Um die Ressourcen der Erde 
zu schonen, ist eine weltweite, 
internationale Kooperation nötig. (Bildquelle: yokie – stock.adobe.com)

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe benötigt Standards. (Bildquelle: yokie – stock.adobe.com)

In der letzten Augustwoche konstituierte sich das Konsortium bestehend aus 16 Vertretern der Wertschöpfungskette und Wissenschaft. Dazu gehören neben Kunststoffverarbeitern wie Greiner und Polifilm auch Recycler für post-consumer und post-industrial Abfälle wie DSD/Der Grüne Punkt, Remondis, MKV Kunststoffgranulate und die Sortieranlagenhersteller Steinert und Tomra.

Die Forschungsseite vertregen das Kunststoff-Institut Lüdenscheid, das Süddeutschen Kunststoff-Zentrum (SKZ), das Institut für Kunststoffverarbeitung Aachen (IKV) und das Institut für Kunststoff- und Kreislauftechnik Hannover (IKK). Verbandseitig wirken der VDMA sowie der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) an der Erarbeitung mit.

Christian Schiller, Gründer und Geschäftsführer von Cirplus, ordnet den Bedarf nach Standardisierung so ein: „Die Aufbereitung von Kunststoffabfällen für den Wiedereinsatz in gleich- oder höherwertigen Produkten ist eine technologische Herausforderung. Einer der wesentlichen Stolpersteine ist dabei das Fehlen von klaren Normen.“ Mit der DIN SPEC 91446 wolle man dem aktiv begegnen, so der Gründer des B2B-Online-Marktplatzes. „Das hohe Interesse an der DIN SPEC von Seiten der Industrie zeigt dabei einmal mehr, dass in der intelligenten Kombination von Standards für die Realwirtschaft und Digitalisierung von Geschäftsprozessen die Zukunft für die Kunststoff- und Recyclingindustrie liegt.“

Die DIN SPEC soll Standards setzen für:

  • die eindeutige Einstufung von Kunststoffabfällen nach Stoffstrom und Grad der Zirkularität (post-consumer, post-industrial/pre-consumer, post-commercial)
  • (Mindest-)Qualitäten je nach Anwendungsfall des Rezyklats („Qualitätsbänder“), sofern erforderlich und möglich
  • die Kennzeichnung von Rezyklatanteil und -art in Regranulaten und Compounds;
  • die Prozesse der Handhabung von Kunststoffabfällen und Rezyklaten (Erfassung, Beprobung, Verarbeitung etc.)

„Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich sind Standards unablässig. Wir freuen uns, mit der DIN SPEC 91446 in einer so hochaktuellen Debatte einen Standardisierungsbeitrag leisten zu können – umso mehr begeistert uns, dass die Initiative hier vom Start-up Cirplus ausging und nun die Branche zusammenführt“, so Benjamin Hein, Leiter Geschäftsfeldentwicklung Circular Economy beim DIN.

Professor Hans-Josef Endres, Leiter des Instituts für Kunststoff- und Kreislauftechnik (IKK) an der Universität Hannover, übernimmt dabei die Konsortialleitung. Er sagt: „Die Zukunft der Kunststoffindustrie erfordert ohne Zweifel Wandel und Abkehr von linearen, rein ökonomisch optimierten Geschäftsmodellen hin zur Kreislaufwirtschaft. Im Kontext des aktuellen Aktionsplans Kreislaufwirtschaft und der darin angekündigten EU-Plastiksteuer für 2021 wird der Trend dabei zu einem qualitativ hochwertigen Rezyklateeinsatz gehen müssen. Die DIN SPEC 91446 wird für die Qualitätsbewertung, den Handel und die Skalierung des industriellen Rezyklateeinsatzes eine Schlüsselfunktion übernehmen – unterstützt durch digitale Technologie. Damit schließen wir Lücken in der Normungslandschaft und kommen einer umfassenden Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich einen Schritt näher.“ Das Konsortium der DIN SPEC 91446 hat seine Arbeit bereits aufgenommen und wird diese in vier bis sechs Arbeitssitzungen voraussichtlich bis Juli 2021 verabschieden. (jhn)