Moderne Flachfolienextrusionsanlage (Bildquelle: Covestro)

Moderne Flachfolienextrusionsanlage (Bildquelle: Covestro)

So berichtet etwa Hosokawa Alpine, Augsburg, von „einer starken Nachfrage nach Anlagen mit Inline MDO zur Produktion von Full PE Folien zur besseren Recyclingfähigkeit.“ Bei dieser Produktion werden Blasfolien in Förderrichtung der Maschine orientiert. Ebenfalls für Blasfolien geht ETA Kunststofftechnologie, Troisdorf, auf „neuartige Schmelzeverteilsysteme“ ein, die „für besondere Rohstoffanforderungen geeignet sind“. Verfahrenstechnisch werden laut dieser Firma bei Extrusionswerkzeugen für Blasfolien kürzere Verweilzeiten erreicht.

Optimale Homogenität bei niedriger Temperatur

Hosokawa Alpine spricht die Energieeffizienz der Blasfolienextrusion an und berichtet von „einer Energieeinsparung von bis zu 20 Prozent im Vergleich zu Standard-Nutbuchsenextrudern bei gleichzeitiger höherer Schmelzeleistung um bis zu 50 Prozent“. Gemäß Firmenangaben sorgen diese neuen Extruder für eine effizientere Folienproduktion. Mehr Ausstoß bei verbesserter Blasenstabilität wird demzufolge durch ein neuartiges Zylinder- und Schneckendesign ermöglicht. Das effektive Mischprinzip erlaube eine niedrige Massetemperatur bei optimaler Homogenität der Schmelze. Dadurch seien in der Produktion bei höchsten Durchsätzen geringere Kühlkapazitäten nötig.

Auch Theysohn Extrusionstechnik, Stockerau, Österreich, berichtet von einer Verbesserung der Verfahrenstechnik, hier für die Profil- und Rohrherstellung. Erreicht werden die Optimierungen „durch die Verlängerung der Verfahrenseinheiten auf bis zu 36D“. Dadurch ergeben sich laut Thesohn neue Möglichkeiten in der Schneckengeometrie, was eine sanftere und homogenere Aufschmelzung des Polyvinylchlorids zulässt und gleichzeitig den Verschleiß der Verfahrenseinheiten reduziert. „Vorteile ergeben sich dadurch vor allem bei hochgefüllten Rezepturen und der Verarbeitung von Recyclingwahre“, teilt die Firma weiter mit

Coextrusion mit verschiedenen Massetemperaturen

Bezüglich Rohrextrusion spricht ETA Kunststofftechnologie den Trend an, „Rohstoffe mit verschiedenen Verarbeitungstemperaturen“ mittels Coextrusion zu verarbeiten. Für besondere Rohstoffanforderungen stehen laut ETA neuartige Schmelzeverteilersysteme zur Verfügung. Eine verbesserte Verfahrenstechnik sorgt darüber hinaus, wie bei den Blasfolien-Werkzeugen auch, bei den Rohrwerkzeugen für kürzere Verweilzeiten. Diesen Trend spricht auch Theysohn Extrusionstechnik für Mehrschichtrohre an. Bei diesen kommen „vermehrt Direktrohrköpfe zum Einsatz, was die Verweilzeit der Schmelze im Rohrwerkzeug verkürzt. Dadurch können Additive gespart werden, was wiederum den Einsatz von „billigeren“ Rezepturen möglich macht.“ Außerdem werden bei der Rohr- und der Profilherstellung immer häufiger gravimetrische Dosiersysteme eingesetzt, um Schüttgewichtschwankungen auszugleichen. Im Rohrbereich kann dies mit einer Inlinemessung ergänzt werden. „Die Inlinevermessung des Rohres“, schreibt Theysohn, „steuert die Wandstärkenreglulierung am Rohrwerkzeug und die Abzugsgeschwindigkeit, wodurch Rohre auf der Minimumtoleranz produziert werden können.“ Ziel dabei sei Materialersparnis.

