Befragt wurden Fach- und Führungskräfte aus der Kunststoffindustrie. Auf den Antworten von 164 Teilnehmern basieren die Ergebnisse. 89,4 Prozent bestätigen, dass die Qualifikation der Mitarbeiter einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellt. 78,6 Prozent sind der Meinung, dass Weiterbildung maßgeblich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Dennoch räumen 62 Prozent der Befragten ein, dass in punkto Weiterbildung im eigenen Haus noch immer zu wenig getan wird.

53,9 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass Weiterbildung nur bei konkretem Bedarf angeboten wird, 14 Prozent berichten, dass ihr Unternehmen nur in absoluten Ausnahmefällen oder überhaupt keine Weiterbildungsmaßnahmen anbietet. Dies begründen 63,6 Prozent der Betroffenen mit den Kosten und 48,5 Prozent mit den Fehlzeiten, die aufgefangen werden müssten. 18,2 Prozent derjenigen, deren Unternehmen keine Weiterbildung anbietet, vermissen ein zu ihren Bedürfnissen passendes Weiterbildungsangebot, und 9,1 Prozent dieser Personengruppe sehen schlichtweg keinen Bedarf.

Soft Skills kommen häufig noch zu kurz

Dort, wo Weiterbildung angeboten wird, sind es im Schnitt vier Tage, die pro Mitarbeiter im Jahr investiert werden. Die meisten Unternehmen gewähren zwei oder drei Tage Weiterbildung, einige aber auch zehn. Dabei wird die gesamte Bandbreite des Angebots ausgenutzt. Von der externen Weiterbildung (92,1 %), über interne Programme durch eigenes Personal (78,8 %) bzw. durch externe Referenten (70,9 %) bis hin zu E-Learning-Angeboten (30,5 %).

Bei der Auswahl des Angebots gehen die Entscheider rational vor. Die Themen der angebotenen Veranstaltung werden besonders kritisch hinterfragt. Daneben kommt es für 85,7 Prozent („trifft voll und ganz zu“ bis „trifft weitgehend zu“) auf die eigenen guten Erfahrungen mit dem Anbieter an.
Die Weiterbildungsmaßnahmen, in die die Unternehmen investieren, zielen in erster Linie auf die Fachkompetenz ab. Nur rund die Hälfte der Befragten gibt an, sich auch im Bereich der personalen, sozialen oder unternehmerischen Kompetenzen weiterzubilden bzw. für seine Mitarbeiter ein entsprechendes Angebot zu haben. Der aktuelle Bedarf wird damit allerdings nicht gedeckt. Gefragt wurde nicht nur nach dem Ist-, sondern auch dem Soll-Zustand.

Während der Bedarf an fachlicher Weiterbildung weitgehend gedeckt wird, bleiben die Soft Skills vielerorts auf der Strecke.
Spezifisches technisches Fachwissen ist es, das im Themenfeld Fachkompetenz in erster Linie in Weiterbildungsveranstaltungen erworben wird (89,1 %). Erst danach folgen Methodenkompetenz und IT-Kenntnisse.E
Auf die Frage, welche technischen Fachkompetenzen in der jeweiligen Branche besonders wichtig sind und künftig im Weiterbildungsangebot stärker berücksichtigt werden sollten, wurden neben Technologien und Methoden der Kunststoffverarbeitung auch aktuelle Trendthemen genannt. Darunter Medizintechnik, Leichtbau und Elektromobilität, Mikro- und Nanotechnik, Biopolymere, alternative Energien, Energieeffizienz und Ökodesign sowie Solar-technik.
Im Bereich der unternehmerischen Kompetenz werden vor allem betriebswirtschaftliche Kenntnisse (64,1 %) im Rahmen der beruflichen Weiterbildung erworben. Bei der personalen Kompetenz ist Selbst- und Zeitmanagement der Renner unter den angebotenen Themen (84,4 %) und in punkto sozialer Kompetenz bilden sich die meisten in Kommunikationsfähigkeit und Führungskompetenz weiter.
Auch für diese Bereiche wurden die Umfrageteilnehmer nach ihren Wünschen gefragt. Mehrfach genannt wurden jeweils die interkulturelle Kompetenz, Sprachkurse, zum Beispiel Chinesisch, und das Thema Motivation.

