Der Wandel setzte erst 30 Jahre später ein: der Blick auf die Kunststoffe wird kritischer. Die Haltbarkeit stellt die Menschheit vor ein langfristiges (Müll-)Problem. Additive bedürfen in vielen Fällen eines zweiten, kritischeren Blickes – die Auswirkungen auf den Organismus Mensch und die Umwelt im allgemeinen betreffend. Seinen medialen Niederschlag findet dies unter anderem in solchen populärwissenschaftlichen Sendungen. Das Image des Kunststoffs ist nicht mehr ganz so gut, denn die Zustimmung zu diesem Material ist zwar in höheren Altersgruppen noch deutlich, sinkt aber mit abnehmendem Alter, wie in einer Grafik anlässlich einer Pressekonferenz von PlasticsEurope Anfang dieses Jahres zu sehen war.

Doch für unsere Branche bieten sich gerade durch diese Situation ungleich mehr neue Chancen. Kunststoffe werden heute differenzierter wahrgenommen. Der unreflektierte Hype ist lange vorüber. Ein Gewinner könnten Biokunststoffe werden, die hohes Potenzial als Antwort auf verschiedene Herausforderungen unserer Zeit aufweisen. Ab S. 32 zeigen wir in unserem Themenguide zur K 2010, wer zu den Biokunststoffen Neues zu bieten hat und wie die Maschinenhersteller das Thema in ihre Entwicklungen aufnehmen. Zukunftsträchtige Forschungsansätze sind Biopolymere, die von Bakterien hergestellt werden, in ihren Material- und Verarbeitungseigenschaften aber PP sehr ähneln. Die Mikroorganismen nutzen sie als Energiespeicher, weshalb sie leicht wieder abgebaut werden können. Auf den ersten Blick verführerisch scheint auch die Idee, aus dem vorhandenen Plastikmüll schwimmenden Lebensraum auf der Meeresoberfläche zu schaffen. Dazu berichten wir auf S. 121. Doch was immer sich die Branche auch einfallen lässt: Die Nachhaltigkeit der Entwicklungen sollte zukünftig sehr genau unter die Lupe genommen werden. Die EU ist dabei mit ihren Richtlinien auf einem sehr guten Weg. Denn Kunststoff ist in der Tat ein Stoff mit 1000 Möglichkeiten – nutzen wir sie!

 

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Christine Koblmiller, christine.koblmiller@huethig.de