Ein flächendeckendes Recycling von Kunststoffverpackungen und -abfällen ist ein Kernziel der EU. (Bildquelle: Alba Group)

Ein flächendeckendes Recycling von Kunststoffverpackungen und -abfällen ist ein Kernziel der EU. (Bildquelle: Alba Group)

Dass die EU-Mitgliedsstaaten diese Steuer auf die Unternehmen der Kunststoff- und Recyclingindustrie umlegen, steht nun europaweit im Raum – wie genau ist noch unklar. Sollte die Neuware teurer werden und somit verstärkt Anreize für besseres Recycling geschaffen werden, bleibt für Unternehmen die Frage: Wie heute schon auf das Morgen vorbereiten? Das Unternehmen Cirplus, Hamburg bietet nach eigener Auskunft mit seinem globalen Marktplatz ideale Voraussetzungen für die Kunststoffindustrie, um sich den Mega-Trends Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu stellen.

Übergang zur Nachhaltigkeit digital meistern

Gegründet im Dezember 2018, erleichtert Cirplus die Beschaffung von Rezyklaten, erhöht die Versorgungssicherheit und senkt gleichzeitig die Transaktionskosten. Über 380 Kunden, darunter Deiss, Greiner, Nehlsen Stoffstrom Management und Voelpker Spezialprodukte, nutzen bereits die Plattform. Der Plattformbetreiber kann aktuell ein Handelsvolumen von über 500.000 Tonnen an Kunststoffabfällen, Rezyklaten und Compounds vorweisen.

Tiefer Ölpreis begünstigt Neuware

Geschäftsführer Christian Schiller ordnet die aktuelle Entwicklung so ein: „Anbieter von Rezyklaten für Downcycling-Anwendungen stellen seit Beginn der Corona-Krise vermehrt Angebote auf Cirplus ein. Hier schlägt der Verfall des Ölpreises voll auf den Markt durch, denn bestehende Abnehmer wechseln zur deutlich günstigeren Neuware. Unser digitaler Vertriebskanal unterstützt die Anbieter in dieser schwierigen Marktsituation auf der Suche nach neuen Absatzmöglichkeiten.“ Hingegen bleibt die Nachfrage nach höherwertigen Rezyklaten, insbesondere aus der Verpackungsindustrie, konstant bis leicht steigend. Auf der Suche nach geeigneten Mengen und Qualitäten bietet Cirplus nach eigner Auskunft auch hier die digitale Vernetzung bei weiter steigendem Angebot – wenngleich die regelmäßige Verfügbarkeit hochwertiger Rezyklate und Kunststoffabfälle eine besondere Herausforderung für mehr Nachhaltigkeit in der Kunststoffbranche bleibe.

„Trotz Corona bleibt das Thema Rezyklateeinsatz in der Kunststoffindustrie von großer Relevanz“, prognostiziert Schiller. So konnte mit Nehlsen zuletzt ein großer Branchenplayer als weiterer Pilotpartner gewonnen werden. „Die Digitalisierung bietet hier enormes Potenzial, die Transaktionskosten für Kunststoffabfälle und recycelte Kunststoffe zu senken, vom Handel, Zertifizierung und Materialprüfung bis zum Logistikmanagement“, sagt Benjamin Kreie, Geschäftsführer des Bremer Unternehmens. Auch die Stiftung der Firma Röchling bekennt sich zu Cirplus: „Die gemeinnützige Röchling Stiftung setzt sich fördernd und operativ für eine zukunftsorientierte Kreislaufführung von Kunststoffen ein. cirplus ermöglicht es der Industrie, den Kreislauf zu schließen, indem die Recycling- und Kunststoffindustrie auf einer Plattform zusammenkommen. Eine wirkliche Circular Plastics Economy setzt einen transparenten und einfach zu bedienenden Markt voraus. Dazu leistet cirplus einen entscheidenden Beitrag“, so Uwe Amrhein, Stiftungsmanager Röchling-Stiftung.

Zu Beginn des Aufbaus der Plattform fanden die Gründer einen intransparenten, fragmentierten und margenschwachen Reyzklatemarkt vor, ohne echte Qualitätsstandards für recycelte Kunststoffe. In diese Bresche ist cirplus nun gesprungen, engagiert sich zudem als Mitglied des Fachausschuss NA 054-03-03 („Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft“) beim Deutschen Institut für Normung und hat inzwischen die DIN Spec 91446 initiiert (Arbeitstitel: „Standards für den (internetbasierten) Handel mit Kunststoffabfällen und Rezyklaten“).