Der Spritzguss spielt traditionell eine große Rolle auf der Fakuma. Spritzgießmaschinen sind entsprechend das Herz des Verfahrens. (Bildquelle: Schall)

Der Spritzguss spielt traditionell eine große Rolle auf der Fakuma. Spritzgießmaschinen sind entsprechend das Herz des Verfahrens.
(Bildquelle: Schall)

Wie der Gesamtverband Kunststoff-verarbeitende Industrie (GKV) feststellte, erzielte die Kunststoffindustrie im vergangenen Jahr mit knapp 60 Milliarden Euro einen neuen Rekordumsatz. In fast allen Bereichen wuchsen die Umsätze stärker als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt. Kurz: Der Branche geht es insgesamt gut. Dementsprechend innovativ ist sie und zeigt darum viele Neuheiten auf der Fakuma. Zahlreiche Produktneuheiten sind in den Bereichen Spritzgießen, Extrudieren und Thermoformen zu sehen. Neben den Maschinen stehen auch die Werkzeuge im Mittelpunkt, inklusive Normalien und Temperiergeräte, außerdem Peripheriegeräte wie Mischer und Dosierer und natürlich Rohstoffe. Die rund 1.700 Aussteller bilden also wie immer die gesamte Industrie ab. Kunststoffverarbeiter kommen also ganz sicher auf ihre Kosten.

Daneben wächst das Segment der additiven und generativen Fertigung zusehends. Die Aussteller aus diesem Bereich konzentrieren sich sowohl auf den Formen- und Werkzeugbau (hier dominiert das Lasersintern) als auch auf die Teilefertigung (vor allem durch Fused Deposition Modeling, FDM). Da der Formen- und Werkzeugbau zu den elementaren Bestandteilen der Fakuma gehört, präsentieren Unternehmen auch sogenannte komplementäre Fertigungsverfahren, bei denen mittels Metallpulverauftrag und zerspanendem Abtrag komplexe Formgebungen entstehen. Außerdem ist es damit möglich,  konturnahe Kühlkanälen für stabile und präzise Spritzgießprozesse zu integrieren.

(Farb-) Masterbatches, Additive und Filamente: Die Rohstoffhersteller bieten viele Neuheiten, die die Produktqualität erhöhen sowie das Verarbeiten vereinfachen. Auch die Palette an Biokunststoffe wird immer breiter. (Bildquelle: Schall)

(Farb-) Masterbatches, Additive und Filamente: Die Rohstoffhersteller bieten viele Neuheiten, die die Produktqualität erhöhen sowie das Verarbeiten vereinfachen. Auch die Palette an Biokunststoffe wird immer breiter.
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3D-Druck erobert die Serienfertigung

Parallel dazu ermöglichen es alternative Werkstoffe, dass 3D-Druckverfahren in vielen Fällen die Spritzgieß-, Thermoform- und Extrusions-Verfahren ergänzen oder ersetzen können. Mittlerweile kommt diese Substitution in der Serienfertigung an. Ausgehend von der stark zunehmenden Materialvielfalt und speziell auf Funktionen zugeschnittenen Material-Eigenschaften, dürfte die Verbreitung der 3D-Verfahren rasant zunehmen.

Ohne Material kein Produkt: Die sogenannten Peripheriegeräte spielen in Wahrheit eine Schlüsselrolle. Schließlich benötigt ein hochwertiges Produkt einen perfekt durchgetrockneten Werkstoff in der richtigen Dosierung, ohne Verschmutzungen oder Fehlfarben. (Bildquelle: Schall)

Ohne Material kein Produkt: Die sogenannten Peripheriegeräte spielen in Wahrheit eine Schlüsselrolle. Schließlich benötigt ein hochwertiges Produkt einen perfekt durchgetrockneten Werkstoff in der richtigen Dosierung, ohne Verschmutzungen oder Fehlfarben.
(Bildquelle: Schall)

Betrachtet man die genannten Themenbereiche aus einer gesamtheitlichen Perspektive,  befinden sich stets Material- und Energieeffizienz sowie Produktivität und Qualität im Zentrum der Aufmerksamkeit. Damit verbunden sind bisher unbefriedigend oder gar nicht gelöste Probleme beispielsweise hinsichtlich Biokunststoffe und deren Fließfähigkeit sowie Verarbeitbarkeit. Schließlich sollen sich auch alternative Kunststoffe möglichst materialeffizient und in schnellen Produktionszyklen verarbeiten lassen. Dabei setzen die verschiedenen Branchensegmente, Verpackung, Konsumgüter, Technische Teile, Medizintechnik-Komponenten, Bauelemente, jeweils ihre eigene Prioritäten.

Zum Thema Thermoformen gibt es im Foyer West eine Sonderschau. Thermoformer-Insel nennt das der Veranstalter. Der Gemeinschaftsstand hat das Ziel, potenzielle Anwender mit dem modernen Thermoformen vertraut zu machen, das sich mittlerweile in Genauigkeits-Bereichen bewegt, die vor Kurzem noch als nicht machbar galten.

Auf der Fakuma sind zahlreiche Produktneuheiten aus allen Bereichen der Kunststoffverarbeitung zu sehen. Außerdem ist die Messe eine Gelegenheit zum ausführlichen Beraten und Fachsimpeln. Besuchern und Ausstellern geht der Gesprächsstoff darum nie aus. (Bildquelle: Schall)

Auf der Fakuma sind zahlreiche Produktneuheiten aus allen Bereichen der Kunststoffverarbeitung zu sehen. Außerdem ist die Messe eine Gelegenheit zum ausführlichen Beraten und Fachsimpeln. Besuchern und Ausstellern geht der Gesprächsstoff darum nie aus.
(Bildquelle: Schall)

Fakuma: geänderte Öffnungszeiten

Die Quantität erhalten und gleichzeitig die Qualität erhöhen, so drückt sich Paul Schall, der Fakuma-Veranstalter, aus, wenn die Rede von den seit März ausgebuchten Messehallen in Friedrichshafen ist. Denn diese Full-House-Situation ist zwar einerseits durchaus erfreulich. Andererseits bleiben deshalb eine ganze Reihe potenzieller Aussteller außen vor. Die Flächen sind nunmal begrenzt. Dennoch bleibt der Veranstalter dabei: „Mit über 1.700 Ausstellern und einer Brutto-Ausstellungsfläche von 85.000 m² haben wir mit der Fakuma inzwischen eine Größe erreicht, die wir nicht wesentlich überschreiten wollen“, sagt Schall. Er sei sich mit den Ausstellern einig, dass hier bezüglich der Fachbesucher Qualität vor Quantität gehe. Mit vielen tausend Menschen – inklusive der anwesenden Fachjournalisten – ist er sich hingegen einig, dass man nach einem anstrengenden Messetag um 17 Uhr Feierabend machen darf: Die Öffnungszeiten sind in diesem Jahr am Dienstag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr und am Samstag von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de