Die Kunststoffverarbeitung konnte im Mai und Juni zu den alten Rekordhochs so gut wie aufschließen. Arbeitstäglich bereinigt lag man im Mai bei einem Indexwert von 112,7 (gegenüber 113,3 im Mai 2008) und im Juni bei 115,5 (gegenüber 116,8 im Juni 2008). Wie erwartet, hat das Wachstum im zweiten Quartal 2010 noch einmal angezogen (1). Mit knapp unter 15 Prozent wurde der Rückgang des zweiten Quartals 2009 (-15 Prozent) allerdings nicht vollständig aufgeholt. In der Halbjahresbilanz hat man nun ein Plus von 13,7 Prozent, mit dem das Minus von 17,1 Prozent des ersten Halbjahres 2009 allerdings bei weitem nicht wettgemacht werden kann, auch weil die Ausgangsbasis nun viel niedriger ist. Zum Ausgleich hätte man schon deutlich über 20 Prozent benötigt. Derzeit liegt man auf halber Strecke zwischen den ersten Halbjahren 2006 und 2007. Für das dritte Quartal ist anzunehmen, dass das Wachstum technisch bedingt (geringeres Minus im dritten Quartal 2009) deutlich zurückgeht, man aber trotzdem an das frühere Rekordniveau anschließen kann. Zehn Prozent Zuwachs liegen nicht außer Reichweite. Wichtig aber scheint, dass man im Mai und Juni fast auf altem Niveau gelandet ist.

Teilbranchen

Auch bei der Halbzeugproduktion (Rohre, Platten, Folien) erkennen wir sowohl eine Wachstumsbeschleunigung vom ersten zum zweiten Quartal als auch einen Versuch, das alte Produktionsniveau herzustellen. Im Mai wurde das tatsächlich auch geschafft, im Juni allerdings wieder um einen ganzen Prozentpunkt verfehlt. Das Wachstum im ersten Halbjahr 2010 fiel mit 11 Prozent (2) nicht ganz so imposant wie in der Gesamtbranche aus, dafür war der Rückgang im Vorjahreshalbjahr mit „nur“ -14,5 Prozent auch etwas weniger drastisch. Wir erwarten in dieser Sparte im dritten Quartal ebenfalls technisch bedingt abflachendes Wachstum, aber gleichzeitig ein Anknüpfen an frühere Produktionshochs.

Im Verpackungssektor, der sich neben den Bauelementen am besten in der Krise behaupten konnte, hat man die Krise ebenfalls hinter sich gelassen (3). Im zweiten Quartal 2010 erreichte das Wachstum fast 9 Prozent, um den gleichen Wert war sie im Vorjahresquartal zurückgegangen. In der Halbjahresbilanz hat man schon fast wieder den Stand des ersten Halbjahres 2007 erreicht. Zwar ist auch hier mit technisch bedingter Wachstumsabschwächung zu rechnen, aber die Chancen stehen gut, dass man sich übers Jahr betrachtet dem Niveau des Jahres 2008 annähern kann. 2007 sollte auf jeden Fall übertroffen werden.
Hersteller von Baubedarfsartikeln mussten im ersten Halbjahr 2009 Produktionsrückgänge von insgesamt 5 Prozent hinnehmen (4), danach ging es wieder kräftig aufwärts. Vor allem in den ersten drei Monaten 2009 gab es einen deutlichen Dämpfer, schon im zweiten Quartal konnte der Abschwung fast zum Stillstand gebracht werden. In diesem Jahr sank die Produktion im ersten Quartal zwar erneut um knapp drei Prozent, wahrscheinlich wetterbedingt, aber im zweiten Quartal ging es mit vier Prozent wieder nach vorn. In der Halbjahresbilanz steht derzeit für das erste Halbjahr ein Zuwachs von 0,9 Prozent. Bescheiden zwar, aber im Kontext der Abstürze der anderen Teilbranchen betrachtet, ist die Baubedarfsbranche in der Krise mit einem blauen Auge davongekommen. Brancheninsider vermuten, dass hauptsächlich öffentliche Konjunkturprogramme und staatlich geförderte Maßnahmen zur Gebäudesanierung und Energieeinsparung die Nachfrage gestützt haben, der Neubau ist noch nicht so richtig in Schwung gekommen.
In der sonstigen Kunststoffverarbeitung, bei der Herstellung von technischen Teilen und Konsumwaren, kam die Trendwende bereits im vierten Quartal 2009 mit einem klaren Plus von 4,5 Prozent (5). Der Abschwung hatte dort früher begonnen als in anderen Bereichen und fiel mit fast 28 Prozent im ersten Quartal 2009 besonders krass aus. Mit Zuwächsen um 23 Prozent in den ersten beiden Quartalen konnten die Verluste zum großen Teil wettgemacht, aber nicht vollständig aufgeholt werden. Derzeit liegt man zwischen 2006 und 2007, die gute Konjunktur scheint in diesem Fachzweig weiter anzuhalten, denn die Abnehmerbranchen, namentlich die Autoindustrie, boomen. Auch hier ist aufs Jahr gerechnet das Produktionsniveau des Jahres 2007 in Reichweite.

