Für die Versuchsreihe wurden Flaschen aus reinem PCR hergestellt (r.), sowie mit dem ReCo3-Verfahren, die innen und außen eine Schicht aus Neuware besitzen. (Bild: W. Müller)

Für die Versuchsreihe wurden Flaschen aus reinem PCR hergestellt (r.), sowie mit dem ReCo3-Verfahren, die innen und außen eine Schicht aus Neuware besitzen. (Bild: W. Müller)

W. Müller verfügt über langjährige Erfahrung beim Einsatz von PCR zum Herstellen von Hohlkörpern im Blasformverfahren. Mit dem hauseigenen 3-Schicht-Co-Extrusionssystem ReCo3 werden Flaschen hergestellt, die aus einer PCR-Schicht bestehen, die innen und außen von einer Schicht Neuware überzogen ist. Auf diese Weise wird Neuware durch PCR ersetzt und die unerwünschte Migration aus dem PCR reduziert.

Vergleichende Untersuchungen

Im Querschnitt durch eine mit ReCo3 hergestellte Flasche werden die beiden Neuware-Schichten, sowie die eingebettete PCR-Schicht sichtbar. (Bild: W. Müller)

Im Querschnitt durch eine mit ReCo3 hergestellte Flasche werden die beiden Neuware-Schichten, sowie die eingebettete PCR-Schicht sichtbar. (Bild: W. Müller)

Das Unternehmen hat testen lassen, wie sich das Migrationsverhalten von Rundflaschen mit einem Volumen von 1 l aus 100 % Rezyklat von solchen unterscheiden, die mit dem ReCo3-Verfahren hergestellt wurden. Dafür wurden zwei zertifizierte PCR-Typen ausgewählt (eines davon war Recylen BM 948-30 von OPG Holding, Teningen) und daraus jeweils Flaschen aus dem reinen Material sowie mit Neuwareüberzug produziert.

Am SGS Institut Fresenius, Taunusstein, wurden unterschiedliche Migrationsprüfungen, wie Globalmigration und Screening auf potenziell migrierfähige Verunreinigungen, Reaktions- und Abbauprodukte (engl.: non-intentionally added substances (NIAS)) durchgeführt. Die Globalmigration wurde nach DIN EN 1186 2002-07 getestet und die Ergebnisse lagen bei allen durchgeführten Tests unter der gesetzlichen Anforderung der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 von 10 mg/dm². Dies zeigte sich auch in einer deutlichen Reduktion der Anzahl und Konzentration der migrationsfähigen NIAS im Vergleich zu den Flaschen aus reinem Rezyklat.

Die beiden Flaschen für die zweite Versuchsreihe bestehen komplett aus PCR. Die Flasche rechts wurde innen mit einer CHF-Barrierebeschichtung von Delta Engineering versehen. (Bild: W. Müller)

Die beiden Flaschen für die zweite Versuchsreihe bestehen komplett aus PCR. Die Flasche rechts wurde innen mit einer CHF-Barrierebeschichtung von Delta Engineering versehen. (Bild: W. Müller)

Um den Rezyklatanteil in solchen Drei-Schicht-Systemen zu erhöhen, müssen die umgebenden Schichten möglichst dünn sowie stabil und undurchlässig sein. Neben genannten Schichten aus Kunststoff kommen daher auch Plasmabeschichtungen als Barriereschichten in Frage. In einer zweiten Versuchsreihe wurde bei der Fabes Forschungs-GmbH, München, untersucht, wie sich eine von dem belgischen Unternehmen Delta Engineering auf der Innenseite aufgebrachte CHF-Schicht (CHF steht dabei für Kohlenstoff – C, Wasserstoff – H und Fluor – F) auf das Migrationsverhalten auswirkt. Mit Hilfe von Plasma wird bei diesem Verfahren eine Barriere erzeugt.

PCR vom Grünen Punkt

Die verwendeten Flaschen wurden aus Systalen 70000 na 002 HDPE vom Grünen Punkt hergestellt. Die Versuche ergaben, dass die Beschichtung die Migration drastisch reduziert. Während an der unbeschichteten Flasche 76 Substanzen festgestellt wurden, waren es bei der mit CHF-Beschichtung nur noch 5. Da für die CHF-Beschichtung Fluor verwendet wird, wurden zusätzliche Tests mit der beschichteten Flasche durchgeführt, um sicherzustellen, dass sich keine Rückstände gebildet haben. Im Ergebnis waren dabei keine Stoffe feststellbar. Die Flaschen sind somit ebenfalls konform für den direkten Kontakt mit Rinse-Off-Produkten wie Duschgel.

Die beteiligten Forschungsinstitute weisen darauf hin, dass Anwender jeweils eigene Risikobewertungen vornehmen müssen, denn die Ergebnisse sind beispielsweise von der Flaschengröße und dem Verwendungszweck abhängig, und die Ausgangstoffe könnten sich von Batch zu Batch ändern. (sf)