Im Studentenwohnheim Kullenhof in Aachen werden die 40 Jahre alten PVC-Fenster ersetzt und rezykliert. (Bildquelle: Rewindo)

Im Studentenwohnheim Kullenhof in Aachen werden die 40 Jahre alten PVC-Fenster ersetzt und rezykliert. (Bildquelle: Rewindo)

Die Kaiserstadt Aachen hat mit PVC-Altfensterrecycling bereits vor über 10 Jahren positiv von sich reden gemacht. Zwei Wohnungsunternehmen, darunter die städtische Wohnungsgesellschaft Gewoge, teilten sich damals den ersten Preis im bundesweiten Wettbewerb „Umweltgerechte Modernisierung“, der Ende 2009 im Weißen Saal des Aachener Rathauses verliehen wurde. Ausgezeichnet wurden damals nicht nur die gelungenen energetischen Sanierungen zweier Bauprojekte, sondern auch der ökologisch verantwortungsvolle Umgang mit den ausgedienten Baumaterialien, speziell den Altfenstern aus Kunststoff, seitens der Bauherren.

Nach 40 Jahren ersetzt

Die PVC-Fensterprofile werden im Container für das Recycling gesammelt. (Bildquelle: Rewindo)

Die PVC-Fensterprofile werden im Container für das Recycling gesammelt. (Bildquelle: Rewindo)

Die zu Beginn der 1980er Jahre errichteten Gebäudekomplexe an der Kullenhofstraße mit 4 – 6 Geschossen und circa 480 Studentenapartments erhalten bis Oktober 2020 im Rahmen einer Renovierungsmaßnahme etwa 690 neue Kunststoffeinzelfenster durch das Fensterbauunternehmen Kochs. Die Fenster besitzen nach aktuellem technischen Standard eine 3-fach-Verglasung, teilweise mit Sonnen- und erhöhtem Schallschutz, auch in den sechs Treppenhäusern werden die Fenster- und Eingangstüranlagen getauscht. Wie bereits 2009 erfolgt die Entsorgung der PVC-Altfenster über das Rewindo-Recyclingsystem. Die ausgebauten Bauteile werden in Containern zur Recyclinganlage von Dekura nach Höxter transportiert. Das auf Fensterrecycling spezialisierte Unternehmen ist einer der Recyclingpartnerbetriebe der Rewindo.

Aus alt wird neu

Ralf Görgens (Kochs), André Kochs und Maik Voigt (Studentenwerk), Michael Vetter und Friedhelm van den Berg (Profine) (v.l.n.r.) freuen sich über die nachhaltige Sanierung. (Bildquelle: Rewondo)

Ralf Görgens (Kochs), André Kochs und Maik Voigt (Studentenwerk), Michael Vetter und Friedhelm van den Berg (Profine) (v.l.n.r.) freuen sich über die nachhaltige Sanierung. (Bildquelle: Rewondo)

Die PVC-Altfenster werden bei Dekura zunächst geshreddert und weiter zerkleinert. Dann geschieht in unterschiedlichen Verfahren die sortenreine Trennung in Metall, Gummi, Glasreste und Kunststoff. Dieser wird nochmals erhitzt und durch einen Filter gepresst, um letzte Fremdpartikel auszusondern. Zurück bleibt reines PVC-Granulat als Ausgangsstoff für neue Kunststofffenster mit Rezyklatkern. „Aus alten Fenstern werden dabei ohne Abstriche an den bauphysikalischen Eigenschaften wieder neue Fenster. Deren Profilkern besteht aus Recycling-PVC, nur an der Oberfläche des Profils wird aus optischen Gründen Neumaterial verwendet“, erläutert Vetter.

Zusammen mit seinen Recycling- und Logistikpartnern konnte Rewindo im Jahr 2019 im Rahmen des werkstofflichen Recyclings einen Output von über 35.500 t Regranulat aus PVC Alt-Fenstern, -Rollläden und -Türen erzielen. Das entspricht in etwa zwei Millionen alten Kunststofffenstern. Das Verfahren hat nicht nur hierzulande Bedeutung: Die europäische PVC-Branche hat sich im Nachhaltigkeitsprogramm VinylPlus verpflichtet, bis zum Jahr 2025 in Europa etwa 900.000 t und bis 2030 jährlich 1.000.000 t PVC über alle Anwendungen zu recyceln. Beteiligt ist die Fensterprofilbranche auch an der Circular Plastics Alliance (CPA) der EU-Kommission. Bis 2025 sollen im Rahmen der CPA 10 Mio. t Kunststoffrezyklate in neuen Kunststofferzeugnissen Verwendung finden und so den Materialkreislauf weiter schließen. (sf)