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15.03.2012

Glänzende Augen, verklebte Finger

Kunststoff-Modelle von Revell

Der Modellbau begeistert jung und alt, bedient er doch unseren Spieltrieb wie auch die Faszination für Technik gleichermaßen. Und egal ob Rennwagen oder Flugzeug, gesteckt oder geklebt: Polymere dienen hier als Stoff, aus dem Träume maßstabsgetreu wahr werde

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Bereits seit 1943 produziert das US-Unternehmen Revell Kunststoff-Produkte, wenn auch zunächst keine Modellbau-Sets, sondern ein Kosmetikprodukt namens „Lady´s Cosmetic Compact". Erst vier Jahre später erschienen erstmalig Automodelle unter dem Markennamen, damals noch ausschließlich im zusammengebauten Zustand. Erst weitere vier Jahre später entstand die Idee, die separat gegossenen Kunststoff-Teile im unmontierten Zustand auf den Markt zu bringen. Ein Vorschlag, bei dem der Funke nicht sofort auf Firmengründer Lewis H. Glaser übersprang. Überliefert ist seine erste Reaktion: „Why would anybody buy something that was not put together?"

Ein Hobby erobert die Welt

Erst als die Kaufhauskette Woolworth´s Interesse signalisierte, die Bausätze in das eigene Sortiment aufzunehmen, lies sich Glaser umstimmen. Und so erschienen im Jahr 1951 die „Highway Pioneers". 1956 dann schwappte die Welle der Modellbau-Begeisterung über den Atlantik nach Europa, eine deutsche Niederlassung entstand im nordrhein-westfälischen Bünde. In den ersten Jahren übernahm diese den Katalog der Konzernmutter und produzierte mit in den USA gefertigten Spritzguss-Formen. Seitdem erfuhr das Sortiment konstant Erweiterungen, Fahr- sowie Flugzeuge des militärischen und zivilen Bereichs eroberten in einer immer größeren Anzahl die europäischen Hobbykeller und erfüllten diese mit dem Geruch von
Lösungsmitteln.

Verfolgung neuer Ansätze

Neben immer neuen Formen erweiterte das Unternehmen auch die Funktionalität seiner Modelle; ferngesteuerte Varianten fahren und fliegen nun per Knopfdruck durch Garten und Hobby-Raum. Damit erweiterte das Unternehmen sein Portfolio von reinen Anschauungs-Objekten hin zu mehr aktiven Spielzeugen. Diesen Ansatz verfolgen auch die in ihrer Detaillierung leicht reduzierten Modelle der Easy-Kit-Reihe, die Bastler ohne Klebstoff durch simples Zusammenstecken in ihre Form bringen. Diese richten sich, beispielsweise durch ihre Star-Wars-Themen, mehr an Modellbauer der jüngeren Semester, die das fertige Stück nicht nur bewundern sonder auch anfassen möchten. Das macht sich auch beim Werkstoff bemerkbar: Bestehen die klassischen Modellbausätze aus Polystyrol (PS), sind die Easy-Kit-Varianten aus robusterem ABS gefertigt. Für seine Bausätze hat das Unternehmen eigens einen speziellen PS-Kleber im Angebot, der chemisch weniger Bewanderten in der Vergangenheit oftmals eine Lehrstunde in angewandter Alchemie bescherte: In verschiedenen Internet-Foren sind dort Beiträge von verärgerten Käufern zu lesen, die erfolglos versuchten Alltags-Gegenstände aus anderen Werkstoffen zu verkleben. Der Autor dieser Zeilen kann aber aus eigener Erfahrung versichern, dass das genannte Thermoplast nicht das einzige Material ist, auf dem das Revell-Produkt seine adhäsive Wirkung tut. Es klebt auch vorzüglich auf der Haut.

 

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