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Für die Premiere hatte der Kunststoffverarbeiter hochkarätige Experten als Referenten gewinnen können und stieß mit über 80 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden auf großes Interesse mit dieser neuen Veranstaltung. Das Unternehmen selbst stellt Platten, U- und Hohlprofile sowie Schweißdraht aus thermoplastischen Kunststoffen her, die im chemischen Behälter- und Anlagenbau Anwendung finden.

„Neben der ständigen Weiterentwicklung der Werkstoffe selbst, werden auch die zugrunde liegenden Regelwerke und Richtlinien für die Verarbeitung der Kunststoffe und die Dimensionierung und Konstruktion der Behälter und Anlagen stetig angepasst und erweitert. Mit dem Expertenforum möchten wir über aktuelle Entwicklungen informieren und eine Diskussion zwischen den Teilnehmern anregen“, erklärte Thomas Schüer, Key Industry Manager bei Röchling für die Branche Chemie und Umwelt.

Berechnung von Behältern nach DVS 2205
Nach einem Grußwort von Ludger Bartels, Geschäftsführer der Röchling-Gruppe, Mannheim, präsentierte Schüer in seinem Beitrag das Behälterberechnungsprogramm RITA3. Die von Röchling in Zusammenarbeit mit dem TÜV Nord entwickelte Software ermöglicht die einfache Berechnung von rechteckigen und runden Behältern aus thermoplastischen Kunststoffen gemäß der Richtlinie DVS 2205 vom Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren. Sie wird von Behälterbauern in mehr als 25 Ländern weltweit eingesetzt. Dabei ging Schüer auch auf Änderungen in der Richtlinie ein.

Signifikant höhere Spannungsrissbeständigkeit
Dr. Joachim Hessel von der Hessel Ingenieurtechnik, Roetgen, präsentierte neue Erkenntnisse zu Werkstoffen des Typs PE 100-RC, die über eine signifikant höhere Spannungsrissbeständigkeit verfügen als andere PE 100-Werkstoffe. Daneben ging er auf das Forschungsprojekt Polytank ein, das sich mit der zerstörungsfreien Überprüfung von Schweißverbindungen in Kunststoffbehältern mittels Ultraschall befasst. Die Hessel Ingenieurtechnik ist einer der Partner in diesem, durch die EU geförderten Projekt, das auch von Röchling Engineering Plastics unterstützt wird.

Finite-Elementmethode (FEM)
Dr.-Ing. Ingo Lukas, Inhaber des Ingenieurbüros für konstruktiven Ingenieurbau, Lohnsfeld, stellte ein Verfahren vor, wie Störstellen bei Verwendung der finiten Elementmethode (FEM) in Kunststoffbauteilen bewertet werden können, um eine wirtschaftliche Auslegung mit hinreichender Tragsicherheit zu ermöglichen. „Aus typischen Störstellen wie zum Beispiel Wanddickensprüngen, Einzellasten und oder Ecken resultieren bei der Anwendung der FEM zum Teil erhebliche Spannungsspitzen, die einer genaueren Betrachtung bedürfen“, erklärte Lukas. Anhand einiger praxisnaher Beispiele, wie einem Silo mit Trichterboden und einem Behälter mit Mannlochstutzen im Zylinder, beschrieb er anschaulich, wie eine Auswertung von Ergebnissen einer numerischen Simulation vorgenommen werden sollte.

Verarbeitungsfehler vermeiden
Sven Krüger von der TÜV Nord Systems, Hannover, referierte zur Vorgehensweise bei der Auslegung und Planung von Kunststoffbauteilen im Behälterbau. Dabei ging er auf die rechtlichen Anforderungen innerhalb Deutschlands ein. Anhand von Bildern aus der Praxis zeigte Krüger eindrucksvoll Schweiß- und Verarbeitungsfehler an Kunststoffbehältern auf und erklärte, wie diese vermieden werden können.

Den Abschluss bildete eine Betriebsbesichtigung bei der Röchling Engineering Plastics in Haren, bei der auf die Herstellung von Produkten für den Behälterbau eingegangen wurde. „Aufgrund der positiven Resonanz der Teilnehmer, planen wir die Veranstaltung zu wiederholen“, zog Thomas Schüer am Ende des Expertenforums ein positives Fazit.

(dw)