Innen- und Außenrohr einer Ablassschraube für einen Ölfilter sowie fertiges Produkt (rechts). (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Innen- und Außenrohr einer Ablassschraube für einen Ölfilter sowie fertiges Produkt (rechts). (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Das Spritzgießunternehmen Happ mit Sitz in Ruppichteroth wurde 1964 gegründet. Die ersten gefertigten Produkte waren Butterbrotdosen und Möbelbeschläge. Mittlerweile beschäftigt das familiengeführte Unternehmen in Nordrhein-Westfalen 70 Mitarbeiter, die im 3-Schicht-Betrieb auf einer Produktionsfläche von 6.000 m² qualitativ hochwertige, komplexe Teile und Baugruppen primär für die Automobilindustrie herstellen. Ein Teil des Umsatzes wird auch mit Produkten für die Weiße Ware erwirtschaftet. Das Unternehmen bietet Anwendern das gesamte Leistungsspektrum, von Entwicklung und Konstruktion über den hauseigenen Werkzeugbau bis hin zur Prototypen- und Serienfertigung.

Happ verarbeitet über 1.300 t verschiedenster thermoplastischer Kunststoffe mit Spritzgewichten von 0,5 bis 3.000 g im 1- und 2-Komponenten-Spritzguss. Zum Fertigen der Kunststoffkomponenten stehen an die 40 Spritzgießmaschinen in den Schließkraftgrößen von 350 bis 8.000 kN zur Verfügung, darunter 7 Maschinen der vollelektrischen EcoPower-Reihe von Wittmann Battenfeld, Kottingbrunn, Österreich, im Schließkraftbereich von 1.000 bis 3.000 kN. Die Maschinen der EcoPower-Reihe sind zum Großteil mit Wittmann Robotern der Typen W818 und W822 ausgestattet. Zur Trocknung seines Materials setzt das Unternehmen eine zentrale Materialtrocknungsanlage des Maschinenherstellers ein.

Automatisierung für die Gesundheit

Ergo-Wall – erstes Produkt von ErgoTek für Freizeit und Physiotherapie. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Ergo-Wall – erstes Produkt von ErgoTek für Freizeit und Physiotherapie. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Durch die konstante Investition in innovative Automatisierungstechnik ist es dem Kunststoffverarbeiter möglich, komplette Baugruppen vollautomatisch zu montieren. Zum Entwickeln und Herstellen dieser Automatisierungslösungen hat Happ am Standort in Ruppichteroth 2015 die Firma ErgoTek gegründet. Der Ursprung von ErgoTek geht auf ein von Happ 2014 entwickeltes Produkt für den Fitness- und Physiotherapiebereich, die sogenannte Ergo-Wall, zurück. Dabei handelt es sich um eine in unterschiedliche Neigungen verstellbare Kletterwand unter Einsatz von Automatisierungs- und Fördertechnik. An der Uni Potsdam werden aktuell Therapeuten an der Ergo-Wall ausgebildet.

Das mit diesem Produkt gewonnene Know-how sollte mit ErgoTek sowohl für die Montage bei Happ als auch für den Einsatz in der Industrie genutzt werden. Seit 2018 werden die Module, die die Basis für die Modulförderer bilden, im Industrieumfeld eingesetzt. 2019 wurden die Modulförderer, die im Wesentlichen für getaktete Systeme genutzt werden, um das FlexiTek-System erweitert. Die staufähigen FlexiTek-Systeme bieten hier ein breites Anwendungsspektrum und sind optimal an die Anforderungen in der Spritzgussfertigung angepasst. Für 2020 ist das Erweitern des Portfolios um ein Schwerlastfördersystem für Gitterboxen geplant.

Ein Flexi-Förderer als Testgerät. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Ein Flexi-Förderer als Testgerät. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Mit der Kompetenz des Unternehmens im Bereich der Kunststoffspritzgussfertigung und der Erfahrung in der Förder- und Automatisierungstechnik werden Module entwickelt, die ErgoTek in den Fördertechniksystemen flexibel und modular einsetzen kann. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit der Produkte gelegt.

