Die Italiener sind mit mehr als zehn Prozent die zweitgrößte Ausstellernation auf der K nach den Deutschen“, erklärt der Präsident von Assocomaplast, Giorgio Colombo, gegenüber der internationalen Fachpresse Ende Juli in Mailand. Deutschland ist für die italienischen Unternehmen der größte Auslandsmarkt. Die Hoffnungen der Italiener werden von den aktuellen Wirtschaftsdaten getragen, die der Verband und das italienische Statistikamt Istat erfasst haben. Nach dem Einbruch in 2009, der in Italien nicht ganz so drastisch wie in Deutschland ausfiel, zeigen die Istat-Zahlen der ersten vier Monate 2010, dass sich der Abschwung sehr deutlich, auf wenige Prozent, verlangsamt hat. Das Produktionsvolumen der italienischen Hersteller von Maschinen, Ausrüstungen und Werkzeugen für die Gummi- und Kunststoffverarbeitung war nach den guten Jahren 2007 und 2008 von 4,25 Milliarden Euro (2008) um gut 21 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro (2009) gesunken. Der Export ging in diesem Zeitraum um 26 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro zurück, die Importe um 22 Prozent auf 472 Millionen Euro.

Neuere Zahlen für dieses Jahr zeigen, dass der Export jetzt wieder positiv verläuft, sowohl bei den Werkzeugen als auch bei Blasform-, Flexodruck- und Spritzgießmaschinen. Aktuelle Umfragen der Assocomaplast zum Geschäftsklima unter den Mitgliedern zeigen ebenfalls, so Colombo, dass sich auch die Nachfrage im italienischen Markt wieder deutlich erholt, sogar stärker als der Export. „Es geht langsam zur Normalität zurück“, sagt Colombo, der auch Managing Director des Extruderherstellers ICMA San Giorgio ist. Die Frage, wie schnell man wieder zum alten Niveau Anschluss finden werde, beantwortet der Generalsekretär des Verbands, Mario Maggiani: „In zwei bis drei Jahren. Aber schon in diesem Jahr“, glaubt er, “werde man wieder recht nahe an die guten Zahlen von 2008 herankommen“. Und, so ergänzt Colombo, die wirtschaftliche Erholung werde „im weiten Umfang von den auf der K erzielten Geschäftsergebnissen abhängen“.
Für die kommenden Messen in Italien wie der Plast im Mai 2012 in Mailand, die der Verband organisiert, gibt sich Maggiani vorsichtig optimistisch – die Ausstellerakquisition hat nämlich noch nicht begonnen: Auf alle Fälle sollen es mehr als beim letzten Mal im März 2009 werden, auf der ungefähr 1000 Aussteller waren.

Kürzeste Zykluszeiten und dabei noch Energie sparen

Der Trend zum nachhaltigen Produzieren dominiert auch bei den italienischen Spritzgießmaschinenbauern, so zeigt es zum Beispiel die Vorschau von Negri Bossi auf die K-Messe. Vollelektrische Spritzgießmaschinen mit einem „völlig neuen Konzept“ kündigt der Mailänder Maschinenbauer an. Energiesparende Maschinen seien gefragt und bei diesen Maschinen sei der Energieverbrauch „extrem niedrig“, erklärt Silvio Tavecchia, Managing Director von Negri Bossi. Die Baureihe mit dem Namen „Vesta“ besteht aus drei Typen mit Schneckendurchmessern von 35 bis 52 Millimetern, einer Injektionsgeschwindigkeit von 220 oder 230 Millimetern pro Sekunde mit jeweils einer Schließkraft von 2200 Kilonewton.

