Igor Konstantinov, Growth & Business Development Manager bei Circularise

Igor Konstantinov, Growth & Business Development Manager bei Circularise

Bereits heute besteht meist die Pflicht zur Rückverfolgbarkeit von Wertstoffen, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Was sind die nächsten Schritte für den Circularise-Blockchain- Ansatz?

Igor Konstantinov, Marketing & Business Development, Circularaise : Die Rückverfolgbarkeit der Materialien in der Automobilindustrie unterscheiden sich je nach Anwendungsbeispiel. Während die Angabe von Gefahrstoffen in Produkten manchmal gesetzlich vorgeschrieben ist, sind die meisten anderen Materialien jedoch grundsätzlich nicht rückverfolgbar. Im Normalfall ist es, aufgrund der unzureichenden Transparenz in Warenketten nicht möglich diese nachzuverfolgen. Deloitte bestätigt, mehr als 65% der Einkäufer haben einen eingeschränkten oder gar keinen Einblick in die Warenketten vor ihren direkten Zulieferern. In der Automobilindustrie ist die Warenkette für die meisten Bauteile mindestens vier Zulieferer lang und macht es damit deutlich schwieriger die relevanten Informationen zu bekommen. Dies ist genau das Problem welches Circularise versucht zu lösen. Wir wollen Automobilkonzerne und deren Kunden Zugang zu diesen relevanten Informationen ermöglichen. Dies beginnt mit Informationen zum Ursprung der Materialien und reicht bis zu  Nachhaltigkeitszertifizierungen. Gleichzeitig befähigen wir Material Produzenten Informationen über ihre Produkte weiterzugeben und damit deren Wert zu steigern und Vertrauen in ihre Produktionsprozesse zu stärken. In den kommenden Monaten rufen wir Konzerne und Zulieferer welche Nachhaltigkeit als Kern ihrer Strategie sehen, auf sich unserer Initiative für mehr Transparenz anzuschliessen.

 

Welche konkreten Daten zu Plastik werden erhoben?

Igor Konstantinov: Momentan nutzen wir Daten aus den Life Cycle Assessments (LCA) und aussenstehende Prüfer. Dies beinhaltet auch die Daten zu CO2 Emissionen und Wassereinsparungen sowie Ursprungsland.

 

Für den Einsatz von Rezyklate gibt es noch stets zu wenige verlässliche Spezifikationen bzw. DIN Normen. Sind Sie an der aktuellen Gestaltung dieser Vereinheitlichungen beteiligt?

Igor Konstantinov: Wir sind nicht direkt involviert in die Vereinheitlichung, da unser Fokus auf dem Aufbau eines Informationskanals liegt, welcher es der Wirtschaft ermöglicht transparent zu sein ohne die Datensicherheit oder Verschwiegenheit zu kompromittieren. Der Datentyp sowie Spezifizierung und Datenformate werden hierbei von der Automobilbranche selbst festgelegt. Wir arbeiten mit einer Vielzahl von Organisationen aus dem Themenbereich Elektroschrott sowie mit verschiedenen Akteuren entlang der Plastikwaren Kette um gemeinsam eine Plattform Aufzubauen und die Plastik Recycling Aktivitäten in Europa nachzuverfolgen.

 

Im dem Projekt mit Porsche geht es auch darum, „Nachhaltigkeitspunkte“ zu sammeln, für den Hersteller und für den Kunden. Wer legt dafür die Standards fest und wie sollen diese festgelegt werden? 

Igor Konstantinov: Das Sammelsystem von „Nachhaltigkeitspunkten“ wurde in Kooperation mit Porsche entwickelt, mit dem Ziel Kunden zu motivieren nachhaltiger zu agieren. Es ist ein experimentelles Zusatzprogramm von Porsche und nicht angesetzt ein Industriestandard zu werden.

 

Wie werden Datenschutz und der Schutz von Informationen die den Wettbewerbsvorteil garantieren sichergestellt?

Igor Konstantinov: Das ist eine ausgezeichnete Frage. Abgesehen von der Nachverfolgbarkeit der Materialien und dem einzigartigen Identifikator für jedes Produkt, ist die Datenschutz und Anonymität der Akteure das Herzstück von Circularise. Das Circularise Protokoll ist speziell dafür entwickelt Firmen die Kommunikation von relevanter Information über ihre Warenkette, Produkte und Materialien zu ermöglichen ohne dabei sensible Daten weiterzugeben oder die eigene Datenschutz zu riskieren. Dies wird durch das vorregistrierten Patenttechnologie „Smart Questioning“ ermöglicht.

 

Für Porsche geht es darum, dem Kunden die Nachhaltigkeit seiner Produkte offen zu legen. Welche Vorteile bietet dies Zulieferern und Kunststoff Anbietern?

Igor Konstantinov: Abhängig von der Position der Akteure entlang der Wertschöpfungskette, ergeben sich unterschiedliche Vorteile. Unsere Partner formulieren das wie folgt. Für Zulieferer, Verarbeiter und Giesser bedeutet die Teilnahme an ‚Circularise PLASTICS‘ einen erhöhten Materialwert, sowie mehr Vertrauen in die eigenen Produktionsprozesse anhand der digitalen Materialzertifizierung für Plastikgranulat, Additive, Farben und andere Materialien,  erklärt Dr. Burkhard Zimmermann, Head of Strategy, Sustainability and Digital, Covestro Polycarbonates. Für OEMs und Markeninhaber ermögliche ‚Circularise PLASTIC‘ das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen und eine gestärkten Markenimage durch die Offenlegung der Herkunft des Produkts und Transparenz bezüglich dessen Umwelteinflusses. Thomas Nuyts, Director of Global Product Management at DOMO sieht den Wert darin liegen, dass dieser Standard durch die Industrie anstelle von nur zwei Firmen entwickelt wird, und dass dadurch zentralisierte Institutionen vermieden werden und stattdessen alle Teilnehmer gleiche Rechte haben. Circularise PLASTICS‘ entwickele ein Datenkommunikations Protokoll mit Datenschutz als Herzstück. Nuyts meint, dass dies eine intelligente Strategie ist, die Sorgen bezüglich des Datenschutzes, die oft der Grund ist warum Firmen nicht transparenter werden,aus dem Weg zu räumen.

 

Welche Voraussetzungen müssen von den Akteuren entlang der Lieferkette geschaffen werden, damit schließlich bei Porsche die entsprechende Informationen zusammenlaufen können?

Igor Konstantinov: Die Datensammlung muss standardisiert verlaufen um Porsche zu ermöglichen die Informationen die durch Circulaire kombiniert werden in seiner App nutzbar zu machen.

Dr. Etwina Gandert

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert

ist Redakteurin Plastverarbeiter.

etwina.gandert@huethig.de