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Kunststoff-Netzwerk Franken: Anwenderforum Kunststoff zum Thema Rohstoffsicherheit

14.04.2011

Am 22. März fanden sich in Bayreuth Produktionsverantwortliche, Entwickler, Einkäufer sowie Material- und Qualitätsverantwortliche zusammen, um die Dynamik an den Rohstoffmärkten zu diskutieren und Lösungsansätze auszutauschen.

Rohstoffverfügbarkeit | Preise | Recycling

Hans Rausch, Geschäftsführer beim Kunststoff-Netzwerk Franken, moderierte das von dem Netzwerk veranstaltete Anwenderforum Kunststoff 2011 mit den Titel „Rohstoffmarkt im Umbruch: Ursachen - Auswirkungen - Lösungsansätze". In seinem Grußwort unterstrich der Regierungspräsident von Oberfranken, Wilhelm Wenning, die Bedeutung der Kunststoffbranche für die Region.

Zum Einstieg präsentierte Martin Popella (Ticona, Kelsterbach) die Ursachen der gegenwärtigen Umbrüche auf den Materialmärkten und die daraus resultierende Reaktionskette aufseiten der Materialhersteller, der Materialdistributoren und der Verarbeiter. Er prognostizierte, dass sich für alle Polymerrohstoffe ein weiteres Nachfragewachstum einstellen werde. Wachstumstreiber seien dabei die Polyolefine. Gegenwärtig werden große Produktionskapazitäten in Asien und im Mittleren Osten aufgebaut. Zusammenfassend resümierte er, dass das Kunststoffwachstum weiter nachhaltig erfolgen werde, wobei jedoch eine deutliche Verschiebung auf den Märkten zu erwarten sei. In Europa müsse es Ziel sein, die Technologieführerschaft zu behaupten. Nur mit Hightech-Anwendungen ließe sich der Fertigungsstandort Europa sichern.

Dr. Lothar König (Analytik Service Obernburg Mainsite) widmete sich dem Thema Reach und die Folgen für die industrielle Praxis. Im Rahmen der Reach-Verordnung würden Unternehmen mit Werkstofflisten konfrontiert, die bei der Produktion nicht zur Anwendung kommen dürfen. Der Lieferant müsse sicherstellen, dass diese Stoffe nicht in das Endprodukt eingehen. Aufwendige Analysen seien die Folge. König zeigte einen kosten- und zeiteffizienten Weg auf, der die notwendigen Untersuchungen durch geschickte Kombination von Relevanzbeurteilungen und Gruppenanalyseverfahren auf einige wenige zu reduziert.

Alexander Näck (Allod, Burgbernheim) beleuchtete die Auswirkungen der derzeitigen Situation auf den Rohstoffmärkten aus der Sicht des Compondeurs. Die Verknappung verschiedener Rohmaterialien führe zur Erhöhung der entsprechenden Lieferzeiten und zu teilweise drastischen Preisanstiegen. Am Beispiel Naturkautschuk wirke sich dies insbesondere auf den TPE-Bereich aus. Derzeit würden gerade beim IPTM-Kautschuk schätzungsweise 100.000 t Produktionskapazitäten weltweit fehlen. Seit September 2010 sei der Rohölpreis um etwa 29 % gestiegen, was zu einem Preisanstieg bei PP um rund 12 % im selben Zeitraum geführt habe. Einige PP-Typen seien überhaupt nicht mehr lieferbar. Die Freigabe von Alternativtypen führe zu hohem Bemusterungsaufwand bei Kunden und Compoundeuren. Die Reglementierungen von Reach hätten zum Wegfall von Materialien und Materialalternativen geführt. Dies zwinge zu einem sehr hohen Dispositions- und Logistikaufwand, um die Lieferfähigkeit für die Stammkunden aufrecht zu erhalten.

