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30.01.2012

Zuversicht fürs neue Jahr

Jahresprognose 2012 für die Kunststoffverarbeitung

2011 brachte in der Kunststoffverarbeitung einen neuen Produktionsrekord den niemand vorher zu hoffen gewagt hätte. Was ist für 2012 zu erwarten? Wie jedes Jahr wollen wir zu Jahresanfang eine Prognose für die Kunststoffverarbeitung abgeben.

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Eine endgültige Bilanz für das Jahr 2011 können wir derzeit noch nicht ziehen, denn Daten liegen nur bis zum Oktober vor. Die Produktion stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 um 6,7 Prozent (1). Für das Gesamtjahr erwarten wir allerdings ein etwas geringeres Wachstum. Denn die Wachstumsraten gingen im Verlaufe des Jahres kontinuierlich zurück, auf zuletzt noch 2,5 Prozent im Zweimonatszeitraum Oktober und September. Seit dem dritten Quartal 2010 wurde zum sechsten Mal in Folge ein neuer Produktionshöchststand erzielt - bezogen auf die jeweiligen Vergleichszeiträume aus der Vergangenheit. In den ersten zehn Monaten 2011 lag man immerhin um 4,2 Prozent über dem bisherigen Spitzenniveau aus dem Vergleichszeitraum 2008.

Teilbranchen
Die Konjunktur in den Teilsektoren verläuft sehr unterschiedlich. Die Halbzeugherstellung (Platten, Folien, Rohre, Profile) entwickelte sich zunächst ähnlich wie die Gesamtbranche, allerdings mit niedrigeren Wachstumsraten (2). Der nachfolgende Absturz fiel etwas schwächer aus, der Aufholprozess ging ähnlich rasch voran und im Jahresverlauf 2011 sanken die Wachstumsraten dann sehr schnell und deutlich. Im September und Oktober gab es allerdings einen Produktionsrückgang, nachdem im Juli und August fast schon Wachstumsstillstand herrschte. Trotzdem hat man auf die ersten zehn Monate gerechnet 2011 einen neuen Produktionsrekord aufgestellt, immerhin zwei Prozent über dem Vergleichswert 2007.
Die Verpackungshersteller haben in den ersten zehn Monaten 2011 ebenfalls einen neuen Produktionsrekord erzielt (3), 2,8 Prozent über dem Vergleichszeitraum 2008. Der Verpackungsbereich war von der Rezession noch weniger scharf erfasst als die Halbzeugherstellung, das Wachstum hat sich in diesem Jahr dort ebenfalls zuerst abgeschwächt, um dann in den beiden Sommermonaten bei einer schwarzen Null zu stagnieren. Im September und Oktober hat sich die schwarze Null in eine rote verwandelt.
Die Baubedarfsherstellung erreichte mit einem Plus von 5,5 Prozent in den ersten zehn Monaten 2011 zum zweiten Mal in Folge einen historischen Produktionsrekord (4). Gegenüber dem letzten Hoch vor der Krise in 2006 beträgt das Plus 8,2 Prozent. Schon seit 2007 war in diesem Segment die Produktion zurückgegangen, von der Rezession wurde man aber kaum berührt. Die Wachstumsraten sinken auch hier im Jahresverlauf, im September und Oktober stagniert die Produktion erstmals seit langem wieder bei einer roten Null.
Die Produzenten von Technischen Teilen und Konsumwaren hatten die heftigsten Einbußen im Abschwung zu verzeichnen (5), mit Rückgängen von teilweise 20 Prozent und mehr. Sie konnten sich schnell wieder erholen und sind neben den Baubedarfsherstellern die eigentlichen Gewinner des Aufschwungs und seine wesentlichen Stützen. Selbst in diesem Jahr halten sie ein hohes Wachstumstempo, wo man doch eigentlich mir einer Normalisierung auf niedrigem Niveau zu rechnen hatte. Im September und Oktober betrug das Plus noch immer 7,8 Prozent. Auf die ersten zehn Monate gerechnet beträgt die Produktionssteigerung gegenüber der letzten Produktionsspitze 2007 immerhin 4,6 Prozent.