Umsatz

2009 ist das Auslandsgeschäft deutlich stärker eingebrochen als die Inlandskonjunktur (6). Schon deshalb gibt es im Export größeres Wachstumspotenzial. Vor allem im ersten Quartal 2010 konnte das Exportgeschäft schneller zulegen als der Binnenmarkt. Aber schon im zweiten Quartal hat sich der Abstand verringert, das Inland beginnt nachzuziehen. Die Zuwächse lassen aber noch zu wünschen übrig, sie reichen bei weitem nicht aus, die Rückgänge zu kompensieren. Wir erwarten aber, dass sich die Lage in den nächsten Monaten weiter verbessert, denn die Umsätze laufen der Produktion um einiges hinterher. Die Zunahme der Inlandsumsätze ist zu einem nicht unerheblichen Teil exportinduziert, denn viele Produkte sind Zulieferungen für Exportgüter.

Besonders in der Halbzeugbranche bestätigt sich die Erwartung, dass vor allem der Export die Erholung tragen sollte (7). Dort sind vornehmlich die Auslandsmärkte eingebrochen, während das Binnengeschäft anfänglich kräftig zurückging, sich dann aber schnell aufraffen konnte. Schon im dritten Quartal 2009 schrieb man im Inland wieder eine schwarze Null. Und während die Auslandsumsätze im vierten Quartal noch um fast fünf Prozent schrumpften, wuchsen die Inlandsfakturierungen um vier Prozent. Im ersten Quartal legte das Inlandsgeschäft ebenso viel zu, aber der Export blies mit 13 Prozent zur Aufholjagd. Im zweiten Quartal verdoppelte sich zwar die Wachstumsrate im Inland, aber im Ausland ging es mit 17 Prozent Plus weiter kräftig voran, fast doppelt so schnell wie im Inland. Aber auch in diesem Sektor sind die jüngsten Einbrüche noch lange nicht kompensiert.
Die Verpackungsmittelhersteller (8) hatten mit deutlich geringeren Einbußen zu kämpfen als die Halbzeugproduzenten. Im Export waren die Rückgänge in den ersten drei Quartalen allerdings zweistellig, während sie im Binnengeschäft vergleichsweise gemäßigt ausfielen. Im vierten Quartal schrieb man im Inland bereits wieder eine schwarze Null, das Auslandsgeschäft ging aber noch einmal um 7,6 Prozent zurück. Im ersten Quartal 2010 stiegen die Inlandsumsätze mit weniger als einem Prozent nur unwesentlich, die Exporte legten hingegen um drei Prozent zu. Im zweiten Quartal zogen die Erlöse im Inland um über sechs Prozent an, im Ausland blieb man unter vier Prozent. Der Trend zeigt auch in diesem Sektor klar nach oben, aber Wachstum kommt derzeit eher aus dem Binnengeschäft als aus dem Export. Zumindest im zweiten Quartal hat man im Inland wieder an frühere Erfolge anknüpfen können. Im Auslandsgeschäft fehlt es daran aber noch.
Bei den Baubedarfsherstellern (9) waren die Umsätze im ganzen Jahr 2009 stark zurückgegangen, vor allem im noch vergleichsweise weniger bedeutenden Auslandsgeschäft. Wie oben gezeigt, erholte sich die Produktion sehr rasch, die Umsätze hinkten aber hinterher. Erst im zweiten Quartal zeigt sich auch hier eine durchgreifende Besserung, mit kräftigen Zuwächsen zwischen acht und neun Prozent. Wir hatten bereits früher vermutet, dass diese Diskrepanz mit den Eigentümlichkeiten des Baugeschäfts zusammenhängen könnte, mit langen Vorlaufzeiten einerseits und schleppender Zahlungsmoral andererseits, vor allem seitens öffentlicher Auftraggeber, die dann auch auf Zulieferer der Bausektors durchschlägt.
Bei den Herstellern von technischen Teilen und Konsumwaren (10) brach zuerst die Auslandsnachfrage ein, die Inlandskonjunktur ging danach ebenfalls zur Schussfahrt über und stellte zuletzt die Exportschwäche in den Schatten. Im vierten Quartal 2009 erholten sich die Ausfuhren ziemlich kräftig, während der Binnenabsatz weiter schwächelte. Mit Jahresbeginn setze aber auch im Inland ein kräftiger Aufschwung ein und im zweiten Quartal 2010 stand das Binnengeschäft der Auslandsnachfrage in punkto Wachstum kaum mehr nach. Die Zuwächse liegen jetzt um die 20 Prozent, es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das frühere Umsatzniveau wieder erreicht ist.

Fazit und Ausblick

Die aktuelle Aufwärtsentwicklung ist die richtige Einstimmung auf die kommende K-Messe im Oktober. Selbst kühnste Optimisten hatten nicht mit dieser schnellen Erholung gerechnet. Und die Stimmung in der deutschen Wirtschaft scheint sich weiter zu verbessern, wie aktuelle Um-fragen belegen, sie hat auch den Mittelstand erfasst. Technisch bedingt war ein Aufschwung ja zu erwarten, aber man rechnete allgemein mit einem mehrjährigen Aufholprozess. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass im Falle der Kunststoffverarbeiter das frühere Niveau aus dem Jahre 2008 schon heuer erreicht wird, doch dürfte zumindest das Jahr 2007 in Reichweite kommen. Ein erneuter Konjunktureinbruch ist nicht in Sicht, auch wenn sich Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung immer mal wieder zeigen. Aber es gibt auch immer wieder Signale für eine Verstetigung und manchmal sogar für eine Beschleunigung des allgemeinen Aufschwungs. Die K wird zeigen, wohin die Reise geht, spannend wird nicht der Ausgang dieses Jahres, sondern der Start in 2011.

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Winfried Pfenning