Transportersparnis durch Großrohrwickler

Ebenfalls für Rohranlagen verweist Graewe, Neuenburg, erneut auf den „Trend zu Großrohrwicklern für Rohrbunde bis 2500 mm Breite.“ Mit derartigen Wicklern können nun Rohre bis 280 x 44 mm zu Rohrbunden mit Abmessungen bis zu 4,5 m Außendurchmesser, 2,5 m Breite und 8t Gewicht gewickelt werden. Vorteil dieser Verfahrensweise ist der Verzicht auf Stahltrommeln, die nicht mehr leer zurücktransportiert werden müssen, was Kosten einspart und dem Umweltschutz dient.

Einen „absoluten Trend“ sieht Theysohn im Bereich des Verschleißschutzes: Bimetallzylinder (Buchsen) und dazu passender Verschleißschutz auf den Schnecken kommen hauptsächlich bei der Verarbeitung von hochgefüllten Rezepturen und Recyclingware, aber auch bei WPC immer häufiger zum Einsatz. Dabei können Werte von 1,5-facher bis doppelter Standzeit im Vergleich zu Standard- Verfahrenseinheiten erzielt werden.

Platten aus speziellen Compounds

Qualitätskontrolle an einer Profilextrusionslinie (Bildquelle: Pixargus)

Qualitätskontrolle an einer Profilextrusionslinie (Bildquelle: Pixargus)

ETA Kunststofftechnologie ist seit dem vergangenen Jahr auch auf dem Gebiet der Extrusion tafelförmiger Halbzeuge tätig. Hier stehen Sonderwerkzeuge zur Verarbeitung spezieller Compounds zur Herstellung spezieller Produkte zur Verfügung.

Die vier Marktübersichten zum Thema Extrusionsanlagen auf www.plastverarbeiter.de beziehen sich auf Anlagen zur Herstellung von Blasfolien, Profilen, Rohren sowie Tafeln und Flachfolien. Insgesamt sind 36 Firmen in den vier Marktübersichten vertreten, die in der tabellarischen Aufstellung der Anbieter mit ihrer Webadresse aufgeführt sind. Neben den erzeugbaren Arten der Folien, Profile, Rohre und Tafeln wird auf deren Verwendung eingegangen und auf die zur Herstellung verwendeten Kunststoffe. Die Leistungsdaten der Anlagen basieren auf der Verarbeitung der jeweils angegebenen Werkstoffe. So ermöglichen sie dem Nutzer der Marktübersichten, in einem ersten Schritt für den eigenen Bedarf geeignete Produkte auszuwählen. Diese können als Grundlage für weitergehende Anfragen an die anbietenden Firmen genutzt werden.

Produktentwicklungen liegen Vorstellungen zugrunde, die die entstehenden Produkte prägen. So können bei den Extrusionsanlagen verschiedene Extruder-Bauarten zum Einsatz kommen, deren spezifische Eigenheiten, kennzeichnende Größen- und Leistungsdaten dargestellt werden. Für die unterschiedlichen, mit den Anlagen zu erzeugenden Produkte sind darauf abgestimmte Nachfolge-einrichtungen erforderlich und dargestellt, die der Formgebung, der Kalibrierung, der Kühlung, dem Abzug, der Trennung und dem Wickeln oder Ablegen dienen sowie der spezifischen Produktnachbearbeitung wie zum Beispiel Muffungsmaschinen für Rohre. Weitere Bereiche der Marktübersichten gehen auf Reinraumfähigkeit der erzeugten Produkte, auf Überwachung und Regelung der Produkteigenschaften, auf Anlagensteuerung und Prozessregelungstechnik sowie auf den angebotenen Service hinsichtlich Montage, Inbetriebnahme, Wartung und Schulung ein.

Über den Autor

Prof. Dr. Werner Hoffmanns

ist freier Mitarbeiter des Plastverarbeiter.

office@hoffmanns-texte.de