten. Wem es jedoch um das Spiel an sich geht, der sollteauf Kunstrasen genauso viel Freudehaben wie auf Naturrasen. Fazit: DerBall ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.

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Friedemann Söll, Produktmanager, Polytan, Burgheim, Tel. 08432/8772