Seit rund einem Jahr produziert der dänische Kunststoffverarbeiter Emtelle mit der Extrusionslinie Vier-Schicht-Rohre in einem Durchmesserbereich von 200 bis 800 mm gemäß SDR-Klassifizierung (DIN 8074) sowie in Sondergrößen. (Bildquelle: Battenfeld-Cincinnati)

(Bildquelle: Battenfeld-Cincinnati)

Die kunststoffverarbeitende Industrie ist eine volkswirtschaftlich und beschäftigungspolitisch bedeutende Branche in Deutschland, die vor vielfältigen Herausforderungen steht. In der Branchenstudie werden aus der Analyse von Themen wie Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Recycling, Nachhaltigkeit, Marktentwicklung, Globalisierung, Beschäftigungstrends und Arbeitspolitik heraus Handlungsfelder für die Interessenvertretung, die Unternehmen und die Politik abgeleitet.

IMU-Studie als Working Paper der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht

Mit über 338.000 Beschäftigten ist die von kleinen und mittleren Unternehmen geprägte kunststoffverarbeitende Industrie ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor in Deutschland. In den mehr als 3.000 Unternehmen wurde 2018 ein Umsatz von 66 Mrd. Euro erwirtschaftet. Der relativ junge Industriezweig war in den letzten Jahrzehnten sowohl wirtschaftlich wie auch beschäftigungspolitisch eine Wachstumsbranche.

Gleichwohl steht die Kunststoffverarbeitungsbranche vor vielfältigen Herausforderungen, die vor allem mit den zwei Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit/Kreislaufwirtschaft auf den Punkt gebracht werden können. Weitere Herausforderungen liegen in fortschreitender Globalisierung und steigender Wettbewerbsintensität, in der Fachkräftesicherung und dem demografischen Wandel sowie in rechtlichen Rahmenbedingungen und neuen regulatorischen Anforderungen.

Alle diese Faktoren wirken sich auf die Beschäftigung in der Branche aus. Die Unternehmen aus den einzelnen Teilbranchen der Kunststoffverarbeitungsbranche – wie beispielsweise Herstellung von Verpackungsmitteln, von Kunststoffplatten und -profilen, von Baubedarfsartikeln bis hin zu Kunststoffkomponenten für die Automobilindustrie – müssen sich unterschiedlichen Problemlagen stellen und spezifische Herangehensweisen entwickeln. Damit entsteht auch für die Mitbestimmungsakteure ein Strauß von Handlungsfeldern, auf die in der Branchenstudie eingegangen wird.

Branchenstudie zielt auf Strukturen von Wirtschaft und Beschäftigen ab

Die Branchenstudie zielt auf die Analyse der Entwicklung und Strukturen von Wirtschaft und Beschäftigten, der Trends und Perspektiven (Arbeitswelt, Märkte, Innovationen) sowie der Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung als entscheidenden Zukunftsthemen der kunststoffverarbeitenden Industrie.

In kurzfristiger Perspektive erwarten viele der befragten Branchenakteure ein gebremstes Wachstum oder eine Stagnation, so der Stand vor der Corona-Krise (die nach Beendigung der Branchenstudie einsetzte). Dagegen wurden die mittelfristigen Perspektiven als eher positiv eingeschätzt, wenn es auch neben den Chancen auch Risiken für die weitere Entwicklung gibt.

Kunststoff macht vieles erst möglich

Chancen und Vorteile von Kunststoffprodukten sind ihr Beitrag zu Lebensmittelhaltbarkeit, Wärmedämmung, Energieeffizienz, Leichtbau etc. Auf der anderen Seite rücken globale Probleme wie Mikroplastik, Verpackungsmüll und Marine Litter immer stärker in die öffentliche Kritik und in den Fokus der Politik auf allen Ebenen. Die kunststoffverarbeitende Industrie muss sich als Teil des Wertschöpfungsnetzwerks ihrer Produktverantwortung stellen und Lösungen für den gesamten Produktlebenszyklus entwickeln. Kreislaufwirtschaft und Recycling sind damit in Verbindung mit Digitalisierung zu zentralen Zukunftsfeldern der Branche geworden.

Weitere wichtige Themen für die Branche aus Mitbestimmungssicht und damit Handlungsfelder für Betriebsräte sind: Fachkräftesicherung, Aus- und Weiterbildung, strategische Personalpolitik, präventiver Gesundheitsschutz, Gestaltung guter Arbeit in der digitalen Transformation, Beschäftigtenbeteiligung und weitere arbeitspolitische Themen, auf die im Schlusskapitel der Branchenstudie eingegangen wird.

Studien steht zum Download bereit

Diese Handlungsfelder sollten im Kontext mit dem laufenden Szenarien- und Strategieprozess „Perspektiven 2030+“ der IG BCE diskutiert und weiterentwickelt werden. Perspektiven 2030+ zeigt unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten von Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeit auf und will aus den Analysen heraus eine tragfähige Strategie für künftiges betriebs-, mitbestimmungs-, branchen- und gewerkschaftspolitisches Handeln entwickeln. Bei diesem Prozess geht es um die strategische Orientierung im Großen und Ganzen (Makroebene). Die Handlungsfelder für eine Branche wie die kunststoffverarbeitende Industrie und ihre Unternehmen bewegen sich auf der Meso- und Mikroebene – sie sollten kompatibel zur Makroebene und anschlussfähig zur Transformationsstrategie, auch im Sinne wechselseitiger Befruchtung, sein. Auch hierfür hofft die vorliegende Branchenstudie einen Beitrag zu leisten.

Anmerkung: Bitte beachten Sie, dass die Branchenstudie im März 2020 abgeschlossen wurde. Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Branche bleiben also außen vor.  (ega)