Im EU Projekt Sweetwoods wurde der erste Meilensteine erreicht. In einer 
Bioraffinerie wird durch einen neuartigen Fraktionierungsprozess nachhaltige Laubholz-Biomasse in hochreines Lignin und Holzzucker verwandelt. Der Rohstoff könnte als Basis für den Biokunststoff Flüssigholz dienen. (Bild: Sweetwoods).

Im EU Projekt Sweetwoods wurde der erste Meilensteine erreicht. In einer
Bioraffinerie wird durch einen neuartigen Fraktionierungsprozess nachhaltige Laubholz-Biomasse in hochreines Lignin und Holzzucker verwandelt. Der Rohstoff könnte als Basis für den Biokunststoff Flüssigholz dienen. (Bild: Sweetwoods).

Im Rahmen des von Bio-Based Industries Joint Undertaking (BBI JU) geförderten Sweetwoods-Projektes zur Holzverwertung können ab sofort sowohl hochreines, natives Lignin als auch Holzzucker im Tonnenmaßstab geliefert werden. Der führende Partner des Projekts, Graanul Biotech, hat mitgeteilt, dass die Bauarbeiten der ersten Phase der Bioraffinerie im Jahr 2020 abgeschlossen wurden und der Bau der zweiten Phase begonnen hat. In dieser werden Hydrolyse, Trennverfahren und Lignintrocknung etabliert. Graanul Biotech schätzt, dass eine industrielle Belieferung mit neuartigem Lignin und Zucker im letzten Quartal 2022 möglich sein wird.

Laubholz liefert Liginin-Basis für Biokunststfoff

Die Demoanlage zur Fraktionierung nutzt nachhaltige Laubholz-Biomasse. Damit soll aufgezeigt werden, wie im industriellen Maßstab durch eine neue Vorbehandlungstechnologie in Kombination mit innovativen enzymatischen Lösungen hochwertiges Lignin und Holzzucker geliefert werden können. Diese Technologie wandelt über 90 Prozent des Laubholzes in nutzbare, hochwertige Rohstoffe für Biomaterialien und Biochemikalien um. Das ermöglicht es, eine neue biobasierte Wertschöpfungsketten mit einem geringen ökologischen Fußabdruck aufzubauen.

Der gesamte Fraktionierungsprozess muss noch im großen Maßstab erprobt werden, aber erste Leistungstests haben vielversprechende Ergebnisse erbracht, die die erwartete hohe Reinheit von Lignin und Zucker aufzeigen. „Das bedeutet, dass wir eine kurzfristige Realisierung der Versorgung mit nachhaltigen Rohstoffen für verschiedene Biomaterialien und die Produktion von Biochemikalien geschaffen haben, um industrieverändernde neue Wertschöpfungsketten zu schaffen, in denen Holz als nachhaltiger Rohstoff eine entscheidende Rolle spielt“, sagte Dr. Peep Pitk, F&E-Manager von Graanul Biotech.

Lignin als zuckerbasierte Plattformchemikalien etablieren

Tecnaro F&E-Leiter Dr. Michael Schweizer erforscht im EU Projekt Sweetwoods hochreine Pflanzenrohstoffe Lignin und Holzzucker für neue Biokunststoffgranulate.  (Bild: Tecnaro)

Tecnaro F&E-Leiter Dr. Michael Schweizer erforscht im EU Projekt Sweetwoods hochreine Pflanzenrohstoffe Lignin und Holzzucker für neue Biokunststoffgranulate. (Bild: Tecnaro)

Eines der Ziele des Projekts ist es, Märkte für Lignin und zuckerbasierte Plattformchemikalien zu etablieren. Der Konsortialpartner Tecnaro, der thermoplastische Werkstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt und herstellt, bestätigt, dass hochreines Lignin aus dem Sweetwoods-Projekt als Ersatz für konventionelles Lignin in der Biocomposite-Produktion eingesetzt werden kann. Eine verbesserte Produktqualität konnte nachgewiesen werden, außerdem weisen die entwickelten Werkstoffe keinen Geruch mehr auf.

Das Konsortiumsmitglied Recticel evaluiert derzeit im Labormaßstab, welche (depolymerisierten) Lignintypen sich am besten für die Einarbeitung in Hartschaum für Dämmplatten eignen. Die am besten geeigneten Kandidaten werden weiter hochskaliert und im halbindustriellen Maßstab untersucht. Ein weiterer Konsortialpartner, Global Bioenergies, hat die Produktion von Bio-Isobuten aus Restholzzucker im Tonnenmaßstab erfolgreich hochskaliert. Auch bei der Kommerzialisierung von erneuerbaren Kosmetika kommt das Unternehmen mit der ersten EU-Zulassung eines wichtigen Kosmetikinhaltsstoffs aus fermentativem Isobuten sehr gut voran.

Das vereint folgende Partner: Graanul Biotech (Koordinator), Estland; Tecnaro, Deutschland; Global Bioenergies, Frankreich; Ultima / Armacel, Deutschland; Recticel, Belgien; Metgen, Finnland; 2B, Italien. (ega)