Prof. Dr. Thomas Seul, Präsident des VDWF, eröffnete das Werkezugbauforum 2020. (Bildquelle: VDWF)

Prof. Dr. Thomas Seul, Präsident des VDWF, eröffnete das Praxisforum Werkzeugbau 2020. (Bildquelle: VDWF)

In seinem Einführungsvortrag unterstrich Professor Thomas Seul, Präsident des VDWF und Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Hochschule Schmalkalden, dass Werkzeugmacher stets ein Auge auf die Produktneuentwicklung haben sollten. „In 10 Jahren werden etwa 80 Prozent des Umsatzes mit heute unbekannten oder nicht vorhandenen Erzeugnissen erwirtschaftet“, zitierte Seul eine Studie und ergänzte: „Wir Werkzeugmacher geben diesen Produkten ihre Form – deshalb müssen sich die Fertigungsverfahren diesen zukünftigen Erzeugnissen anpassen.“ Danach appellierte er an die Unternehmen der Branche, sich für die Road of Tooling Innovation der Moulding Expo 2021 zu bewerben, um ihre herausragende Qualität in Aktion zu zeigen.

Im Anschluss präsentierte Dr. Tobias Hensen, Geschäftsführer der WBA, in seinem Referat „Best of Benchmark – Defizite erkennen und Potenziale heben“ unter anderem beispielhafte Ergebnisse aus einem Senkerodier-Benchmarking. „Wagen Sie den Blick über das eigene Unternehmen hinaus“, so Hensens eindringliche Aufforderung, „und vergleichen Sie die Kennzahlen, um sich für die Zukunft ideal aufzustellen.“ Nur durch eine direkte Gegenüberstellung könne die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens ermittelt werden.

Moskau sei per Flugzeug näher als mancher Ort in Deutschland, der nur mit dem Auto zu erreichen sei, so Michael Klink, geschäftsführender Gesellschafter µ-Tec, Chemnitz. (Bildquelle: VDWF)

Moskau sei per Flugzeug näher als mancher Ort in Deutschland, der nur mit dem Auto zu erreichen sei, so Michael Klink, geschäftsführender Gesellschafter µ-Tec, Chemnitz. (Bildquelle: VDWF)

Einen Input in Sachen Internationalisierung gab Michael Klink, Geschäftsführender Gesellschafter von μ-Tec aus Chemnitz. Er lieferte den Erfahrungsbericht eines Erstausstellers auf der Interplastica in Moskau. Moskau sei per Flugzeug „näher“ als mancher Ort in Deutschland, der nur per Auto zu erreichen sei – außerdem genössen das Label „Made in Germany“ und die Deutschen in Russland ein hohes Ansehen, erklärte Klink. μ-Tec habe auf der Interplastica außergewöhnlich viele Kontakte geschlossen. Im Weiteren seien dann persönliche Beziehungen, die Beherrschung der Landessprache und Beharrlichkeit wichtig, um in Russland Geschäftsabschlüsse zu tätigen.

Konkrete Impulse: Klimaschonende Produktion, vergleichende Messungen, aktuelle Trends im Werkzeugbau

Viel Beachtung fand der Vortrag „Werkzeugbau im Klimawandel“ von Henning Köllner, Geschäftsführender Gesellschafter von Gezea in Eisenach-Stedtfeld. Er erläuterte, wie er aus Überzeugung sein Unternehmen auf eine deutlich klimaschonendere Produktion umstellte und damit betriebswirtschaftliche Vorteile erzielt. Die Maßnahmen würden den fossilen Energieanteil um mehr als ein Drittel reduzieren und Einsparungen von 2 Prozent des Umsatzes ermöglichen.

Dr. Claus Hornig, Vorstandssprecher Marktspiegel Werkzeugbau, erinnerte zu Beginn seines Beitrags an die Zielsetzung der genossenschaftlich organisierten Initiative – die Messung der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, um der Branche Orientierung zu geben. Fazit der von Hornig vorgestellten Zahlen: Für viele Unternehmen, die heute kämpfen, begann die Krise eigentlich schon 2019, also vor Corona. Deshalb sollten Betriebe gerade die Krisenzeit für Benchmarking nutzen, um Potenziale auszumachen.

Der Vortrag „Wirtschaftliche und technische Herausforderungen an Spritzgusswerkzeuge in der Zukunft der Automobilindustrie“ von Stephan Berz, Vizepräsident des Heißkanalherstellers HRSflow, beeindruckte durch vielfältige Einblicke in aktuelle Trends und hochdetaillierte Statistiken. Er thematisierte die anhaltende Dynamik der Automotive-Branche, die global gesehen 25 Prozent aller Werkzeuge benötigt – deren Beschaffung jedoch gerade von europäischen Herstellern immer mehr nach Asien ausgelagert wird.

Zukunftsthema Nachhaltigkeit

Am Ende der Veranstaltung zogen die Organisatoren von VDWF und WBA ein Resümee der Veranstaltung. „Viele Unternehmen haben die letzten Monate genutzt, um über sich selbst und dringliche Probleme nachzudenken“, sagte Prof. Thomas Seul. „Das Thema Umwelt wird dabei immer wichtiger.“ Er regte an, einen Benchmark Umweltbewusstsein in der Fertigung zu initiieren. „Die Lösung für kommende Aufgaben liegt in einem Konglomerat aus Technik, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Ich wünsche mir generell, dass wir nach vorn losmarschieren und Standards setzen, anstatt ihnen zu folgen.“ Für Dr. Tobias Hensen stand Umweltschutz ebenfalls im Fokus: „Man hat in den Vorträgen gesehen: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch, hier lassen sich Potenziale heben.“ Für Hensen gibt es keinen Grund mehr, Nein zu sagen. Im Gegenteil: „Zukünftig werden in Europa große Konzerne ihre Zulieferer unter Nachhaltigkeitsaspekten auditieren und Angebote annehmen. Es war gut zu sehen, dass die Teilnehmer unseres gemeinsamen Praxisforums hier auf dem richtigen Weg sind.“ Also sich bewegen in bewegten Zeiten – so lautete auch das Motto der Veranstaltung –, und die Werkzeugmacher machen’s vor!

Das nächste VDWF-WBA-Praxisforum haben die Veranstalter für den 28. September 2021 angekündigt, der Ort wird noch bekanntgegeben. (sf)