In der Basiskonfiguration bewältigt der Roboter eine Traglast von 45 kg. (Bildquelle: Wittmann)

In der Basiskonfiguration bewältigt der Roboter eine Traglast von 45 kg. (Bildquelle: Wittmann)

Die digitale Vernetzung stand auf der diesjährigen Fakuma ganz besonders im Fokus. Da haben die Schlagworte Industrie 4.0, Digitalisierung und Big Data ganze Arbeit geleistet, könnte man meinen. Auf der Fachmesse allerdings führten diese Begriffe dankenswerterweise nur wenige Unternehmensvertreter im Mund. Stattdessen ging es einer Industrieschau angemessen um konkrete Produkte und Projekte, Verfahren und Konzepte. Und dort werden die Digitalisierung und digitale Vernetzung eben immer wichtiger. So verfügen neue Produkte in und um die Automation heute nicht nur über Schnittstellen für MES, ERP- oder BDE-Systeme, sondern die Hersteller rücken diese auch zunehmend in den Vordergrund. Dazu kommt: Es zählen weniger die Funktionen; vielmehr geht es um den Nutzen der Anwender. Das heißt, man konnte auf der Fakuma endlich über Digitalisierung reden, ohne den Inhalt versperrendes Marketing-Geblubber à la „in Zukunft steuern sich Fabriken von ganz alleine“.

Linearroboter (Bildquelle: Engel)

Linearroboter (Bildquelle: Engel)

Roboter für Spezialfälle

Denn wie immer finden sich echte Weiterentwicklungen – im Sinne von Verbesserungen – im Detail: Beispielsweise hat Wittmann Robot-Systeme, Nürnberg, den Ruf der Hersteller von Haushalts- und Weißer Ware gehört. Sie deren Anwendungen stellte das Unternehmen den Linearroboter WX163 vor. Er vereint eine relativ hohe Tragslast von 45 kg mit einem hohen Drehmoment. Letzteres erreicht der Roboter mittels einer pneumatischen Kombi-C-Achse. Diese Lösung bietet den zusätzlichen Vorteil, dass damit auf der C-Achse eine variable Montagefläche für den Entnahmegreifer entsteht und die Verdrehsteifigkeit des Gesamtsystems steigt. Wie bei den nicht-hybriden Handlinggeräten des Herstellers werden auch hier die A-, B- und C-Servo-Drehachse durch integrierte Regler angesteuert. Somit behält der Steuerschrank seine übliche Größe bei. Der restliche Achsaufbau ist klassisch gehalten: Horizontalhübe sind bis maximal 18.000 mm erhältlich, die Entformachsen bieten einen Hub von 1.500 mm und vertikal stehen 2.600 mm zur Verfügung.


Marktübersicht Roboter und Handhabungssysteme

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Parallelgreifer (Bildquelle: ASS)

Parallelgreifer (Bildquelle: ASS)

Ebenfalls eine bestimmte Branche und damit spezielle Anwendungsfälle für seine Automation hatte Engel Austria, Schwertberg, Österreich, im Blick als es den Viper 20 Speed entwickelte. Hier war es die Verpackungs- und Medizintechnikindustrie und darin vor allem der Klein- und Mittelmaschinenbereich. „Wir konnten die Dynamik gegenüber dem klassischen Viper 20 um mehr als 30 Prozent steigern“, erklärt Walter Aumayr, Bereichsleiter Automatisierung und Peripherie bei Engel. Mit einer Entnahmezeit von unter einer Sekunde kommt der Linearroboter für Spritzgießprozesse mit Gesamtzykluszeiten um die vier Sekunden zum Einsatz. Zu den typischen Anwendungen gehören das Herstellen von Food-Containern oder Probegefäßen für die medizinische Analytik. Gesteuert wird der Linearroboter über die Spritzgießmaschinen-Steuerung, sofern diese das neueste Modell CC300 ist. Ein Vorteil dieser Integration ist, dass Maschine und Roboter eine gemeinsame Datenbasis nutzen und somit ihre Bewegungsabläufe aufeinander abstimmen.

Der Nadelgreifer ist hitzebeständig und verfügt über eine Ausblasfunktion. (Bildquelle: Gimatic)

Der Nadelgreifer ist hitzebeständig und verfügt über eine Ausblasfunktion. (Bildquelle: Gimatic)

Modulare Greifer sichern Prozessstabilität

Wenn der passende Roboter gefunden ist, fehlt (mindestens) noch der Greifer. Einen variablen und damit vielseitigen Greifer zeigte ASS Maschinenbau, Overath, auf der Fakuma: Der Parallelgreifer PGR-P 40 lässt sich als Außen- und Innengreifer einsetzen. Abhängig von der jeweiligen Backengeometrie und -stellung verfügt er über eine Schließkraft von 150 N. Zudem verfügt der Greifer standardmäßig über Adapterbacken, wodurch sich weitere anwendungsspezifische Anpassungsmöglichkeiten ergeben.

Für das Handling von porösen oder biegeschlaffen Teilen, wie Textilien oder aufgeheizten Organosheets, kommen herkömmliche Greifer schnell an ihre Grenzen. Für diese schwer greifbaren Materialien eignen sich beispielsweise die Nadelgreifer PT28 von Gimatic, Hechingen. Der Nadelhub lässt sich zwischen 1 und 7 mm mittels eines Schraubenziehers einstellen. Der Greifer wiegt 128 g.

Die Greifzangen sind mit hohem Verschleißschutz ausgestattet. (Bildquelle: MF Automation)

Die Greifzangen sind mit hohem Verschleißschutz ausgestattet. (Bildquelle: MF Automation)

Die Greifzangen, die MF Automation, Aschheim, auf der Messe vorstellte, haben besonders die Prozesssicherheit im Fokus. Die Minima und Maxima genannten Geräte haben einen Tastsensor, der wahlweise mit 300 oder 2.000 mm langen Kabel und Stecker erhältlich ist. Der Taster auf der Sensorbacke ist aus Metall – ein großer Vorteil für die Produktsicherheit. Hartcoatierte Oberflächen sorgen für einen hohen Verschleißschutz und eine lange Lebensdauer der Sensorbacken. Die Greifzangen erreichen eine Schließkraft von 8 bar Betriebsdruck.

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David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de