Materialbeschaffung als Herausforderung für Kunststoffverarbeiter lautete der Titel des Vortrags von Dr. Thomas Zeiler (Maincor, Knetzgau). Gerade in die Jahre 2010/2011 hätten teils extreme Preissteigerungen bei den Rohstoffen gebracht und zu einer schwierigen Ertragssituation bei den Verarbeitern geführt. Unterschiedlichste Materialien vor allem Spezialtypen, aber auch Commodities seien von diesen Lieferproblemen betroffen. So sei bei Commodity-Produkten von Januar 2009 bis Februar 2011 ein Preisanstieg von 81 % registriert worden. Vorprodukte wie zum Beispiel Benzol verteuerten sich im selben Zeitraum um 456 %. Bei der Betrachtung der Preisentwicklung erkenne man, dass zusätzlich Aufschläge bei der Verarbeitung vorgenommen wurden. Als mögliche Auswege nannte Zeiler die Verwendung von Regranulaten, er plädierte für eine Erhöhung der Lieferantenanzahl und riet, Neulieferanten zu qualifizieren, die keine dominierende Marktstellung innehaben. Alternativprodukte gelte es, bereits bei der Freigabe festlegen zu lassen. Internationaler Einkauf, eventuell in Form von Einkaufsgemeinschaften, könne ebenfalls helfen. Eine vorausschauende Planung und die Absicherung der Mengen durch Kontrakte seien absolut notwendig. Eventuell müssten auch größere Lager in Kauf genommen werden. Im Metallbereich sei es seit Langem üblich, eine Verarbeitungspauschale zu verrechnen und den Rohmaterialpreis anschließend aufzuschlagen. Auf diese Weise werde das Rohstoffrisiko vom Verarbeiter genommen und eine entsprechend faire Preisgestaltung auch gegenüber dem Endkunden ermöglicht.

Mit der Rohstoffsicherheit über ein Rohstoffmanagement durch Recycling befasste sich Kurt Keltsch (Inteum, Berumbur). Im Gewerbeabfall liege bares Geld verborgen, plädierte er für eine stoffliche Verwertung im Gegensatz zur thermischen. Kunststoffe könnten sortiert, vermahlen und regranuliert werden. Ähnliche Verfahren gäbe es für Metalle und Hybridabfälle wie Kunststoff-Metall-Verbindungen. Der Einsatz von Regranulaten führe zu einer Verbesserung der Umweltbilanz im Unternehmen und sorge außerdem dafür, dass bereits gekaufte Rohstoffe dem Unternehmen zur Produktion weiterhin zur Verfügung stünden. Er rief alle Beteiligten auf, das Potenzial im eigenen Hause zu überprüfen.

Im abschließenden Vortrag betrachtete Reinhold Riedmüller (Invenio, München) die Rohstoffsituation unter dem Aspekt des Produkt Lifecycle Cost Managements. Diese Betrachtungsweise sei die Voraussetzung dafür, die Technik und Technologie zu präzisieren, Kostentreiber zu identifizieren und letztendlich Einsparpotenziale zu realisieren. Ein steigender Kostendruck durch neue Produkte bzw. Produktüberarbeitungen mache es notwendig, immer komplexere Materialien für die zunehmende Komplexität der Produkte zu entwickeln und einzusetzen. Der Wegfall von Sondertypen durch die Produktbereinigung von Rohstofflieferanten wirke sich negativ auf die Handlungsalternativen der Unternehmen aus. Ein Lösungsansatz könne die Vermeidung von Spezialtypen bei der Angebotsabgabe sein. Auch solle, wenn möglich, nur die Materialtype für ein Bauteil festgelegt und auf eine Spezialisierung des Materiallieferanten verzichtet werden. Dadurch ließen sich eventuelle spätere Versorgungsschwierigkeiten vermeiden. Eine materialgerechte Konstruktion ermögliche unter Umständen den Einsatz von recyclingfähigen Materialien, die eine direkte Rückführung erlauben. Dies sei bereits bei der Angebotsabgabe zu berücksichtigen. Auch der Einsatz von Biokunststoffen könne eine Alternative darstellen.

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