Karl-Heinz Mäder, Sales Manager von FPT: "Eine flexible vollautomatisierte Produktion gewährleistet das Optimum an Produktivität." (Bildquelle: FPT)

Karl-Heinz Mäder, Sales Manager von FPT: „Eine flexible vollautomatisierte Produktion gewährleistet das Optimum an Produktivität.“
(Bildquelle: FPT)

Redaktion Plastverarbeiter: Die Automation erschließt in der Kunststoffverarbeitung stetig weitere Anwendungsfelder. Derzeit sind in der Masse der Anwendungen aber vor allem Roboter für die Bauteil-Entnahme im Einsatz. Welche Aufgaben werden Roboter in Zukunft zusätzlich in der Mehrzahl der Anwendungen übernehmen? Wohin geht der Trend?
Karl-Heinz Mäder: Zukünftig werden Roboter neben reinen Entnahmetätigkeiten immer mehr für Zusatzaufgaben wie Einlegen, Prüfen, Montieren und Verpacken eingesetzt. Die Trends gehen ganz klar in Richtung komplexere Baugruppen und Variantenvielfalt. Hohe Qualitätsanforderungen und Kostendruck erfordern eine intelligente, flexible Prozessintegration durch Automatisierung. Die Anforderungen an komplexe Automatisierungen steigen drastisch.

Welche Rollen spielen Roboter in Bezug auf Produktionseffizienz?
Mäder:
Die Roboter und die damit verbundene Steuerungsphilosophie spielen bei den erforderlichen Produktivitätssteigerungen die entscheidende Rolle.

Beim Spritzgießen bildet der Prozess-Grundzyklus der Spritzgießmaschine, verbunden mit der jeweiligen Werkzeug- und Werkstofftechnologie, die Grundlage für Effizienz.

Für die Umgebungsprozesse sind Roboter die idealen Aktoren, da sie mit der SGM zykluskonform und bewegungskonstant größtmögliche Effektivität bieten. Parallel können durch zentrale Steuerungskonzepte sämtliche Prozessparameter überwacht, und auf Änderungen intelligent reagiert werden.

Wie lassen sich das Einrichten, der tägliche Umgang sowie die Wartung von Robotern beziehungsweise Roboterzellen möglichst einfach für den Anwender gestalten?
Mäder:
Komplexe Technik einfach zu Bedienen und zu Programmieren ist der Lösungsweg wie Anwender Ihr Prozess-Know-how selbst direkt mittels Robotik umsetzen können und damit auch unabhängig werden. Konkret heißt dies beispielsweise, dass Roboter Bedien- und Programmieroberflächen in den jeweiligen gewohnten Sprachen der Spritzgießmaschine oder der verbreiteten SPS-Oberflächen realisiert werden müssen. Ein weiterer Ansatz zur Vereinfachung ist die Gestaltung von Standards in der Maschinentechnik sowie in den Steuerungsebenen.

Welche Rolle spielen Roboter bei der Frage, wie sich die Produktion weiter in Deutschland halten beziehungsweise zurückholen lässt?
Mäder:
Eine flexible vollautomatisierte Produktion gewährleistet im bestmöglichen Fall das Optimum an Produktivität. Damit ist der Faktor Lohnkosten nebensächlich. Es entscheiden Faktoren wie Infrastruktur, Marktnähe, Qualitätsstandards und Logistikkosten.

Die Frage ist, wie reagiert Deutschland auf die Automatisierungstendenzen in Asien. Da wurden meiner Meinung nach in vielen Unternehmen die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. (Karl-Heinz Mäder, Sales Manager von FPT, Amtzell)

Wie schnell können die asiatischen Unternehmen den deutschen Automatisierungstendenzen entgegenwirken?
Mäder: Japan hat einen extrem hohen Automatisierungsgrad und hat es deutschen Unternehmen vorgemacht. In anderen asiatischen Ländern, die wir noch zu den sogenannten Billiglohnländern zählen, gibt es eine rasante Entwicklung zur Automatisierung durch Roboter. Genau wie in Europa wird bei der Planung von Neuinvestitionen versucht den Gewinn durch den Einsatz von Robotik zu maximieren. Die Frage ist, wie wird in Deutschland reagiert, da meiner Meinung nach in vielen Unternehmen die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt wurden.

Roboter werden derzeit ja gern mit der sogenannten Industrie 4.0 in Verbindung gebracht. Was ist Ihre Vorstellung von der Industriellen Revolution?
Mäder: Den Roboter würde ich nur indirekt mit Industrie 4.0 in Verbindung bringen, da er auch nur ein Baustein im Gesamten darstellt. Revolutionierend ist die intelligente Vernetzung und Kommunikation aller beteiligten technischen Produktionsfaktoren untereinander und dem Menschen.

Meine Vorstellung vom Idealzustand 4.0 ist, dass sämtliche Prozesse über Sensorik gesichert und überwacht werden. Dezentrale und zentrale Intelligenz sichert oder fällt Entscheidungen und kommuniziert mit übergeordneten Systemen wie beispielsweise MES. Das Produkt selbst, oder ein Teil davon, kommuniziert während seiner Entstehungsphase mit der Produktionsumgebung und relevante Entscheidungen wie beispielsweise Rüstvorgänge bei Variantenfertigungen werden direkt automatisch getroffen und umgesetzt. Die Digitale Fabrik hält ganzheitlich auch in der Produktion Einzug.

Welche Rolle spielen die Roboter in der Industrie 4.0?
Mäder:
Roboter sind abstrakt gesehen, weiterentwickelte optimierte Produktionsmaschinen, die sich ständig durch Neuentwicklungen der Mechaniken, Steuerungen und Sensorik weiteren Anwendungsfelder erschließen. Im Sinne „Internet der Dinge“ und was man davon in der Produktion als 4.0 versteht, spielen die Steuerungs- und Kommunikationsintelligenz der Roboter immer mehr die entscheidende Rolle.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.

david.loeh@huethig.de