Ende Mai hat der Bau der SKZ Modellfabrik in Würzburg begonnen. (Bildquelle: SKZ)

Ende Mai hat der Bau der SKZ Modellfabrik in Würzburg begonnen. (Bildquelle: SKZ)

In der industriellen Realität sind produzierende Unternehmen mehrheitlich darauf ausgerichtet, Qualität zu geringen Kosten sowie hohe Stückzahlen zu liefern. Die Prozesse sind meist präzise organisiert und äußerst stabil. Innovationen bleiben somit im Tagesgeschäft häufig auf der Strecke und für Experimente bleibt wenig Spielraum. Das betrifft vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen, die die Kunststoffbranche stark prägen. Dennoch sind Innovationen als elementarer Bestandteil des Wirtschaftswachstums für die zukünftige Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit zwingend notwendig.

„An diesem Punkt kommt die Modellfabrik des SKZ ins Spiel: Sie verbindet die industrielle und die digitale Welt, um unter anderem Innovationen in der Produktion zu ermöglichen. Konkrete industrielle Aufgabenstellungen können hier nachgestellt und abseits der Serienfertigung in einer industrienahen Umgebung mit hoher Expertise angegangen werden. Auf diese Weise entstehen Raum und Zeit, um Lösungen zu erproben und Themen wie Industrie 4.0 konkret umzusetzen“, erläutert SKZ Geschäftsführer Dr. Thomas Hochrein.

Viel Raum für Neues

Das einzigartige Technologiezentrum für Forschung und Entwicklung wird eine Nutzfläche von über 4.600 m² besitzen. (Bildquelle: SKZ)

Das einzigartige Technologiezentrum für Forschung und Entwicklung wird eine Nutzfläche von über 4.600 m² besitzen. (Bildquelle: SKZ)

Innerhalb des neuen Zentrums, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Verarbeitungstechnika und dem Technologie-Zentrum gebaut wird, werden auf über 4.600 m² Nutzfläche unterschiedliche Sektoren entstehen. Hier werden Forschungsbereiche wie die Additive Fertigung, das Spritzgießen, Fügen und Oberflächentechnik oder Messen und Prüfen 4.0 (Prozessmesstechnik, Zerstörungsfreie Prüfung, Bauteileigenschaften) vorangetrieben. Aber auch die Aktivitäten in den Bereichen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, die gerade hochaktuell sind und die das Forschungzentrum bereits seit vielen Jahren forciert, können nun weiter ausgebaut werden. Clusteraktivitäten für den Technologietransfer in Form von Tagungen, Workshops oder Expertenkreisen sowie das Marketing sollen ebenfalls in der Modellfabrik beheimatet werden und so den Transfer innovativer Ideen in vermarktbare Innovationen ermöglichen.

„Flexible OpenSpace-Bürowelten werden eine abteilungsübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessern. Kurze Wege durch das gesamte Gebäude erhöhen den gegenseitigen Austausch und die Effizienz des SKZ als Dienstleister für den Mittelstand“ erläutert Projektleiter für die Modellfabrik Dr. Johann Erath.

Auch für die Jüngsten ist Platz

Im Erdgeschoss wird außerdem eine Kinderkrippe für 12 Kinder sowie ein Eltern-Kind-Zimmer entstehen, um der flexiblen Arbeitswelt von morgen und den steigenden Anforderungen an eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerecht zu werden.

„Mit der Modellfabrik wird bis 2022 das notwendige Know-how geschaffen, damit Bayern und Deutschland weiterhin einen Spitzenplatz auf dem Gebiet der Industrie 4.0-Produktion einnehmen. Gerade die aktuelle Corona-Krise zeigt, wie wichtig Kunststoffe in vielerlei Hinsicht sind – sei es als Hygieneschutz im Lebensmittelbereich oder als unverzichtbarer Bestandteil von Atemschutzmasken und Medizingeräten“, fasst SKZ Institutsdirektor Prof. Martin Bastian zusammen. Allerdings wäre das Institut schlecht beraten, wenn es erst ab diesem Zeitpunkt die Aktivitäten hochfahren würde. Bereits heute besteht dringender Unterstützungsbedarf für die Industrie, sodass schon jetzt an den genannten Themen gearbeitet wird. (sf)