Der gesamte Flächenbedarf dieser automatisierten Fertigungseinheit beträgt ohne Förderband nur knapp 2 m². (Bild: Dr. Boy)

Der gesamte Flächenbedarf dieser automatisierten Fertigungseinheit beträgt ohne Förderband nur knapp 2 m². (Bild: Dr. Boy)

Die Spritzgießautomaten des mittelständischen Unternehmens Dr. Boy aus Neustadt-Fernthal besitzen eine kompakte Bauweise. So benötigt beispielsweise der räumlich kleinste Spritzgießautomat Boy XS mit 100 kN Schließkraft eine Aufstellfläche von nur 0,77 m². Selbst das größte Modell des Maschinenherstellers, die Boy 125 E mit 1.250 kN Schließkraft, benötigt lediglich 5,22 m² Platz. Grundlage dieser kompakten Bauweise ist das Zwei-Platten-Schließsystem, das in allen Spritzgießautomaten des Herstellers eingesetzt wird. Gegenüber den Drei-Platten-Maschinen bietet die extrem kurze Bauweise unterhalb der frei überstehenden Zwei-Platten-Schließeinheit Raum, um platzsparend Peripheriegeräte zu integrieren.

 

 

Von der Kavität in die Verpackung

Beispielsweise wurde bei einer Boy 35 E in Reinraumausführung der Verpackungsautomat direkt unterhalb der Zwei-Platten-Schließeinheit positioniert. Die spritzgegossenen Kunststoffteile werden nach dem Auswerfen aus dem Werkzeug direkt in Folienbeutel verpackt und auf ein darunter integriertes Z-Förderband abgelegt. Der gesamte Flächenbedarf dieser automatisierten Fertigungseinheit beträgt ohne Förderband nur knapp 2 m². Die Zwei-Platten-Schließeinheit agiert durch ihre geringen bewegten Massen dynamisch und energiesparend. Die Spritzgießautomaten des familiengeführten Herstellers besitzen durchweg eine sehr gute Energieklassifizierung nach Euromap 60.1, die bis zum Wert von 9+ heranreicht. Dieser Wert entspricht einem Energieverbrauch von 0,31 kWh/kg verarbeitetem Material.

Alfred Schiffer, Geschäftsführender Gesellschafter Dr. Boy, veranschaulicht die Unternehmensphilosophie an einem Beispiel aus den USA: „Wir haben dort einen langjährigen Kunden, in dessen Produktionshalle Hunderte von Boy 22 A und 25 E so eng nebeneinanderstehen, dass diese beispielweise beim Austausch durch neue Maschinen nur per Hallenkran aus der Produktionsfläche herausgehoben werden können. Dieser Betreiber, der im 24h-Dauerbetrieb millionenfach spezielle Deckel für Kunststoffbecher herstellt, hat seine wertvolle Produktionsfläche somit optimal ausgenutzt.“ Der Geschäftsführer berichtet außerdem, dass das Prinzip einer möglichst kleinen Maschinenaufstellfläche bereits bei der Konstruktion von neuen Spritzgießautomaten verfolgt wird, da eine maximale Kompaktheit der Maschine für den Kunststoffverarbeiter viele Vorteile bringt.

Flexibilität in der Produktion

„Je flexibler und einfacher eine Spritzgießmaschine in der Produktion ein- und umgesetzt werden kann, umso vorteilhafter für den Anwender“, so die Aussage von Martin Kaiser, Technischer Leiter bei Boy. Und damit meint er speziell die kleinsten Spritzgießautomaten Boy XS und XXS, die bereits ab Werk mit einem fahrbaren Untergestell erhältlich sind und dadurch völlig frei oder individuell auftragsbedingt eingesetzt und unterschiedlich positioniert werden können.

„Je flexibler und einfacher eine Spritzgießmaschine in der Produktion ein- und umgesetzt werden kann, umso vorteilhafter für den Anwender“, so Martin Kaiser.

Dies gilt auch für die kompakten 2C-Spritzaggregate, durch deren Anbau aus einer herkömmlichen Spritzgießmaschine schnell und unkompliziert eine Mehrkomponenten-Spritzgießmaschine wird.

Der Einsatz vieler kompakter Maschinen auf gleicher Fläche statt weniger, größerer Maschinen bietet noch einen weiteren Vorteil. Das Risiko eines (ungeliebten) Produktionsausfalls beim Einsatz einer Maschine wird durch den gleichzeitigen Betrieb von mehreren kompakteren Maschinen deutlich reduziert. Kostenintensive Maschinenstillstände können so vermieden werden.

Weniger ist mehr – kompakter ist ökonomischer

Das Konzept, möglichst viele Spritzgießmaschinen pro Fertigungshalle einzusetzen, wird in zahlreichen Großunternehmen praktiziert. Ob es die Produktion von Spielfiguren eines weltweit bekannten Herstellers aus Franken ist, das zuvor genannte Beispiel eines amerikanischen Konzerns oder auch für die vielen mittelständischen Betriebe der Kunststoffbranche beim Herstellen von Medizinprodukten, technischen Teilen oder Verpackungsartikeln – für alle gilt: Je mehr Produktionsmaschinen pro Fertigungsfläche eingesetzt werden können, umso kostengünstiger wird die Produktion und der Teilepreis spritzgegossener Kunststoffteile.

 

Über den Autor

Thomas Breiden

leitet das Marketing von Dr. Boy in Neustadt-Fernthal.