Umsatzentwicklung
Die meiste Zeit wurde der Aufschwung vom Inland getragen (6), im September und Oktober hat sich aber das inländische Neugeschäft mit nur noch 2,5 Prozent Plus so weit normalisiert, dass es sich der geringeren Wachstumsgeschwindigkeit der Auslandsnachfrage (plus 2,2 Prozent) angepasst hat. War vorher die Eurozone Hauptstütze des Auslandsgeschäfts, hat ihr inzwischen das übrige Ausland leicht den Rang abgelaufen.
In der Halbzeugbranche löste die Inlandsnachfrage zuerst das Auslandsgeschäft als Wachstumsmotor ab (7). Nachdem sich die Wachstumsraten stark abgeschwächt und angeglichen hatten, ging das Neugeschäft im Inland im September und Oktober um 1,5 Prozent zurück, im Ausland aber nur mit 0,5 Prozent. Außerhalb der Eurozone gab es sogar ein minimales Plus.
Wiederum völlig anders der Verpackungssektor (8). Hier trägt das Inland den sehr stabilen Aufschwung mit Wachstumsraten zwischen drei und sieben Prozent. Die Auslandsnachfrage ist dagegen permanent im Minus. War es anfangs hier das Nicht-Euro-Ausland, hat sich die Lage inzwischen ins Gegenteil verkehrt: Nunmehr geht das Geschäft in der EU-Zone zurück, während Wachstumsimpulse aus Ländern außerhalb des Euro kommen.
Im Baubedarfssektor war das Inland bisher klarer Konjunkturmotor (9). Im zweiten Quartal 2011 hat sich hier das Wachstum stark abgeschwächt, seither sinken die Umsätze. Das Ausland hatte sich im ersten Halbjahr zum Aufschwung aufgerappelt, der Aufschwung dauerte bis in den Sommer, im September und Oktober ist das Geschäft hier aber wieder rückläufig. Dabei trug nur die Nachfrage aus der Eurozone zur vorübergehend positiven Entwicklung bei, die Umsätze mit den Nichteuroländern entwickelten sich durchgehend rückläufig.
Bei den Technischen Teilen und Konsumwaren wechseln sich In- und Auslandsgeschäft in der Führungsrolle ab (10). Im Ausland hat sehr schnell die Eurozone die Aufgabe des Wachstumsmotors übernommen. Das Geschäft mit Ländern außerhalb des Euro ist teilweise nur halb so schnell gewachsen, aber auch hier sind Wachstumsraten über 5 Prozent die Regel.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass fast in allen Teilsektoren das Inlandsgeschäft die Konjunkur ankurbelt. Lediglich bei den Herstellern von Technischen Teilen und Konsumwaren leistet das Ausland durchweg substantielle und verlässliche Beiträge. Dieser Sektor ist neben der Verpackungsherstellung als einziger auch konstant im Plus.

Jahresprognose 2012
Für 2011 hatten wir unserer letztjährigen Prognose ein Wachstum zwischen drei und fünf Prozent vorhergesagt, aber eher die obere Grenze für wahrscheinlich gehalten. Nun zeigt sich, dass das Wachstum vermutlich sogar über sechs Prozent liegen könnte. Das ist überraschend und erfreulich zugleich. Es ist völlig klar, dass dies nicht so weiter gehen kann. Die Kunststoffverarbeitung hat ein derart hohes Produktionsniveau erreicht, dass man sich fragt, wohin der Weg noch führen kann. In einem früherem Beitrag (PV 62 (2011), 10, S. 16) haben wir das auch darauf zurückgeführt, dass die deutschen Verarbeiter vor allem die EU-Konkurrenz verdrängt haben. Vermutlich wird man auch weiter Marktanteile gewinnen.
Entscheidend ist aber nach wie vor die allgemeine Konjunkturlage. Und hier scheiden sich die Geister, man sieht sich mit einer Kakaphonie der Stimmen konfrontiert. Professionelle Konjunkturbeobachter sind sich nicht einig, wechseln auch mal schnell von heute auf morgen ihre Einschätzung. Und die Industrie scheint allen Unkenrufen zum Trotz immer noch vor Zuversicht zu strotzen, wie neueste Umfragen zeigen.
Vor diesem Hintergrund ist es sehr schwierig eine Einschätzung der wahrscheinlichen weiteren Konjunkturentwicklung abzugeben. Geht es weiter wie bisher, werden alle bekannten Risikofaktoren (Kredit-, Euro-, Schuldenkrise, Abschwächung des Wachstums in Fernost und schwächelnde Weltkonjunktur, Ölpreisentwicklung, politische Risiken wie Iran und mögliche Blockade der Öltransportwege) unter Kontrolle gehalten oder in ihrer Entfaltung begrenzt, dürften die Wirtschaft und damit auch die Kunststoffverarbeitung weiter wachsen. Kommt es zu einer krisenhaften Zuspitzung einer oder mehrerer Risikofaktoren, kann uns auch eine drastische Konjunkturwende und gar ein erneuter Absturz ins Haus stehen.
Daten zum Auftragseingang werden für die Kunststoffverarbeitung leider nicht mehr erhoben. In wichtigen Abnehmerbranchen (Elektrotechnik und Optik, Maschinenbau und Automobilbau) halten die Auftragseingänge sich aber auf hohem Niveau oder legen weiter deutlich zu. Zudem ist die Komsumneigung im Inland noch immer ungebrochen. Schließen wachsen Beschäftigung und Realeinkommen. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass es irgendwo drastische Einbrüche geben könnte. Das alles lässt hoffen.
Für den Fall, dass einige der oben genannten schwärenden Probleme gelöst werden oder wenigstens weiter so vor sich hin köcheln wie bisher und nicht eskalieren, könnte die Kunststoffverarbeitung auch im nächsten Jahr so zwischen 1,5 und 2,5 Prozent wachsen. Den anderen Fall, eine krisenhafte Zuspitzung und Kippen der Konjunktur wollen wir uns gar nicht ausmalen.
Der Jahresauftakt 2012 sollte auf jeden Fall gelingen, die Produktion in der Kunststoffverarbeitung sachte weiter epandieren. Für die spätere Entwicklung legen wir die Hand nicht ins Feuer, aber das Glas ist halb voll. Es besteht Grund zur Zuversicht, und Optimismus war noch immer der beste Wachstumsmotor.

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