In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Unternehmenszahlen der Quartale im Vergleich zu den Vorjahresquartalen verbessert sagt Dr. Martin Füllenbach, Vorstandsvorsitzender der Semperit Holding. (Bildquelle: Semperit)

Dr. Martin Füllenbach, Vorstandsvorsitzender der Semperit Holding. (Bildquelle: Semperit)

Semperit hat das von einer absoluten Ausnahmesituation geprägte Jahr 2020 bisher höchst erfolgreich bewältigt: Dies wurde unter anderem in der dreimaligen Verbesserung der Ergebnisprognose und unserem Plan, das Hybridkapital innerhalb der nächsten sechs Monate zurückzuführen, sichtbar“, sagt Dr. Martin Füllenbach, CEO der Semperit  Holding. „Selbst wenn in absehbarer Zeit eine breitenwirksame Impfung gegen CoViD-19 zur Verfügung stehen sollte, werden wir bis weit in das Jahr 2021 hinein pandemiebedingt positive Effekte aus dem Medizingeschäft sehen: In Summe gehen wir daher aus heutiger Sicht in unseren Planungen davon aus, dass wir das Ergebnis 2020 im kommenden Jahr in der Größenordnung halten beziehungsweise nochmals übertreffen können.“

Langsame Erholung der Märkte erwartet

Auch wenn nach der Lockerung der Produktionsstopps in vielen Ländern und der Beeinträchtigung des öffentlichen Lebens zwischen Juni und September eine kurzzeitige Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten und Lieferketten einsetzte, gab es doch immer wieder Rückschläge und stellenweise neue Shutdowns aufgrund regionaler Corona-Cluster. Im Umfeld der neuerlichen Zuspitzung der Krise im 4. Quartal wird sich die Erholung der Märkte bei steigenden Rohstoffpreisen noch länger hinziehen. Die Preise von Basisrohstoffen, die für Semperit relevant sind, sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Die marktrelevanten externen Faktoren sollen das Geschäft der Gruppe weiter beeinflussen.

Gegenläufige Umsatzentwicklung in den Sektoren Industrie und Medizin

(Bildequelle: Semperit)

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gruppe sind in den Sektoren Industrie und Medizin gegenläufig. (Bildequelle: Semperit)

Die Ergebnisse des Sektors Industrie werden seit 1. Januar 2020 in der neuen Struktur berichtet. Die Gruppe verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2020 einen leichten Umsatzanstieg von 0,8Prozent auf 657,2 Mio. EUR im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gruppe waren in den Sektoren Industrie und Medizin erneut gegenläufig: im Sektor Industrie ging der Umsatz um 13,4 Prozent zurück; der Sektor Medizin konnte hingegen eine Steigerung von 27,5 Prozent verzeichnen.

Rekordergebnis bei hoher Liquidität

Das Ebitda hat sich in den ersten drei Quartalen von 60,4 Mio. EUR im vergangenen Jahr auf 118,5 Mio. EUR im 2020 nahezu verdoppelt. Das ist insbesondere auf das gute Ergebnis des Sektors Medizin zurückzuführen. Die Ebitda-Marge stieg entsprechend von 9,3 Prozent auf 18,0 Prozent. Im Vergleich zu dem um die Rückstellungsauflösung iHv 4,0 Mio. EUR bereinigten Ebitda in den ersten drei Quartalen 2019 von 56,4 Mio. EUR war das Ebitda im gleichen Zeitraum 2020 mehr als doppelt so hoch.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie in einer Phase der globalen Konjunkturabschwächung machte es Ende des zweiten Quartals erforderlich, sämtliche Segmente der Semperit-Gruppe auf das Vorliegen von beobachtbaren Anhaltspunkten für eine Wertveränderung des Segmentvermögens zu untersuchen. Für die Segmente Sempermed und Sempertrans führte diese Untersuchung zu einem Wertaufholungs- (von 86,7 Mio. EUR) und Wertminderungsbedarf (von –19,9 Mio. EUR), die bereits zum Halbjahr erfasst wurden. Das Ebit verbesserte sich auf 159,5 Mio. EUR in den ersten drei Quartalen 2020 gegenüber –13,7 Mio. EUR in den ersten drei Quartalen 2019. Die Ebit-Marge stieg von –2,1 Prozent auf 24,3 Prozent. Das um die Wertberichtigungen bereinigte Ebit lag bei 92,6 Mio. EUR und damit mehr als dreimal so hoch wie in den ersten drei Quartalen 2019. Die bereinigte Ebit-Marge erreichte mit 14,1 Prozent ebenfalls das rund Dreifache des Wertes der Vergleichsperiode.

Die zahlungswirksamen Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte lagen in den ersten drei Quartalen mit 17,4 Mio. EUR unter dem Vorjahresniveau von 25,1 Mio. EUR. Die liquiden Mittel lagen per 30. September 2020 bei 157,3 Mio. EUR und damit über dem Niveau per Jahresende 2019 von 141,4 Mio. EUR. Der Anstieg resultierte aus der höheren Profitabilität – vor allem im Segment Sempermed.

Ausblick

Die rezessive Wirtschaftsentwicklung und die Effekte der Corona-Krise führen zu gegenläufigen Entwicklungen in den Sektoren Industrie und Medizin. Die strategische Grundsatzentscheidung vom 28. Januar 2020 bleibt weiterhin aufrecht: Semperit will künftig das Geschäftsfeld Industriegummi fokussieren und sich vom Medizingeschäft trennen. Angesichts der äußerst positiven Ergebnisbeiträge und der hohen Margen, die derzeit aus der Sonderkonjunktur resultieren, wiill die Gruppe das Medizingeschäft allerdings voraussichtlich bis mindestens Mitte 2021 weiterführen.

Der Sektor Industrie wurde von der globalen Rezession getroffen. Die Ergebnisse des Sektors Industrie im laufenden Geschäftsjahr werden daher erkennbar unter dem Vorjahresniveau liegen. Die Gruppe geht davon aus, dass sein Ebitda auf Gesamtjahres-Sicht bei 200,0 bis 225,0 Mio. EUR und damit deutlich über dem Wert des Vorjahres liegen wird. Demnach wird für das Ebit im Gesamtjahr 2020 zwischen 230,0 und 255,0 Mio. EUR erwartet. Die Sonderkonjunktur im Sektor Medizin hatte in den ersten drei Quartalen positive Effekte auf die Liquidität der Semperit-Gruppe. Daher plant der Vorstand der Semperit Holding, das durch den Kernaktionär B & C Holding Österreich zur Verfügung gestellte Hybridkapital innerhalb der nächsten sechs Monate zurückzuführen. (jhn)