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Das Projekt ist Bestandteil einer Dissertation in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Ergonomie der TU München, mit der BMW den Bedürfnissen einer ergonomischeren Produktion Rechnung trägt. Jede der flexiblen Montagehilfen ist ein Unikat und wird individuell auf die jeweilige Handform und -größe des einzelnen Mitarbeiters angepasst.

Zum Einsatz kommen die Orthesen in einem Pilotprojekt beim Anbringen von Stopfen aus Hartgummi. Diese drücken die Monteure per Daumen ein und verschließen so unter anderem Ablauflöcher für den Karosserielack. Hierbei ist auch bei kräftiger Handmuskulatur ein gewisser Kraftaufwand nötig. Um ein Überstrecken des Daumengelenks zu vermeiden, werden die Fingerlinge aus thermoplastischem Polyurethan wie eine zweite Haut über den Daumen gezogen. An den Daumengelenken ist die Montagehilfe unterbrochen, sodass sich der Daumen ungehindert bewegen lässt. Auf der Daumen-Rückseite hingegen ist das Kunststoffmaterial verstärkt. Wird der Daumen ausgestreckt, stoßen verstärkte Elemente aneinander und bilden so eine stabile Schiene. Diese verteilt die Kraft, die zum Eindrücken des Stopfens nötig ist, auf den gesamten Daumen bis hinunter zur Handwurzel.

Die Werkzeuge entstehen individuell für jeden Benutzer. Dazu vermisst ein mobiler 3D-Hand-Scanner den Daumen des Mitarbeiters. Auf Basis der Grundkonstruktion wird anschließend die künftige Orthese exakt berechnet und virtuell in einzelne Schichten unterteilt. Schicht für Schicht – jede etwa so dick wie ein menschliches Haar – wird das Werkzeug schließlich mittels selektives Lasersintern hergestellt.

In ersten Praxistests haben die Mitarbeiter die Orthesen sehr positiv beurteilt. Aktuell prüft der Autohersteller, wie sich die Hilfsmittel flächendeckend im Produktionsalltag einsetzen lassen.

(dl)