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28.04.2011

"Rasendes" Kunstwerk für Le Mans

Wie eine PVC-Folie einen Rennwagen zum Design-Objekt macht

Wer im vergangenen Jahr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Frankreich verfolgt hat, hat das „rasende“ Kunstwerk sicher gesehen: den BMW Art Car, ein M3 GT2 mit 4 Litern Hubraum und 500 PS, gestaltet von dem amerikanischen Designer Jeff Koons.

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Seit 1975 haben namhafte Künstler wie Frank Stella, Roy Lichtenstein oder Andy Warhol die Außenhülle von 16 BMW-Fahrzeugen für das Rennen in Le Mans gestaltet. Jeff Koons, dessen Liebe zu Automobilen bekannt ist, brachte sich für diese Design-Aufgabe 2003 selbst ins Spiel, und damit begann auch die Zusammenarbeit von BMW und Koons, die jedoch erst im Februar 2010 bekannt gegeben wurde.
Für das Design sammelte der Künstler Bilder von Rennwagengrafiken, lebhaften Farben und Darstellungen von Geschwindigkeit und Explosionen. Das Ergebnis seiner Design-Entwicklung ist von vielen hellen Kontrastfarben geprägt, um der kraftvollen Ästhetik Ausdruck zu verleihen. Das Konzeptdesign wurde in hart umrissene Farblinien übersetzt. An den hinteren Seitenteilen und auf der Rückseite des Autos befinden sich explosionsartige Grafiken, die die Kraft des Autos widerspiegeln. Die zwei grafischen Ringe auf der Rückseite des Wagens sind Ausdruck für die rasante Beschleunigung.
Um die Entwürfe umzusetzen reiste Koons mehrmals nach Deutschland. Durch die Arbeit mit dreidimensionalen CAD-Modellen des Wagens konnte er die Grafiken auf die Oberflächen des Autos projizieren und aus allen Blickrichtungen prüfen. Koons sowie die BMW-Designer und -Ingenieure unterzogen die Material- und Anwendungsoptionen, die einen wesentlichen Einfluss auf die Optimierung der ästhetischen und aerodynamischen Merkmale des Rennwagens haben, einer gründlichen Prüfung.
Die Herausforderung bei der Kreierung des Außendesigns lag in der Verwendung eines leichten Materials und eines Designs, das die Aerodynamik und das Gewicht des Rennwagens nicht negativ beeinflusst. Auch Zeit war ein wichtiges Thema, weil zwischen den ersten Designskizzen und der Weltpremiere in Paris nur zwei Monate lagen. Aus diesem Grund wurde entschieden, Digitaldruck auf Vinylfolien zu verwenden, eine in den letzten Jahren immer weiter verfeinerte und erprobte Technik. Unter der direkten Leitung und Aufsicht von Koons wurde der Art Car mit Hilfe eines Teams von BMW-Ingenieuren und -Designern bei dem Folienspezialisten Schmid Design, der sich Anfang dieses Jahres in Race Spirit umbenannte, nahe München produziert. Um das Design auf das Auto zu übertragen, wurden für den Druckprozess CAD-Designs von 3D in 2D übersetzt. Als Drucker wurden Roland-Drucker/Schneideplotter des Typs XC 540 eingesetzt; als Folien wurden die Avery MPI 1000 EA RS und das Laminat Avery DOL 1030 verwendet. Nach dem Druck wurde noch eine doppelte Klarlackschicht auf die Folie aufgetragen, um einerseits die Farben zur Geltung zu bringen, aber auch um einen Hochglanzeffekt zu erzielen. Anschließend wurden die Folienstücke in penibler Handarbeit auf das gesamte Auto sowie auf einzelne Ersatzteile aufgetragen.
Das kunstvolle Design – so schön es auch war und ist – war jedoch nicht renn-entscheidend. Nach 53 gefahrenen Runden fiel der BMW Art Car durch einen technischen Defekt aus.

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