Bisher stützten sich unsere Analysen auf Produktions- und Umsatzindizes für Betriebe ab 50 Beschäftigte, die bis in den April reichten. Inzwischen liegen für das erste Quartal Zahlen über die Produktion von Kunststoffwaren in Betrieben ab 20 Beschäftigten vor. Einerseits war vor allem der April ein Monat starken Aufschwungs, andererseits stehen die jetzigen Zahlen auf einer breiteren Grundlage, um die Aussagen zu stützen.

Im vierten Quartal 2009 war die Produktion nominal betrachtet (1) noch rückläufig. Real, nach Ausschaltung der Preisveränderungen, legte sie wieder zu. Das bedeutete auch, dass die Preise noch immer sanken, was teilweise durch gefallene Rohstoffpreise kompensiert werden konnte. Im ersten Quartal 2010 stieg die Produktion dann nominal um 13 Prozent an, real legte sie um 11 Prozent zu. Damit wurde der Einbruch des ersten Quartals 2009 etwa zur Hälfte wettgemacht. Die Gesamtproduktion liegt etwa auf dem Niveau des ersten Quartals 2006.
Bei Halbzeugen (2) brachen die Produktionswerte ähnlich stark ein wie bei Kunststoffwaren insgesamt, der reale Rückgang verlief aber deutlich weniger heftig. Die Preise sanken im Halbzeugsegment aber wesentlich stärker, was auch an den heftigen Preisbewegungen bei den spezifischen Rohstoffen liegen dürfte. Real begann sich die Produktion ebenfalls schon im letzten Quartal 2009 zu erholen, aber die Preise und damit die Produktionswerte gingen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008 dennoch um fast 6 Prozent zurück. In den ersten drei Monaten 2010 stieg die Produktion dann um real 5,4 Prozent, wertmäßig um 9,6 Prozent. Der Produktionsrückgang ist damit aber erst zu etwa einem Drittel wettgemacht, im Wert wurden etwa 40 Prozent aufgeholt. Wir nehmen an, dass im zweiten Quartal weiter Boden gut gemacht werden konnte, aber der Abstand zum früheren Niveau dürfte nach wie vor beträchtlich sein.

Früher in die und eher aus der Krise

Bei den Verpackungen (3) fiel der Rückgang anfangs nicht ganz so krass aus, dafür dauerte die Rezession aber länger. Noch im letzten Quartal 2009 fielen Produktionswert- und menge. Erst Anfang 2010 ging es wieder bergauf. Die Produktion stieg real um fünf Prozent, nominal legte sie um acht Prozent zu. Hier liegt man immerhin über dem Wert des Jahres 2006, aber doch noch deutlich unter dem Wert aus dem Vergleichsquartal 2007.

Im Baubedarfssegment war der Einbruch nur eine vorübergehende Erscheinung (4) und die gute Konjunktur hielt bis zum Jahresende 2008 an. Ein Einbruch kam erst im ersten Quartal 2009, der jedoch – im Vergleich zu anderen Teilbranchen – eher gemäßigt ausfiel. Im dritten Quartal stabilisierte sich die Konjunktur und zum Jahresende war wieder Aufschwung angesagt.Dies ist auch deswegen bemerkenswert, weil es schon im Vorjahresquartal Zuwächse gegeben hatte, die Ausgangsbasis also recht hoch war. Im ersten Quartal 2010 ging es dann wieder bergab. Vermutlich ist das hauptsächlich auf den langanhaltenden Winter zurückzuführen. Entscheidend dürfte sein, wie das zweite Quartal ausgefallen ist. Hier sollte es aber wieder Plus gegeben haben, schon allein, weil viele Bauprojekte, die buchstäblich auf Eis gelegt waren, wieder weitergeführt werden konnten.
Bei Technischen Teilen und Konsumwaren ging der heftige Abschwung schon in den letzten drei Monaten 2009 zu Ende (5). Man war früher als andere Teilmärkte in die Rezession gesackt, konnte sich aber auch schneller wieder daraus befreien. Die Erholung zum Jahresende 2009 bedeutete zwar eine Verbesserung der Konjunktur, der Rückgang des vierten Quartals 2008 wurde dabei aber noch nicht mal zu einem Bruchteil rausgeholt. Hingegen markiert der starke Zugewinn in den ersten drei Monaten 2010 einen Ausgleich des Einbruchs im Vorjahresquartal zu etwa 50 Prozent. Von den Rekordwerten der Vergangenheit ist man aber immer noch etwa 13 Prozentpunkte entfernt. Es ist anzunehmen, dass sich der Aufschwung im zweiten Quartal 2010 ähnlich stark fortgesetzt hat. Wir können nicht ausschließen, dass man bereits wieder in Sichtweite des früheren Rekords gekommen ist.
Betrachtet man Technische Teile und Konsumwaren (6), zeigt sich, dass Verbraucher und Industrie unterschiedlich schnell auf die Krise reagiert haben. Zuerst ist die Investitionsgüternachfrage eingebrochen, weshalb die Produktion von Technischen Teilen stark schrumpfte. Konsumwaren folgten erst mit Verzögerung. Technische Teile schafften auch früher die Wende, Konsumgüter brauchten länger und sind noch etwas verhaltener. Wir dürfen annehmen, dass dieses Muster auch im zweiten Quartal anhielt, die Unterschiede sich aber doch etwas verringerten. Das Wachstum dürfte nicht mehr nur vorwiegend aus dem Export kommen, wie wir in der letzten Ausgabe schon zeigen konnten, auch die Binnenkonjunktur hat sich stark erholt. Allerdings ist diese Erholung der Inlandsnachfrage insofern ebenfalls exportinduziert, als viele Zulieferteile in Wirklichkeit Komponenten für Exportgüter sind. Autos und Maschinen werden vor allem vom Ausland nachgefragt, die heimische Investitionsfreude und Konsumgüternachfrage lassen beide nach wie vor zu wünschen übrig. Bei Autos könnte die Produktion von 2008 trotz sinkender Inlandsnachfrage überschritten werden, wie man inzwischen hört.

Verhaltener Optimismus angezeigt

Es klang teilweise oben schon an: Für das zweite Quartal, welches nun auch schon hinter uns liegt, dürfen wir weiterhin kräftiges Wachstum annehmen. Im beginnenden dritten Quartal stehen die Zeichen ebenfalls auf Plus, fraglich ist nur das Ausmaß der Erholung. Technisch bedingt, dürften die Zuwächse künftig wieder kleiner ausfallen, weil im Vorjahresquartal der Konjunkturrückgang geringer war als im ersten und zweiten Quartal. Wir glauben auch nicht, dass das vergangene Rekordniveau schon wieder erreicht wird. Aber es sollte zumindest wieder in Reichweite kommen. Auch ist die extrem schnelle Erholung bei Technischen Teilen eher ein Ausnahmefall. In den anderen Segmenten, selbst bei Konsumwaren, verläuft der Aufschwung längst nicht so rasant, auch wenn er beeindruckend ausfällt. Damit frühere Niveaus wieder erreicht werden, müsste auch die Binnenkonjunktur merklich anziehen. Aber davon sind wir doch noch ein Stück entfernt. Aufs Jahr gerechnet ist 2010 sicherlich ein zweistelliges Plus drin, aber ob wir wesentlich über das Volumen des Jahres 2006 von 44,4 Mrd. Euro hinauskommen, ist nach wie vor fraglich.

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Winfried Pfenning