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Was Kunststoffverarbeiter benötigen, um die internen und externen Anforderungen gleichermaßen zu erfüllen und eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben, sind Zahlen und Fakten über ihr Unternehmen – oder kurz gesagt: Transparenz. Jede Abteilung muss in der Lage sein, auf die für sie wichtigen Informationen zugreifen zu können, zu analysieren und schließlich im Sinne der Entscheidungsfindung zu bewerten. Dabei helfen betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Finanzinformationen liefert die Finanzbuchhaltung. Der Finanzleiter muss demnach die Kosten und Kostentreiber mit Hilfe einer Kostenrechnung ermitteln können. Für ihn sind zum Beispiel Eigen- und Fremdkapitalquote und Umsatzrendite wichtig. Der Vertrieb braucht hingegen Zahlen über Marktanteile, Absatzchancen und Wettbewerbsanalysen. Der Produktionsleiter benötigt unter anderem einen Überblick über die Effizienz seiner Produktionsprozesse. Hier helfen Durchlaufzeit, Termintreue und Ausschussquote. Die jeweils nötigen Informationen sollte das ERP-System bereitstellen.

Uneinheitliche Systeme erhöhen Fehlerquote

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass die IT-Infrastruktur, die eigentlich für Transparenz sorgen soll, ein gewachsenes Gebilde aus teils inkompatiblen Bestandteilen ist. Dann müssen Kunden-, Artikel- oder Rechnungsdaten, Aufträge und vieles mehr in das jeweilige System manuell eingegeben werden. Bei Stettler Kunststofftechnik beispielsweise wurden die Unternehmenskennzahlen in Access- und Exceldatenbanken ausgewertet. Diese Lösung warf jedoch immer wieder die Frage auf, wie vertrauenswürdig die Zahlen sind. So erinnert sich Matthias Seelmann, einer der Geschäftsführer, an die Zeit, als der oberfränkische Mittelständler noch ohne einheitliche Datenbank und ERP-System arbeitete. Im Jahr 2006 führte das Unternehmen die Branchenlösung Sage Wincarat ein. Seitdem sind für Seelmann die Stammdaten die Basis für den Erfolg des Systems. „Wir leben von guten Daten im ERP-System. Nur mit aktuellen Daten können wir intern aber auch gegenüber unseren Kunden schnell Informationen über Verfügbarkeiten erteilen. Das stärkt unsere Marktposition. Zudem spart es natürlich Kosten, wenn man nicht mehr wie früher erst drei Leute anrufen muss, um zu erfahren, ob ein bestimmtes Fertigteil oder Rohmaterialien auf Lager sind.“

Integrationstiefe muss sichergestellt sein

Ein zentrales ERP-System mit gepflegten Stammdaten zahlt sich aber nur aus, wenn es Integrationen zu anderen Systemen bietet. Viele Spritzgießer haben etwa ein Programm für die Finanzbuchhaltung, für das Qualitätsmanagement und die Maschinendatenerfassung. Ein ERP-System muss deren Zusammenspiel sicherstellen, um den gesamten Produktionsverlauf abzubilden und flüssige Arbeitsabläufe zu fördern. Sind keine Integrationen vorhanden, werden die Daten der einzelnen Programme in der Praxis manuell zusammen geführt. Dabei treten Medienbrüche auf, die Prozesse sind unterbrochen und ebenso fehleranfällig wie zeitaufwändig. Zudem mangelt es heterogenen IT-Infrastrukturen an Auswertungsfunktionen über die gesamte Systemlandschaft hinweg mit der Folge ungewollter Informationsdefizite.

Mehr Entscheidungssicherheit

Um tatsächlich die gewünschte Transparenz zu erhalten, werden IT-Systeme benötig, die schnell aktuelle Informationen liefern, sämtliche Informationsquellen unternehmensübergreifend integrieren und alle Daten in einem einheitlichen und durchgängigen System verarbeiten. Integrationstiefe kann demnach die ERP-Entscheidungsfindung stark beeinflussen. „Die Integrationsfähigkeit zu anderen bestehenden Systemen war für uns mit ausschlaggebend bei der Software-Entscheidung“, erläutert Seelmann, denn bei seinem Unternehmen arbeiten das ERP-System, das integrierte Finanz- und Rechnungswesen, die Personalwirtschaft sowie ein CAQ-System Hand in Hand.

