Sie stehen auf dem Siegertreppchen, um den Hals hängt Gold, Silber oder Bronze. Für die Gewinner von Vancouver 2010 ist es sicher einer der schönsten Tage im Leben. Dass die Medaille aus Altmetall besteht, stört keinen. Nichts ist wertvoller als diese (Recycling-) Medaille. Auch Reststoffe aus Polyurethan (PUR) und PET sind eine wertvolle Rohstoffquelle. In einem neuen Projekt erweitert Ecosystems sein Recyclingangebot um ein neues Verfahren. In Zukunft sollen auch komplexe Verbundmaterialien wiederverwertet werden. Partner sind dabei das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (ICT), Pfinztal, sowie Vöhringer, Trochtelfingen, und Rühl Puromer, Friedrichsdorf.

Polyurethan-Produktionsreststoffe und „post-consumer“ PET aus Verpackungen (grüner Punkt) sind keine Abfälle, sondern wertvolle Rohstoffquellen. Sie werden durch spezielle chemische Verfahren, wie Glykolyse, Acidolyse oder Polyolyse zu (Recycling-) Polyolen aufbereitet. Die so genannten Recypole oder Petole fließen erneut in die Herstellung von Polyurethan ein. Abnehmer sind die Unternehmen der RampfGruppe, aber auch Systemhäuser wie Rühl Puromer oder Endanwender wie Vöhringer. Voraussetzung für die Wiederverwertung war bisher, dass die Reststoffe sortenrein vorliegen und keine Rückstände enthalten. Mit einem neuen Verfahren sollen nun in Zukunft bisher unverwertbare Reste recycelt werden.

Bisher keine Verwertung,
da Verbundsystem

In Trochtelfingen werden Zulieferteile unter anderem für den Caravan- und Bootsbau hergestellt. Dabei handelt es sich um Polyurethan-Hartschaumteile für Verkleidungen und Klappen im Innenbereich. Grundlage sind Polyure-thansysteme aus Friedrichsdorf. „Aufgrund der Verbundkonstruktion war bisher keine stoffliche Verwertung möglich, was ein großes Manko für uns darstellte. Denn einige unserer Abnehmer arbeiten in geschlossenen Recypol-Kreisläufen. Das heißt, Produktionsabfälle aus dem Bereich Hart-Integralschäume fließen wieder in die Produktion neuer Systeme ein“, betont Dr. Thomas Mack, Entwicklungsleiter bei Rühl. Er zögerte deshalb auch nicht lange und wandte sich mit der Aufgabe an die Pirmasenser.

Jeder bringt sein Know-how ein

Auch Thomas Vöhringer war es ein Anliegen, die eigenen Produktionsabfälle sinnvoll wieder zu nutzen. „Wenn Medaillen aus Altmetall bestehen, ein neuer VW Polo zu 40 Prozent aus Recycling-Material hergestellt ist, warum dann nicht auch unsere Teile“, dachte sich der Geschäftsführer. Die Anforderung an das Projekt lautete: „Das recyclathaltige PUR-System muss über die gleichen Eigenschaften verfügen wie das Original, damit wir bei unseren Formteilen stets die perfekte Class-A-Oberfläche erzielen.“ Das war im Jahr 2009. Seitdem arbeitet das Team an einer Lösung. Die Pirmasenser bringen ihre langjährige Erfahrung in der thermischen Glykolyse und im Bau von Recyclinganlagen ein. In Trochtelfingen besitzt man die Kompetenz zur Herstellung aufwendiger Formteile und die Friedrichsdorfer sind als Polyurethansystemhaus eine feste Größe in der europäischen Polyurethanindustrie. Und das Fraunhofer ICT unterstützt mit Know-how in den Bereichen Analysen und Vorseparation der Verbundschäume. Bis in zwei Jahren soll der neue Prozess stehen. Erste Versuche im Labormaßstab sind bereits abgeschlossen. Die Ergebnisse sind vielversprechend. „Die ersten Verschäumungsversuche sehen sehr gut aus. Die Muster konnten ohne Qualitätsverlust beim Endprodukt in die Systemformulierung integriert werden. Nach erfolgreichem Scale-Up soll demnächst eine Erprobung im Produktionsmaßstab erfolgen“, erzählt Dr. Jörg Woidasky, Projektmanager beim Fraunhofer Institut. Der Ingenieur ist von dem Projekt begeistert, da es dringende Fragestellungen beim Recycling von Polyurethan beantworten wird. Sein Institut sieht er in diesem Fall als erweitertes Labor für die angewandte Forschung.

Neue Technologien
Unverwertbare Reststoffe
als Rohstoffquelle

Im nächsten Schritt geht es um die Frage der Reststofftrennung. Wie wird das Papier vom Polyurethan abgetrennt? Im Vorfeld oder bei der Glykolyse? Durch diesen Ansatz kann bisher unverwertbarer Abfall für eine hochwertige stoffliche Verwertung bereitgestellt werden, um so die Wertschöpfung und Ressourceneffizienz zu erhöhen. Die Ergebnisse sind gut auf andere Schichtverbundmaterialien, zum Beispiel aus dem Bereich der Möbelherstellung, sowie auf alle Dämm- und Isolierschäume übertragbar und ermöglichen so erheblich positivere Umweltauswirkungen.

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Über den Autor

Michael Kugler, Betriebsleiter Rampf Ecosystems, Pirmasens