Vollautomatisiert

Gesamtansicht der mittels staufähiger Fördersysteme verketteten Spritzgießmaschinen. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Gesamtansicht der mittels staufähiger Fördersysteme verketteten Spritzgießmaschinen. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Ein kürzlich von ErgoTek in der eigenen Produktion umgesetztes Projekt ist die flexible Verkettung zweier EcoPower-Maschinen mittels staufähiger Fördersysteme. Mit diesem System werden vollautomatisch Außen- und Innenrohr der Ablassschraube von Ölfiltern für die Automobilindustrie zusammengefügt, geprüft, laserbeschriftet und abgelegt.

Zum Einsatz kommen bei dieser Anlage zwei EcoPower 110/350 mit einer Schließkraft von je 1.100 kN, die mit je einem Wittmann Roboter der Type W818 ausgestattet sind. Auf den Maschinen werden jeweils mit einem 2-fach-Werkzeug Innen- und Außenrohr der Ablassschraube für den Ölfilter gespritzt, automatisch entnommen und ihre Maßhaltigkeit mit einer Kamera geprüft. Eine zweite Kamera prüft die Teile auf Gratbildung. In weiterer Folge werden die Rohre via FlexiTek-Förderer weitertransportiert und zum Abkühlen gepuffert. Danach montiert ein Scara-Roboter das Außenrohr auf das Innenrohr. Mit Hilfe eines Knickarmroboters und einer weiteren Kameraprüfung werden Tiefenmaß und Winkelstellung kontrolliert, bevor die Bauteile zum Laserbeschriften an ein Beschriftungsband und anschließend die fertigen Baugruppen an den Flexipuffer von ErgoTek übergeben werden.

Dirk Wevelsiep, Vertriebsleiter ErgoTek, zeigte Thomas Bertram, Vertrieb Wittmann Battenfeld, die neue Produktentwicklung, eine Bodenplatte mit selbstabdichtendem Hinterschnitt. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Dirk Wevelsiep, Vertriebsleiter ErgoTek, zeigte Thomas Bertram, Vertrieb Wittmann Battenfeld, die neue Produktentwicklung, eine Bodenplatte mit selbstabdichtendem Hinterschnitt. (Bildquelle: Wittmann Battenfeld)

Mit dem Einsatz dieser verketteten Anlage ist ein wirtschaftliches Fertigen dieses Produktes erst möglich. Darüber hinaus bietet die Anlage eine Reihe weiterer Vorteile:

  • Durch das Verbinden der beiden Anlagenteile über die FlexiTek-Bänder kann auf ein Einlagern der einzelnen Bauteile verzichtet werden, und die Zuordnung der Nester und damit die Nachverfolgbarkeit bleiben gesichert.
  • SPC-Teile können angefordert und über die Rutschen ausgeschleust werden.
  • Bei einer Unterbrechung an einer der Anlagenteile können die weiteren Systemkomponenten bis zu maximal einer Stunde weiter produzieren.
  • Der Boxenpuffer mit den Fertigteilen muss nur etwa alle 2,5 Stunden geleert werden.
  • Das Verketten der FlexiTek-Förderer benötigt nur einen minimalen Steuerungsaufwand und lässt ein Trennen der einzelnen Sicherheitsbereiche zu.

Die drei Unternehmen arbeiten seit über 15 Jahren zusammen. Dirk Wevelsiep, Vertriebsleiter bei ErgoTek: „Die Spritzgießmaschinen von Wittmann Battenfeld eignen sich aufgrund ihrer einfachen Erweiterbarkeit hervorragend, um sie intelligent zu verketten.“

Nachruf
Tief betroffen teilt das Unternehmen Wittmann Battenfeld mit, dass der Vertriebsmitarbeiter Thomas Bertram, zwischenzeitlich plötzlich und unerwartet verstorben ist. Herr Bertram hat das Unternehmen mit hohem Engagement vertreten und war stets für seine Kunden da.

Über den Autor

Gabriele Hopf

ist Marketing-Managerin bei Wittmann Battenfeld, Kottingbrunn, Österreich.