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21.09.2011

Kunststoffverarbeitung

Halbjahresbilanz 2011 – und weiter?

Die Fakuma steht ins Haus. K’-Jahre ausgenommen ist sie das alljähr-liche Stimmungsbarometer für die Kunststoffverarbeitung. Heuer dürfte es besonders spannend werden, denn die Kunststoffverarbeitung hat eine stürmische Aufholjagd hinter sich, und man fragt sich, wie es wohl weitergehen wird.

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Die Fakuma steht ins Haus. K'-Jahre ausgenommen ist sie das alljähr-liche Stimmungsbarometer für die Kunststoffverarbeitung. Heuer dürfte es besonders spannend werden, denn die Kunststoffverarbeitung hat eine stürmische Aufholjagd hinter sich, und man fragt sich, wie es wohl weitergehen wird. Dieser Tage liest man von neuerlicher allgemeiner Wachstumsschwäche und allerhand anderen angeblich dräuenden Menetekeln. Im Vorfeld der Fakuma wollen wir zuerst eine Bilanz des ersten Halbjahres 2011 ziehen. Und danach die weiteren Aussichten für die Verarbeiterbranche beurteilen
Frisch auf dem Tisch: Daten für den Juni. Produktions-, Umsatzindex und Monatsberichte für die Branche, für Betriebe ab 50 Beschäftigten. Im letzten PV (PV, 62, (2011), 8, S. 12) hatten wir die Daten des ersten Quartals 2011 zur Kunststoffwarenproduktion in Betrieben ab 20 Beschäftigte unter die Lupe genommen. Auf dieser breiteren Basis zeigten sich keine gravierenden Unterschiede zu den Branchendaten für Betriebe ab 50 Beschäftigte.
Nach drei Wachstumsjahren brachen die Umsätze in der Rezession 2009 um 14,8 Prozent ein (1), auf 40,4 Milliarden Euro, ungefähr auf halbem Weg zwischen 2005 und 2006. Der Umsatzrekord aus dem Jahr 2008 hatte bei 46,9 Milliarden Euro gelegen. 2009 setzte man demnach 6,5 Milliarden Euro weniger um. 2010 erholte sich die Produktion dann überraschend schnell. Mit 46,2 Milliarden Euro konnte man an das frühere Niveau fast wieder anknüpfen. Personalaufstockungen in den Wachstumsjahren bis 2008 hatte die Zahl der Betriebe (2) über der Berichtsgrenze von 50 Beschäftigten stetig steigen lassen, auf zuletzt über 1.600. 2005 waren es noch 1.465 gewesen. Überproportional wuchs zudem die Zahl der Beschäftigten von 234.000 auf 248.000. In der Krise und in der Erholungsphase ging die Zahl der Beschäftigten auf 237.000 im Jahresdurchschnitt 2010 zurück. Mit Auslaufen der Krise hatten die Betriebe wieder mit Einstellungen begonnen. Schon im ersten Halbjahr 2011 wurde fast der alte Stand aus 2008 wieder erreicht. Dank Kurzarbeiterregelungen war der Personalabbau minimal ausgefallen, so dass im Aufschwung nur wenige Mitarbeiter (wieder) rekrutiert werden mussten.

Export beschert Umsatzrekord

Im ersten Halbjahr 2011 setzte sich der Aufwärtstrend weiter fort (3). Der Umsatz stieg gegenüber den ersten sechs Monaten 2010 um 13,3 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro. Damit wurde der frühere Rekord aus dem ersten Halbjahr 2008 um 900 Millionen Euro übertroffen. Auslandsumsätze zeichnen für diesen Rekord verantwortlich, die Inlandsumsätze sind lediglich auf früheres Niveau zurück gerobbt.
Im ersten Halbjahr 2010 erholten sich die Umsätze um 14,8 Prozent (4), der Einbruch von 20,1 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2009 war aber längst nicht kompensiert. In der zweiten Jahreshälfte 2010 ging es um 13,6 Prozent nach oben, der Rückgang des zweiten Halbjahres 2009 war damit mehr als ausgeglichen. Anders ausgedrückt: Es wurde eine neuer Umsatzrekord erzielt, mit ca. 100 Millionen Euro über dem früheren Höchststand aus den ersten sechs Monaten 2008. In diesem Jahr könnte, bezogen auf Betriebe ab 50 Beschäftigte, möglicherweise erstmals die Marke von 50 Milliarden Euro Umsatz überschritten werden. Dazu wäre ein Plus von mindestens fünf Prozent nötig (4).

Produktion zeigt nach oben

Alles deutet jedenfalls auf anhaltend gute Konjunktur (5). Im zweiten Quartal halbierte sich zwar das Wachstum im Vergleich zum Vorquartal, aber das Produktionsniveau stieg auf einen neuen absoluten Rekordwert und lag sechs Prozent höher als im zweiten Quartal 2010. Der Rückgang der Wachstumsrate nach Ende der Aufholjagd war von uns als zwangsläufig mehrfach thematisiert worden. Insgesamt liegt das Mehr in den ersten sechs Monaten bei 8,6 Prozent, Vergleichbares haben wir zuletzt 2007 gesehen (5). Da die Produktion den Umsätzen voraus läuft, ist zu erwarten, dass es also zumindest im dritten Quartal noch ein erkleckliches Umsatzplus gegeben haben dürfte.