Kennzahlen in Echtzeit und auf Knopfdruck in Form von Diagrammen und Grafiken geben vor allem der Geschäftsführung Sicherheit bei langfristigen Entscheidungen. Der Geschäftsleitung des oberfränkischen Unternehmens wird der Software-Nutzen insbesondere bei den wöchentlichen Produktionsbesprechungen deutlich. Das ERP-System liefert alle relevanten Unternehmenskennzahlen in Form von Reports. So sehen die Geschäftsführer Klaus Romeis und Matthias Seelmann auf einen Blick, wo es in der Produktion zu Engpässen kommen könnte, ob es Rückstände gibt oder inwiefern sich Aufträge verschieben lassen. Sie vertrauen den Zahlen im System und dessen Wirtschaftlichkeitsanalyse. So hilft ihnen beispielsweise die Auswertung der Maschinenauslastung dabei, zukünftige Investitionsentscheidungen zu treffen.

Auch der Automobilzulieferer Gealan Formteile erachtet das Modul „Planzahlen“ als eines der wichtigsten Funktionen im ERP-System. „Das System liefert uns Bedarfszahlen für die Zukunft und zeigt die Auslastung für einzelne Werkzeuge und Maschinen an. Daran machen wir unsere Kaufentscheidungen fest“, verdeutlicht Gerd Neugebauer, IT-Leiter von Gealan den Einfluss des Moduls. Über Arbeitspläne und Stücklisten erkennt die Software, welche Maschinen laut Voraussage beispielsweise zu 150 Prozent ausgelastet wären. So kristallisieren sich notwendige Investitionen frühzeitig heraus. Neben der Maschinenplanung errechnet das Modul zudem eine Umsatzerwartung. All das erfolgt über eine rollierende Zwölf-Monatsplanung.

Optimierte Lagerlogistik

Ein weiterer Bereich, in dem sich Prozesse optimieren lassen, ist das Lager. Materialverfügbarkeit und Termintreue sind wichtige Faktoren, die Rückschlüsse auf die Qualität des operativen Geschäfts schließen lassen. Der Logistikprozess nimmt wesentlichen Einfluss darauf. Um konkurrenzfähig zu bleiben und den individuellen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, greifen viele Unternehmen zu spezieller Logistiksoftware, die mittels Schnittstelle mit dem ERP-System kommuniziert. Für eine schlanke IT-Infrastruktur eignet sich jedoch ein integriertes Logistikmodul, welches den gesamten Warenfluss vom Wareneingang über die Lagerhaltung, die Produktion bis hin zur Auslieferung mobil unterstützt. Den großen Unterschied zu einer separaten Software machen die Einführungskosten. Integrierte Module sind häufig günstiger und erfordern weniger administrativen Aufwand als die vergleichsweise umfangreichere Logistiklösung. Beide Möglichkeiten bieten einen Mehrwert, der durch den Einsatz von mobilen Endgeräten erreicht wird. Barcodescanner, Stapler-Terminals und Etiketten an der Ware machen den Prozess sicherer und oftmals auch deutlich schneller. Einzelne Produkte sowie ganze Paletten lassen sich mobil identifizieren und direkt im ERP-System erfassen. Die Verarbeitung dieser Daten erfolgt in Echtzeit und bildet den physischen Warenfluss ab. Bei der innerbetrieblichen Logistik setzt Gealan auf Barcodes und Funkscanner. Diese Technik ermöglicht die lückenlose Materialverfolgung, was gerade in der Automobilbranche hohe Priorität hat. Vom Wareneingang bis zur Auslieferung des Endproduktes sind die Chargen beim fränkischen Kunststoffverarbeiter dokumentiert. „Wir wissen genau, wann welches Granulat zu welchem Kunststoffteil verarbeitet wurde und auf welchem Laster es unsere Produktionshallen verlassen hat“, erklärt Neugebauer.

Ein zentrales ERP-System ist unabdingbar für den täglichen Arbeitsablauf. Im Software-Auswahlprozess sollten Kunststoffverarbeiter die Anbieter nach der Integrationsfähigkeit zu bereits bestehenden Lösungen ansprechen und in Erfahrung bringen, inwiefern das System Kennzahlen automatisch auswertet. Dies gilt Insbesondere für Zulieferer der Automobilindustrie und Medizintechnik. Dann läuft die Produktion wie am Schnürchen.

 

Erhöhte Marktchancen

ERP-Software

Sage Wincarat ist eine der führenden ERP-Branchenlösungen für die Kunststoffverarbeitung. Als offenes System bietet die Software das ganze Spektrum des Datenmanagements im Unternehmen: von der Materialwirtschaft bis zur Produktion, vom Werkzeugbau bis zur Spritzgießfertigung. Die Materialdisposition und -bereitstellung ist auf die Belange der Zulieferindustrie abgestimmt. Die Anforderungen an den Datenaustausch per EDI sind ebenso realisiert wie die innerbetriebliche Logistik per Barcode und Scanner.

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Axel Schmied