Auch in der hydraulischen VSE-Maschinenserie (110 bis 130 Tonnen Schließkraft) und in der Hybrid-Serie Janus (120 bis 850 Tonnen Schließkraft) wird es Verbesserungen im Energieverbrauch geben, die auf der Messe an Maschinen dieserTypenreihen gezeigt werden. So kommt die Hybrid-Maschine bereits auf Energieeinsparungen, die sehr dicht bei den vollelektrischen Maschinen liegen sollen. Schließlich wird Negri Bossi noch die erneuerte Vector-Serie zeigen: Dort wurde unter anderem die Schließeinheit der Maschine komplett überarbeitet sowie das Hydrauliksystem baulich verkleinert.
Das Unternehmen selbst ist in wirtschaftlicher Hinsicht wieder „optimistisch“, so Tavecchia. Der Abschwung der Verkäufe in Europa sei beendet, auch wenn der deutsche Markt noch „sehr schwierig“ sei.
Der Spritzgießmaschinenbauer BMB aus Brescia will zur Messe an seinen vollelektrischen Maschinen zeigen, wie man in Produktionszellen bei kürzest möglichen Zykluszeiten hohe Präzision erreicht bei gleichzeitiger Energieeinsparung in der Größenordnung von 40 Prozent. Die Vollelektrischen der eKW-Baureihe gibt es in mehreren Typen mit 100 bis 450 Tonnen Schließkraft. Auf seinem Messestand will der Hersteller an einer 160-Tonnen-Maschine eKW16PI/480 mit einem Vierfach-Werkzeug von Kebo Formenbau und einem IML-System von Machine Pages die Produktion eines fünf Gramm schweren PP-Bechers mit einer Zykluszeit von 2,1 Sekunden vorführen. Auf einer eKW28PI/1300-Spritzgießmaschine wird die Herstellung von Kunststoff-Gabeln mit einem automatischen Handling- und Verpackungssystem gezeigt, wobei die Zykluszeit vier Sekunden beträgt. Pro Stunde können so insgesamt 28800 Teile hergestellt werden. An der dritten Maschine aus der Hybrid-Baureihe wird die Herstellung von Jogurt-Bechern mit einem 16+16-Etagenwerkzeug und einem automatisierten Handling-System demonstriert; die Zykluszeit beträgt 5,5 Sekunden.
Wirtschaftlich gesehen ging und geht es dem mittelständischen Familienunternehmen recht gut, berichtet Mario Bugatti, Vice President des Unternehmens. In 2009 habe der Umsatz nur um acht oder neun Prozent abgenommen. „Wir können uns also nicht beschweren“, sagt Bugatti. Der Grund dafür ist unter anderem der Branchenfokus des Maschinenbauers auf Unternehmen, die Haushaltswaren herstellen oder medizinische Verpackungslösungen benötigen, während das schwierige Automotive-Geschäft nur einen Anteil von zehn Prozent hat. Und im Exportgeschäft, das erst vor zehn Jahren aufgenommen wurde, sieht der Maschinenbauer weitere Wachstumspotenziale.

Höhere Zahl der Folienschichten bei geringerer Foliendicke

Beim Foliendruckmaschinenhersteller Bielloni und dem Extruderanlagenbauer Dolci Extrusion, der vor wenigen Jahren von Bielloni übernommen wurde, setzt man große Erwartungen in die K: 800000 Euro geben die beiden Unternehmen für ihren Messeauftritt aus, berichtet Dr. Matteo Spinola, Marketingdirektor für Bielloni und Dolci. Erfreulicherweise werden die Hoffnungen auf bessere Zeiten – nach einem schlechten Geschäftsjahr 2009 – schon derzeit durch eine „ganz gute Zahl“ von Anfragen wieder belebt. Sichtlich zufrieden berichtet er von einem Großprojekt in Weißrussland, wo Bielloni eine Anlage für Getränkekartons ähnlicher Machart wie Tetrapacks errichtet, aber aus Karton und Polyethylen, wobei der Karton im Unterschied zu den üblichen Verfahren zuerst laminiert und dann bedruckt werde. Zu den Kosten für eine Getränkebox sagt Spinola, dass bei diesem Herstellungsverfahren drei Cent oder weniger erreichbar seien.

