„Der Greifer“, erklärt Georg Schwalme, SKZ, „dient zur Entnahme und dem präzisen Positionieren vor eine Wärmebildkamera.“ Er enthält Hohlräume mit dehnbaren Membranen und lässt sich mittels Druckluft öffnen und schließen, wobei er ohne Druck geschlossen bleibt. Damit ist er nicht nur leicht, sondern verbraucht auch sehr wenig Luft. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

„Der Greifer“, erklärt Georg Schwalme, SKZ, „dient zur Entnahme und dem präzisen Positionieren vor eine Wärmebildkamera.“ Er enthält Hohlräume mit dehnbaren Membranen und lässt sich mittels Druckluft öffnen und schließen, wobei er ohne Druck geschlossen bleibt. Damit ist er nicht nur leicht, sondern verbraucht auch sehr wenig Luft. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Hat die Industrie mittlerweile verstanden, welches Potenzial die additive Fertigung hat – und welches nicht?
Georg Schwalme, SKZ: Um es kurz zu beantworten: Nein, nicht wirklich. Lassen Sie mich das erklären: Ich habe zuletzt einen Vortrag von einem Automobilhersteller über das Thema additive Fertigung gehört. Und der Referent, in diesem Konzern zuständig für additive Fertigung, sagt, deren Vision sei, dass sich die Maschinen selbst steuern. Neuronale Netze sollen dann die Parameter erfassen. Wenn ich sowas höre, denke ich: ja, ist wunderbar. Der braucht auch keine Ausbildung mehr, weil das passiert ja alles auf Basis der Rechnersteuerung. Das glaube ich im Leben nicht, ganz ehrlich, wenn man Spritzgießen und neuronale Netze kennt. Und die kenne ich seit 30 Jahren, weil ich das mal studiert habe. Da gab es die nämlich auch schon. Allerdings steuern die bis heute keinen Spritzgießprozess; in der Universität vielleicht mal ansatzweise und bei vergleichsweise einfachen Prozessen, wie der Extrusion. Aber immer noch nicht in der Praxis.

Und genauso wird es hier bei der additiven Fertigung sein. Die Maschinen benötigen nach wie vor Wissen. Das Wissen der Menschen, die sie bedienen. Und dieses Wissen muss man diesen Menschen beibringen.

Was denken Sie, wie wird sich die Ausbildung für die additive Fertigung entwickeln?
Schwalme: Die additive Fertigung wird sich als Ganzes weiterentwickeln und die Ausbildung muss da Schritt halten – so wie beim Spritzgießen: Vor 70 Jahren hatte die Schließeinheit der Spritzgießmaschine noch einen Hebel zur mechanischen Erzeugung der Schließkraft, den man manuell runtergezogen hat. Manchmal gab es noch ein Thermostat, mit dem der Anwender die Temperatur grob vorgeben konnte. Entsprechend rudimentär war die Ausbildung damals. An Rheologie hat niemand gedacht. Etwas salopp ausgedrückt, hat man eben Kunststoff in die Maschine gekippt und am Hebel gezogen. Wenn unten gute Teile kamen, war man froh, und das hat auch gereicht für die damaligen Ansprüche.

Beim Herstellen von Werkzeugeinsätzen gibt es, vom Verfahren abgesehen, drei Haupteinflussgrößen, die über die Haltbarkeit des Einsatzes sowie die Qualität der Bauteile entscheiden. Bauteilkonstruktion, Material und Prozessparameter der Spritzgießmaschine. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Beim Herstellen von Werkzeugeinsätzen gibt es, vom Verfahren abgesehen, drei Haupteinflussgrößen, die über die Haltbarkeit des Einsatzes sowie die Qualität der Bauteile entscheiden. Bauteilkonstruktion, Material und Prozessparameter der Spritzgießmaschine. (Bildquelle: David Löh/Redaktion Plastverarbeiter)

Heute kann man sich mit dem Bildungsstand keinen mehr an einer Maschine vorstellen. Denn jetzt haben die Spritzgießmaschinen Sensoren, es gibt variable Einspritzprofile, Temperaturprofile und, und, und. Spritzgießen ist mittlerweile also ein komplexer Prozess mit wirklich komplexen Anforderungen an die Einstellparameter und Maschinenbedienung.

Und genauso passiert es bei der additiven Fertigung auch: Das, was wir früher in der Prototypenzeit hatten, waren Drucker, die irgendwie ein Teil gedruckt haben. Wenn man ehrlich ist, dann hat man es halt für den Prototypen hingebogen, vielleicht mit Heißluft noch mal warmgemacht und die Kanten abgeschliffen, und irgendwann hat es funktioniert. Die Zeit ist rum, wenn Sie in Serie bauen.

Haben Sie den Eindruck, dass sich dieses Bewusstsein allmählich durchsetzt? Immerhin wird ja nicht umsonst darüber diskutiert, ob wir einen Kunststofftechniker mit Fachrichtung additive Fertigung brauchen.
Christian Fischer, SKZ: Man muss schon sagen, dass das Wissen unserer Kunden in diesem Bereich in den letzten Jahren ganz sicher gestiegen ist. Wir hören mittlerweile seltener: „Lasst mich in Ruhe mit dem Blödsinn, wir haben das schon mal ausprobiert, mit einem Spritzteil das wir gedruckt haben. Die Qualität war schlecht.“ Stattdessen kommen immer mehr Anwender auf uns zu, die verstanden haben, dass man die Konstruktion auf den Prozess ein bisschen anpassen muss. Und so können wir dann zusammenarbeiten und ein Produkt mit der additiven Fertigung wirklich verbessern.

Schwalme: Ganz wichtig ist aber tatsächlich die Trainingserfahrung. Man muss die Prozesse verstehen. Man kann sich keinen Drucker kaufen, einen Rechner anstecken, drucken und dann hat man ein optimales Bauteil. Das geht nicht.


3D-Druck-Ausbildung oder nicht? Eine schwierige Frage

Der GKV vertritt die gegenteilige Position: Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V. (GKV) ist der Meinung, dass keine spezielle Ausbildung für den 3D-Druck nötig ist. Davon lässt sich das SKZ nicht abhalten, mit der IHK einen Lehrgang zum „Geprüften Industrietechniker Fachrichtung Additive Fertigung“ anzubieten. Dieser setzt allerdings eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus – zum Beispiel in der Fachrichtung Kunststofftechnik.

Marktübersichten bringen Licht ins 3D-Druck-Dunkel

Für Anwender, die die additive Fertigung bereits in der Praxis ausführen oder drauf und dran sind, dies zu tun, hält die Marktübersicht „3D-Druck und additive Fertigung“ die passenden Maschinen und Anlagen bereit. Wer stattdessen lieber einzelne Teile bestellen möchte, guckt sich in der Marktübersicht „Dienstleister der additiven Fertigung“ um. Darin sind Unternehmen aufgeführt, die mit verschiedenen additiven Verfahren ein breites Spektrum an Bauteilen in Auftrag herstellen.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de