Pascal Klein (links), Gründer und CEO Pyrum Innovations und Dr. Christian Lach (rechts), Projektleiter ChemCycling bei BASF, vor der Reifenpyrolyseanlage von Pyrum. (Bildquelle: BASF)

Pascal Klein (links), Gründer und CEO Pyrum Innovations und Dr. Christian Lach (rechts), Projektleiter ChemCycling bei BASF, vor der Reifenpyrolyseanlage von Pyrum. (Bildquelle: BASF)

Pyrum betreibt derzeit eine Pyrolyseanlage für Altreifen, die bis zu 10.000 Tonnen Reifen pro Jahr verarbeiten kann. Bis Ende 2022 wird die bestehende Anlage um zwei zusätzliche Produktionslinien erweitert. BASF wird den größten Teil des darin hergestellten Pyrolyseöls abnehmen und im Rahmen des ChemCycling-Projekts und unter Anwendung eines Massenbilanzansatzes zu neuen chemischen Produkten weiterverarbeiten. Die resultierenden Produkte richten sich vor allem an Verarbeiter aus der Kunststoffindustrie, die hochwertige und funktionelle Kunststoffe auf der Basis von rezyklierten Materialien suchen.

Weitere Anlagen möglich

Darüber hinaus beabsichtigt Pyrum, gemeinsam mit interessierten Partnern weitere Reifenpyrolyseanlagen zu bauen. Dadurch wird der Weg bis zum serienmäßigen Einsatz der einzigartigen Technologie wesentlich verkürzt. Zukünftige Investoren in die Technologie haben die Gewissheit, dass das Pyrolyseöl vom Chemiekonzern zum Herstellen von leistungsstarken chemischen Produkten abgenommen wird. Durch die Kooperation kann der Kreislauf für Post-Consumer-Kunststoffabfälle geschlossen werden. Altreifen zählen nach DIN EN ISO 14021:2016-07 zu Post-Consumer-Kunststoffabfällen.

Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren zusammen mit weiteren Partnern Produktionskapazitäten zum Herstellen von bis zu 100.000 Tonnen Pyrolyseöl pro Jahr aus Altreifen aufgebaut werden könnten.

Zerkleinerte Altreifen, aus denen Pyrolyseöl gewonnen wird. (Bildquelle: BASF)

Zerkleinerte Altreifen, aus denen Pyrolyseöl gewonnen wird. (Bildquelle: BASF)

BASF wird das Pyrolyseöl aus Altreifen als zusätzliche Rohstoffquelle neben Pyrolyseöl aus Mischkunststoffabfällen nutzen. Dessen Verwendung steht langfristig im Mittelpunkt des ChemCycling-Projekts. Produkte, die aus Pyrolyseöl unter Anwendung eines Massenbilanzansatzes hergestellt werden, haben genau die gleichen Eigenschaften wie Produkte, die mit primären fossilen Ressourcen hergestellt werden. Zusätzlich haben sie einen niedrigeren CO2-Fußabdruck als konventionelle Produkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Beratungsunternehmen Sphera im Auftrag des Konzerns durchgeführte Lebenszyklusanalyse. Unter anderem konnten sie dies für das Herstellen von Polyamid 6 (PA6) zeigen, ein Kunststoffpolymer, das beispielsweise für Hochleistungskomponenten in der Automobilindustrie eingesetzt wird. Eine Tonne PA6, die mit Reifenpyrolyseöl aus dem Saarland und unter Verwenden eines Massenbilanzansatzes hergestellt wird, emittiert 1,3 Tonnen weniger CO2 als eine Tonne PA6, die mit fossilen Rohstoffen hergestellt wird. Die geringeren Emissionen resultieren durch das vermiedene Verbrennen der Altreifen. (sf)