Recompoundieranlage im Technikum von Krauss Maffei in Hannover. (Bildquelle: Krauss Maffei)

Recompoundieranlage im Technikum von Krauss Maffei in Hannover. (Bildquelle: Krauss Maffei)

Mit einem hohen Investitionsvolumen baut Krauss Maffei die Versuchsmöglichkeiten rund um das Thema Recycling und Recompoundierung stark aus. Seit einigen Monaten ist am Standort Hannover eine moderne Recompoundieranlage im Industriemaßstab in einem Technikum aufgebaut. Die Edelweiss-Compounding-Anlage besteht aus zwei Zweischneckenextrudern ZE 65 Blue Power und erreicht eine Maximalleistung von rund 2.000 kg/h. War es bisher üblich, mit einem Ein- und einem Zweischneckenextruder zu arbeiten, so ist hier die Nutzung von zwei Zweischneckenextrudern ein Novum. Die Vorteile sprechen für sich: hohe Entgasungsleistungen, Geruchsentfernung, ideale dispersive und dispergierende Mischwirkung, schonende Schmelzebehandlung und das alles bei hohen Durchsatzleistungen.

Carl-Philip Pöpel ist Direktor Produkt-Management Extrusionstechnik bei Krauss Maffei. (Bildquelle: Krauss Maffei)

Carl-Philip Pöpel ist Direktor Produkt-Management Extrusionstechnik bei Krauss Maffei. (Bildquelle: Krauss Maffei)

In Stufe 1 übernimmt der Zweischneckenextruder ZE 65 Blue Power zunächst die Aufgabe, die mit bis zu 10 Prozent Feuchtigkeit ankommende Eingangsware zu entgasen. Gleichzeitig erfolgt hierdurch das Entfernen von anhaftenden Geruchsstoffen, was gerade bei Post-Consumer-Ware sehr wichtig ist. Mit Hilfe der Schleppmittelentgasung mit Wasser, Stickstoff oder auch Kohlendioxid lässt sich eine Geruchsminimierung erzielen. „Außerdem sorgt der Zweischneckenextruder in der ersten Stufe dafür, dass die teilweise schwankende Eingangsware optimal homogenisiert wird“, führt Carl-Philip Pöpel zur Kombination aus. Im zweiten Zweischneckenextruder, in den die Schmelze über eine Schmelzeleitung gelangt, liegt in Stufe 2 der Fokus auf der Compoundierung. Dazu Carl-Philip Pöpel: „Füllen, Verstärken, Einfärben, Additivieren, mit dem Zweischneckenextruder ist jede Verfahrensaufgabe problemlos umsetzbar. Dazu sind unsere Extruder mit allen Zusatzaggregaten zur Dosierung von Granulat, Pulver, Fasern und Flüssigkeiten ausgestattet.“ Selbstverständlich gehören zur Ausrüstung der Zweischneckenextruder neben den gravimetrischen Dosiereinheiten für verschiedene Medien auch das passende Downstream-Equipment, wie Feinfilter, Pumpen sowie Granuliereinheit von BKG-Systeme aus der Nordson Corporation.

Eigene Cutter-Compactor-Einheit

Eine weitere Neuerung der Edelweiss-Anlage liegt in der Cutter-Compactor-Einheit, die der Maschinenbauer nun erstmals aus dem eigenen Portfolio anbietet. Neu ist, dass die Cutter-Compactor-Einheit offline betrieben und das erzeugte Agglomerat auf eine Bandwaage ausgetragen wird. „So stellen wir eine gravimetrische Zudosierung sicher, die eine Genauigkeit von 99,8 % erreicht“, stellt Carl-Philip Pöpel den entscheidenden Unterschied zur bisher verwendeten volumetrischen Dosierung heraus. Damit sind Dosierschwankungen, die sich beispielsweise bei sehr fluffiger Eingangsware, wie der Folien- oder Faserfraktion ergaben, ausgeschlossen. Nun lassen sich alle Post-Consumer-Fraktionen aus LDPE, HDPE, PP oder PS problemlos zu einem hochwertigen Recompound, das sowohl in Spritzguss- als auch Extrusionsanwendungen als Neuwaresubstitut Einsatz findet, aufbereiten.

Turnkey-Modul für Verarbeitung von PCR

Last but not least ist der Clou der im Technikum aufgebauten Edelweiss-Compounding-Anlage ihre Komplettintegration in ein Turnkey-Modul. Hauptvorteile für den Betreiber sind die einfache Inbetriebnahme, der flexible Einsatz und der Aufbau ohne jegliche Vorbereitung. Das Turnkey-Modul ist so ausgeführt, dass es in jeder Halle aufgestellt werden kann. Es sind weder verschiedene Ebenen noch eine spezielle Hallenkonstruktion erforderlich, da das Modul in sich schlüssig aufgebaut ist und alles enthält, was für die Recompoundierung nötig ist. Es braucht lediglich an die örtliche Strom-, Wasser- und Druckluftversorgung angeschlossen werden und kann die Produktion sofort aufnehmen. Bei einer Standortänderung lässt sich das Modul als Ganzes mitnehmen. (sf)