Erfolg der Weiterbildung messbar macht

Beim Kauf von Maschinen und Anlagen ist der Return on Invest meist ein wichtiges Entscheidungskriterium. Und auch bei Investitionen in die Weiterbildung lässt sich der Wert der Maßnahmen messen, dies zumindest bestätigen die Teilnehmer der Umfrage. Kennzahlen sind hierbei vor allem die Arbeitsqualität des Mitarbeiters, seine Motivation und Zufriedenheit sowie der Grad der Zielerreichung. Wichtig ist dabei auch die Kundenzufriedenheit, die letzten Endes ganz direkt für den Return on Invest der Weiterbildungsmaßnahme sorgen kann.

Damit die Maßnahmen nachhaltig wirken, sollte das Thema Weiterbildung fester Bestandteil der Personalentwicklung sein. Auch Trainer mit Branchenexpertise sowie die Einbindung firmenspezifischer Fallbeispiele unterstützen dieses Ziel.
Die Umfrage zum Thema Weiterbildung erfolgt außer in der Kunststoffindustrie in sechs weiteren Branchen: Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, Energie, Chemie und Pharma, Bau sowie Landtechnik. So lassen sich branchenspezifische Aussagen treffen und miteinander vergleichen. Der Plastverarbeiter wird wieder berichten, sobald das Ergebnis aus den anderen Branchen vorliegt.

Die Umfragen stehen im Mittelpunkt der Weiterbildungskampagne des VDI Wissensforums, deren Ziel es ist, das Bewusstsein für die Chancen und Möglichkeiten zu stärken, die Weiterbildung für Ingenieure bietet. „Uns interessiert, ob die Wirtschaftskrise das Weiterbildungsverhalten verändert hat und wo konkreter Bedarf besteht. Denn gerade jetzt ist es wichtig, mit Blick auf die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit das Know-how der Ingenieure zu stärken“, sagt Timo Taubitz, Geschäftsführer des VDI Wissensforums.

Umfrage
Datenbasis

Die Umfrage wurde im Juli und August 2010 durchgeführt. Befragt wurden 164 Fach- und Führungskräfte aus der Kunststoffindustrie, davon haben 97 jede Frage beantwortet.
57 % der Teilnehmer kommen aus der Verarbeitung, 29 % aus dem Maschinen- und Anlagenbau, 14 % aus der Forschung, 11 % aus der Rohstoffherstellung und weitere aus den Branchen Handel und Beratung.
65 % der Unternehmen liefern in die Automobilindustrie, 37 % in die Medizintechnik, 33 % in die Branche Elektronik/Elektrotechnik und 34 % sind im Bereich der technischen Teile zu Hause. Weitere vertretene Abnehmerbranchen mit einem Anteil von jeweils unter 30% sind Verpackung, Maschinenbau, Haushaltswaren, Bau sowie Sport, Spiel und Freizeit

Meinung und Erfahrung

Weshalb sollte in Weiterbildung investiert werden?– Ausgewählte Antworten der Umfrageteilnehmer:

„Vielseitig einsetzbare Mitarbeiter verbessern den Unternehmenserfolg.“

„Wir investieren in Weiterbildung, um einen technischen Vorsprung gegenüber unseren Mitbewerbern zu haben.“

„Wir müssen in der Lage sein, unseren Kunden neue Technologie anzubieten. Dazu benötigen wir das Wissen, was links und rechts vom Tellerrand passiert.“

„Weiterbildung bedeutet Sicherung und Ausbau der Marktposition sowie die Verbesserung der Kundenzufriedenheit.“

„Innovationen von heute sind die Aufträge von morgen.“

„Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Mitarbeiter, und damit ist nicht nur die Führungsebene gemeint.“

„Unser Unternehmen lebt von Innovation und Kundennähe. Wichtig ist, das Umfeld der Kunden und deren Technologien zu kennen, damit wir uns optimal darauf einstellen können. Wir verkaufen unsere Anlagen nicht über Mengen bzw. den Preis, sondern indem wir auf die speziellen Anforderungen des Kunden eingehen und hochwertige technische Lösungen anbieten.“

„Kompetente und motivierte Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens.“

„Durch die Weiterbildung im Bereich soziale Kompetenz verbessern wir unser Arbeitsklima.“

„Nur wenn wir uns in unserem Gebiet gut auskennen, können wir auch unsere Kunden bestmöglich beraten.“

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