Prof. Dr. Christian Hopmann, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV),  ist der Meinung: „Wir brauchen Daten.“ Daher müsse man die ohnehin in der Produktion anfallenden verfügbar machen, um aus diesen relevante Informationen zu ziehen. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Prof. Dr. Christian Hopmann, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV), ist der Meinung: „Wir brauchen Daten.“ Daher müsse man die ohnehin in der Produktion anfallenden verfügbar machen, um aus diesen relevante Informationen zu ziehen. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

„Kunststoff ist der Werkstoff nach Maß.“ Das sagte Prof. Dr. Christian Hopmann, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV) in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen, bei seiner Eröffnungsrede des 29. IKV Kunststoffkolloquiums. Für sich genommen hätten alle rund 850 Teilnehmer dieser Feststellung instinktiv zugestimmt. Hopmann sprach allerdings von Leichtbau und der additiven Fertigung. Denn zumindest bei letzterer ist der Werkstoff Metall zum Teil schon stärker in Anwendungen angekommen als der Kunststoff. Jedenfalls derzeit. Eins ist für Hopmann jedenfalls klar: „Wir [beim IKV] glauben, Kunststoff kann mehr als ein Teil von CFK zu sein. Daher gehen wir das Thema Leichtbau ganzheitlicher an.“ Und wie konkret das aussehen könnte, zeigten auch einige Vorträge. Insbesondere die von IKV-Wissenschaftlern unter anderem zu den Themenkomplexen additive Fertigung und Leichtbau.

Den Anfang machte allerdings Prof. Dr. Sabina Jeschke, Vorstand für Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn. Sie erläuterte die Vorteile von selbstlernender, auf neuronalen Netzen basierter Künstlicher Intelligenz (KI). Sie plädierte in Ihrem Vortrag dafür, einer KI nicht zu viele Vorgaben zu machen, sondern sie stattdessen möglichst frei nach einer Lösung suchen zu lassen. „Denn die Lösung liegt oftmals ganz woanders, als wir anfangs denken.“

Als Beispiel nannte sie einen Ihrer eigenen Versuche, den Spritzgießprozess mittels KI zu optimieren. Dabei gaben sie und ihr Team der Software nur wenige Variablen zur Hand, die diese justieren sollte, um die Bauteilqualität zu erhöhen. Doch die Trefferquote blieb solange niedrig, bis sie auch das Wetter hinzufügte. Damit stieg sie auf über 90 Prozent. Ein Faktor erwies sich hier also als entscheidend, den sie zunächst höchstens im Scherz berücksichtigt hatte. Daraus ließen sich auch Lehren für den weiteren Umgang mit Künstlicher Intelligenz ziehen, ist sie sich sicher.

Der Georg-Menges-Preis 2018 ging an die Interessengemeinschaft innovativer Aachener Unternehmen der Kunststoffbranche (Intra). Im Bild (v.l.) Dr. Herbert Müller, Vorstandsvorsitzender der IKV-Fördervereinigung, Leiter des IKV Prof. Dr. Christian Hopmann, Dr. Erwin Baur als Stellvertreter für den Preisträger Intra und Laudator Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen. (Bildquelle: IKV)

Der Georg-Menges-Preis 2018 ging an die Interessengemeinschaft innovativer Aachener Unternehmen der Kunststoffbranche (Intra). Im Bild (v.l.) Dr. Herbert Müller, Vorstandsvorsitzender der IKV-Fördervereinigung, Leiter des IKV Prof. Dr. Christian Hopmann, Dr. Erwin Baur als Stellvertreter für den Preisträger Intra und Laudator Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen. (Bildquelle: IKV)

Industrie 4.0 braucht keine einheitlichen Daten

In eine ähnliche Kerbe schlug Prof. Dr. Christian Hopmann bei seinem Vortrag zum Thema Industrie 4.0 beziehungsweise „Das Internet der Kunststoffverarbeitung“, wie der Titel lautete. Er ist der Meinung: „Wir brauchen Daten.“ Daher müsse man die ohnehin in der Produktion anfallenden verfügbar machen, um aus diesen relevante Informationen zu ziehen. Dabei widerspricht er dem Anspruch von einheitlichen Daten(formaten). „Stattdessen müssen wir lernen, mit der Heterogenität klarzukommen.“ Ziel des Ganzen müsse es sein, ein vollständiges digitales Abbild der Produktion zu erhalten. Das IKV nennt dies den Digitalen Schatten. Gemeint ist damit ein System, das sich wie ein Schatten in Echtzeit den Veränderungen der Produktion anpasst und abhängig von konkreten Fragestellungen trotzdem Lösungen liefern kann, also weiter seinen Zweck erfüllt.

Neben zahlreichen Vorträgen zu den genannten Leitthemen (der verlinkte Artikel auf www.plastverarbeiter.de liefert hierzu weitere Details), war ein wichtiger Programmpunkt die Verleihung des Georg-Menges-Preises 2018. Dieser trägt den Namen des Vorvorgängers von Hopmann und wurde 1999 anlässlich des 75. Geburtstags von Georg Menges ins Leben gerufen. Er soll besondere Leistungen in der kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der Kunststoffverarbeitung würdigen. Verliehen wird er jedes Jahr auf dem IKV-Kolloquium vom Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, Plastics Europe Deutschland und der Fördervereinigung des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV).

Georg-Menges-Preis geht an Unternehmensgründer

Der Georg-Menges-Preis 2018 ging an die Interessengemeinschaft innovativer Aachener Unternehmen der Kunststoffbranche (Intra). Das ist eine Vereinigung von Unternehmen, die überwiegend als Spinoffs aus dem IKV heraus gegründet wurden. Die Intra gründete sich 1999, um diese Kunststoffkompetenz in der Aachener Region bekannter zu machen. Seitdem hat sie das Ziel, Unternehmensgründer zu unterstützen. Die Intra bündelt die hohe Konzentration von Know-how rund um das IKV und schafft dadurch Synergien. Das stärkt den Standort und dadurch auch jedes einzelne Unternehmen. Die Intra-Unternehmen arbeiten in den folgenden Bereichen: Beratung, Konstruktion, Messtechnik, Software, PR-Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung, Werkstofftechnik, Fertigung und Qualitätssicherung.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de