Eckdaten der Prognose für die Jahre 2020 bis 2022. (Bildquelle: Ifo Institut)

Eckdaten der Prognose für die Jahre 2020 bis 2022. (Bildquelle: Ifo Institut)

„Wegen des neuerlichen Shutdowns bei uns und in anderen Ländern verschiebt sich die Erholung nach hinten. Erst Ende 2021 wird die Produktion von Waren und Dienstleitungen ihr Vorkrisenniveau erreichen“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Das laufende Jahr dürfte als Folge des Shutdowns mit einem abermaligen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts enden.“

Insgesamt erwartet das Institut, dass die Wirtschaftsleistung des Jahres 2020 um 5,1 Prozent geschrumpft sein dürfte. Zuvor hatten die Forscher minus 5,2 Prozent angenommen. Für die Prognose wurde unterstellt, dass die seit November geltenden Infektionsschutzmaßnahmen unverändert bis März 2021 in Kraft bleiben. Ab April werden dann die bestehenden Infektionsschutzmaßnahmen allmählich gelockert und bis zum Sommer vollständig aufgehoben. Nicht berücksichtigt wurde in der Prognose die am vergangenen Sonntag beschlossene Schließung von Teilen des Einzelhandels.

Schwankende Arbeitslosenzahl

Unter diesen Annahmen wird die Zahl der Arbeitslosen von 2,3 Mio. im Jahr 2019 auf 2,7 Millionen im Jahr 2020 steigen und im kommenden Jahr stabil bleiben. Im Jahr 2022 rechnet das Ifo Institut dann mit einem Rückgang auf 2,5 Mio. Personen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Erwerbstätigen von 45,3 Mio. im Jahr 2019 auf 44,8 Mio. Im kommenden Jahr steigt sie wieder auf 44,9 Mio. Und soll im Jahr 2022 auf 45,3 Mio. steigen.

Steigerung von Importen

Die Exporte werden nach minus 9,7 Prozent im Jahr 2020 im kommenden Jahr um 8,8 Prozent und im Jahr 2022 um 6,1 Prozent wachsen. Die Importe werden nach minus 8,7 Prozent dann im Jahr 2021 um 6,8 Prozent und im Jahr 2022 sogar um 7,1 Prozent steigen. Damit nimmt der viel kritisierte Überschuss der Leistungsbilanz – Exporte, Importe, Dienstleistungen, Übertragungen – von 235,2 Mrd. EUR im Jahr 2020 auf 281,1 Mrd. EUR im Jahr 2022 zu. Das Loch in der Staatskasse schrumpft von 160,5 Mrd. EUR in diesem Jahr auf 133,0 Mrd. EUR im kommenden Jahr und auf 84,3 Milliarden im Jahr 2022.

Teilschließung des Einzelhandels: Rückgang des Bruttoinlandsprodukts

Das Schließen des stationären Nichtlebensmittel-Einzelhandels zwischen dem 16. Dezember 2020 und dem 10. Januar 2021 wird den Konjunktureinbruch am Ende dieses Jahres verstärken. Dabei fällt ins Gewicht, dass der Dezember der umsatzstärkste Monat im Einzelhandel ist. In ihm werden knapp 10 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Online-Handel einen bedeutenden Teil der Umsatzausfälle kompensieren dürfte. Schätzungen des Ifo Instituts zufolge liegt der mit der Teilschließung des Einzelhandels verbundene Wertschöpfungsverlust im vierten Quartal bei 1,15 Mrd. EUR und im ersten bei 0,55 Mrd. EUR. Dies würde den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2020 um 0,15. (jhn)