Zur K werden beide Unternehmen zusammen vier Anlagen in Betrieb vorführen, drei davon von Dolci: eine fünflagige Coextrusion-Blasfolienanlage sowie zwei Flachfolienanlagen. Die Coextrusion-Blasfolienanlage ist zur Herstellung von hochwertigen technischen Folien mit linearen Strukturen und für hochwertige PP-Folien ausgelegt. Sie verfügt über einen neuen „Pancake“-Extrusionskopf, der relativ einfach von fünf auf sieben Lagen umgerüstet werden kann. Zudem verfügt der Extruder über einen neuen, sehr effizienten Kühlring und eine vollautomatische Foliendickenkontrolle. Die Kapazität der Anlage mit einem 400-Millimeter-Werkzeug beträgt 700 Kilogramm pro Stunde bei weniger als drei Prozent Foliendickenvarianz. Diese Anlage ist auch mit einer neuen Aufnahmeeinheit ausgerüstet, die auch mit sehr klebrigen Folien funktioniert. Der neue Aufwickler mit einer Netto-Breite von 2200 Millimetern verfügt über eine ausgeklügelte Zugspannungskontrolle und ein voll automatisiertes Wellen-Handlingsystem. Diese Blasfolienanlage folgt einerseits dem Trend in der Folienherstellung, die Zahl der Folienschichten zu erhöhen, dabei aber die Foliendicke bei gleichen mechanischen Eigenschaften zu vermindern, um den Kunststoffverbrauch zu reduzieren. Andererseits kann man mit dem neuen „Pancake“-Werkzeugkopf die Temperatur jeder einzelnen Lage kontrollieren, sodass man verschiedene Materialien in die einzelnen Lagen einbringen kann. Die bessere Folienqualität, die mit diesen Anlagen erzielt werde, wird nach Meinung bei Dolci die Nachfrage bei fünf- und siebenlagigen Blasfolienanlagen schnell erhöhen.
Die beiden Flachfolienanlagen, die gezeigt werden, haben 1000 und 1500 Millimeter Netto-Folienbreite. Die 1000-Millimeter-Stretchfolienanlage bringt es auf einen Netto-Durchsatz von 800 Kilogramm pro Stunde, also deutlich mehr als die bei Anlagen dieser Größe üblichen 500 bis 600 Kilogramm pro Stunde. Das neue Aufwickelsystem der Anlage produziert maschinelle und manuelle Rollen mit einer kontinuierlichen Geschwindigkeit von 700 Metern pro Minute, und das auch bei sehr dünnen Folien. Die 1500-Millimeter-Flachfolienanlage für fünflagige Stretch- und PP-Folien weist eine Reihe von Neuerungen aus, unter anderem die kompakte Bauweise mit nur 80 Quadratmetern Grundfläche und das ebenfalls neue Aufwickelsystem, das geradezu „revolutionär“ sei, wie man bei Dolci meint. Es ist wellenlos und arbeitet mit Zwei- und Dreizollkernen. Das System erreicht mit Zweizollkernen nach Angaben von Dolci problemlos eine Geschwindigkeit von 750 Metern pro Minute und mehr. Das zweite Aufwickelsystem für diese Anlage wurde speziell für Jumbo-Rollen konzipiert.
Von Bielloni wird auf dem K-Messestand eine direktangetriebene Flexo-druckmaschine Telia FSC (Fast Sleeve Change) mit zahlreichen Verbesserungen laufen, die sehr schnelle Jobwechsel erlaubt: sieben Minuten dauert ein kompletter Acht-Farben-Wechsel und erzeugt dabei nur zwölf Meter Abfallmaterial. Die wirkliche Innovation bei dieser Anlage sei jedoch die Dornhalterung für die Rasterwalzen und die Farbzylinder, heißt es bei Bielloni. Es sei völlig anders als konventionelle, manuelle Öffnungssysteme konzipiert und biete zahlreiche Vorteile.
Der Folien- und Folienmaschinenhersteller Colines aus Nibbia wird auf der K die jüngste Neuheit aus seinem Programm von Flachfolien-Extrusionsanlagen auf dem Messestand vorführen: die Handrollex-Triple Linie. Sie erweitert die innerhalb der Handrollex-1000-Linie gebotene Formatskala, weil sie nicht nur manuelle und automatische Rollen von Stretchfolie mit Reihenschnitt produziert, sondern auch 100-Millimeter-Minirollen bis hin zu Jumborollen mit 500 Millimeter Durchmesser. Die Anlage spart auch Energiekosten, indem ein Rückführungstrichter anstelle eines Seitenextruders eingesetzt wird. Zudem wurden alle elektrischen Komponenten wie Motoren der Anlage auf einen geringeren Energieverbrauch optimiert, alles ohne Funktionalität und Qualität zu beeinflussen. Ein kontinuierliches, selbstkalibrierendes Dickenmessgerät sorgt für eine sofortige Profilkorrektur, sodass fast kein Randbeschnitt erforderlich ist. Derzeit werden noch Prüfungen auf dem Prestretch gemacht während kernlose Anwendungen noch in der Entwicklung sind. Auf der K wird die neue Extrusionsanlage mit Nanoschicht-Technologie vorgeführt, die die mechanischen Eigenschaften der extrudierten Folie bemerkenswert verbessert.

Wie der Marketingleiter Francesco Peccetti sagt, ist für sein Unternehmen der deutsche Markt sehr attraktiv. In den letzten Jahren habe sich das Geschäft gut entwickelt, so dass er hier jährlich ein oder zwei Anlagen verkaufen könne. „Die deutschen Kunden wollen nur wenig Risiken eingehen, vor allem bei der Prozessstabilität beziehungsweise der Zuverlässigkeit der Anlagen“, so Peccetti, und fährt fort: „Weil wir sowohl Maschinenbauer als auch ein Folienhersteller sind, können wir dazu klare Aussagen machen und zudem unser technisches Know-how als Folienhersteller einbringen, wenn dies gewünscht wird.“ dw