Teilbranchen im Einzelnen

Für die Halbzeughersteller (Folien, Platten, Profile) geht es ebenfalls weiter aufwärts (6), das Wachstum hat sich dort aber noch stärker abgeschwächt und lag im zweiten Quartal noch bei 4,8 Prozent. In der Halbjahresbilanz 2011 fällt der Zuwachs aber fast genauso stark aus wie in der Gesamtbranche.
Auch bei den Verpackungsherstellern geht es voran (7). Im Vergleich zum ersten Quartal steigt die Produktion moderat, gegenüber dem Vorjahresquartal beträgt das Wachstum 4,5 Prozent. Da die Branche weit weniger unter der Rezession gelitten hatte, war auch das Aufholpotential geringer. Aber das Wachstum ist stark genug, um im ersten Halbjahr eine klare Rekordproduktion einbringen zu können.
Hersteller von Baubedarfsartikeln (8) waren von der Rezession nur wenig tangiert. Produktionsrückgänge waren eher witterungsbedingt. Die ersten Quartale fielen jeweils so schlecht aus, dass die Produktion sowohl 2008 als auch 2009 sank. Sie hat sich seither aber prächtig erholt und vor allem im ersten Quartal 2011 einen richtigen Satz gemacht. Im ersten Halbjahr 2011 resultiert daraus eine richtige Rekordproduktion. Hier könnte der Aufschwung noch weit ins zweite Halbjahr hinein tragen.
Bei den Herstellern von Technischen Teilen und Konsumwaren, die den Großteil der Betriebe stellen, setzte sich der Aufschwung ebenfalls fort. Im Vergleich zum Vorquartal gab es im zweiten Vierteljahr aber keine nennenswerte Produktionssteigerung mehr (9). Gegenüber dem Vorjahresquartal lag die Produktion aber um 7,7 Prozent höher. Für das erste Halbjahr 2011 resultiert ein Wachstum von 9,9 Prozent, zum Großteil noch Ergebnis der Aufholjagd, denn die Produktion liegt nur geringfügig über dem Niveau des ersten Halbjahres 2008. Im Unterschied zu anderen Teilbranchen hat man hier die Krise also gerade mal überwunden und kann jetzt wieder nach vorn blicken.

Auftragseingang in Abnehmerbranchen

Leider werden Auftragseingänge für die Kunststoffverarbeitung nicht mehr erhoben, obwohl sie doch eine Schlüssel- und Zukunftsbranche ist. Wir müssen uns mit dem Blick auf Auftragseingänge für einige wichtige Abnehmerbranchen begnügen. Im Maschinenbau (10) geht es seit dem Tief 2009 fast stetig aufwärts, das Niveau der Auftragseingänge steigt wieder deutlich an. Von früheren Spitzenwerten ist man aber noch ein Stück weit entfernt, derzeit liegt das Volumen des Neugeschäfts irgendwo zwischen 2006 und 2007. Im zweiten Quartal gingen etwas weniger Aufträge ein als im ersten, insgesamt lag man aber wesentlich höher als im Vorjahresquartal. Ähnliches gilt auch für die Kraftfahrzeugbranche und die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen, wobei diese Branchen nicht ganz so weit von früheren Auftragsrekorden entfernt sind wie der Maschinenbau. Ein Sonderfall ist die Elektronik und Optik. Diese hat nach rezessionsbedingtem Einbruch einen enormen Aufschwung genommen und frühere Auftragshochs hinter sich gelassen. Der Boom der Kunststoffverarbeitung wird vor allem durch Nachfrage aus Branchen getrieben, die besonders zulegen. Und darüber hinaus profitiert man von der ständigen Ausdehnung der Kunststoffanwendungen in vielen Geschäftsfeldern, besonders im Maschinen- und vor allem dem Fahrzeugbau. Auch wenn deren Geschäft von früheren Spitzenwerten entfernt ist, so lebt die Kunststoffverarbeitung auch davon, dass die Anwendungsmöglichkeiten von Kunststofflösungen ständig wachsen. Auf diese Weise kann die Branche geringere Geschäftstätigkeit in einigen Abnehmerbranchen kompensieren.

Weitere Aussichten

Der Aufschwung hat sich dieses Jahr also fortgesetzt, Umsätze und Produktion wachsen zu neuen Rekorden, das Wachstum normalisiert sich aber nach erfolgreicher Aufholjagd. Auftragseingänge in wichtigen Abnehmerbranchen signalisieren zwar keine Nachfragesteigerungen, aber anhaltend gutes Geschäft auf hohem Niveau. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das aber immer noch kräftiges Wachstum. Bis Jahresende zumindest muss es einem um die Konjunktur der Kunststoffverarbeitung nicht bange sein. Die Fakuma dürfte uns wichtige Indizien dafür liefern, wie die Betriebe gestimmt sind. Nach unserer Erkenntnis hätten sie Grund zu verhaltenem Optimismus. Selbst bei weiter sinkenden Wachstumsraten dürfte dieses Jahr ein Plus von fünf Prozent auf jeden Fall drin sein. Die deutschen Verarbeiter nehmen diesbezüglich eine Sonderstellung ein. Wie es ihrer Konkurrenz ergeht, werden wir im Oktoberheft ergründen. Traditionell werfen wir vor Messen einen Blick über die Grenzen. Aus gegebenem Anlass soll uns dieses Mal die Konjunkturfrage beschäftigen.

 

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