Bilanz für 2020

2020 ging der Umsatz der Kunststoffverarbeiter um 5,6 % auf 61,5 Mrd. Euro zurück, womit man beinahe auf den Stand des Jahres 2016 zurückgeworfen wurde. In den beiden Vorjahren 2019 und 2018 lag man noch über 65 Mrd. Euro. Die Exportumsätze sanken etwas stärker als die inländischen. Zwei Faktoren haben lt. GKV dazu beigetragen: Einmal die pandemiebedingten Unterbrechungen von Lieferketten und Produktionsprozessen, andererseits sinkende Nachfrage aufgrund des Lockdowns. Die verarbeitete Menge sank mit -2,8 % weniger stark zurück als der Umsatz, die Preise sind gesunken. Die Zahl der Betriebe über der Schwelle von 20 Beschäftigten lag um 0,7 % niedriger, die Beschäftigung ging um 4,1 % zurück.

Umsatzverteilung nach Abnehmerbereichen

Anhand feiner gegliederten Branchendaten der amtlichen Statistik versucht der GKV eine Aufschlüsselung der Umsätze nach Abnehmerbereichen, eine grobe aber trotzdem aufschlussreiche Aufschlüsselung. Demnach ist seit der Pandemie der Bau mit 33,4 % ein noch größerer Kunde als je zuvor – ganz ohne eigenes Zutun, weil einfach die anderen Bereiche viel stärker geschrumpft sind. Technische Teile leiden am meisten, fast 12 % Minus. Auch Konsumprodukte sind stark geschrumpft, um knapp neun Prozent. Der Verpackungsbereich hat am wenigsten gelitten, vor allem bedingt durch Rückgänge bei Industrieverpackungen. Online-Käufe treiben die Nachfrage nach Verpackungen und gleichen Rückgänge aus.

Umsatzentwicklung der Betriebe

Etwa 150 Unternehmen antworten regelmäßig auf die Mitgliederbefragung des GKV. Für 2020 meldeten nur noch 26 Prozent gestiegene Umsätze, zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, aber immerhin fast dreimal so viele wie in der Krise 2009. Die Zahl der Betriebe mit gleichbleibenden Umsätzen liegt geringfügig niedriger als im Vorjahr. Hingegen berichtet mit 55 % mehr als die Hälfe von sinkenden Umsätzen, 12 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Man kann das Glas pessimistisch als halb leer oder optimistisch als halb voll betrachten: Immerhin beinahe die Hälfte konnte ihr Geschäft halten oder sogar steigern. Uns überraschen diese Ergebnisse. Instinktiv hätte man vermutet, dass weit mehr Betriebe sinkende Umsätze zu verzeichnen hätten.

Geschäftserwartungen und Geschäftsentwicklung

Für 2020 rechneten 38 % der Betriebe mit Umsatzsteigerungen, acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Tatsächlich konnten aber nur 26 % Zuwächse realisieren. Ebenfalls 38 % setzten auf gleichbleibendes Geschäft. Am Ende lag der Anteil nur halb so hoch. Pessimistisch waren immerhin 24 %, im Gegensatz zum Vorjahr als es nur vierzehn Prozent waren, aber dann mehr als dreimal so viele sinkende Umsätze erlitten. Gewöhnlich führt eine solche Situation wie 2019 dazu, dass man skeptisch in die Zukunft blickt, der nur geringe Anstieg des Pessimismus war daher ungewöhnlich, aber speiste sich vor allem aus der Hoffnung auf ein besseres 2020, welche ja durchaus aussichtsreich startete, wie wir im vorigen PV erläutert haben.

Gespaltene Erwartungen für 2021

Bei den Umsatzerwartungen für 2021 sehen wir deutliche Unterschiede. Mehr als die Hälfte der Betriebe erwarten für 2021 steigende Umsätze. Was nicht weiter verwundert, denn man hofft auf ein Ende der Pandemie und eine Normalisierung des Geschäfts. Aber fast exakt ein Drittel befürchtet erstmals oder weiter sinkende Umsätze. Mit anderen Worten: Es gibt eine stark pessimistisch gestimmte Fraktion. Worauf sich dieser Pessimismus gründet, wurde leider nicht erhoben beziehungsweise berichtet. Enttäuschte Erwartungen wie für 2020 stärken gewöhnlich den Pessimismus, aber 2020 war ja kein normales Jahr, sondern der Einbruch wurde durch die Pandemie verursacht. 16 % der Betriebe erwarten gleichbleibende Umsätze.

 

 

 

Über den Autor

Winfried Pfenning

ist freier Mitarbeiter des Plastverarbeiter.